
TALK SLOW - Der Fair Fashion Podcast
Bridge&Tunnel
Beschreibung
Bei Talk Slow sprechen wir mit Leuten, die Mode anders denken. Die Ästhetik und Ethik verbinden. Und sich wagen, neue Wege zu gehen, um Mode wieder zu einem langlebigen Wegbegleiter und einem Thema voller Leidenschaft zu machen.
Mehr Info: talkslow.de
Wir sind Conny und Lotte, Gründerinnen des Social Fashion Labels Bridge&Tunnel und sprechen für euch mit Expert:innen, und Visionär:innen darüber, warum es so schwierig ist, Mode marktfähig zu machen die alle gut finden müssten, aber viele zu selten kaufen.
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

#049 Verpackung im System Mode - mit Laura von Wildplastic
Verpackung als komplexes System
Verpackung begleitet Konsumgüter täglich, schützt Dinge und landet oft unverstanden im Haushalt. In der Modebranche wird sie selten kritisch betrachtet, obwohl hier viel Müll entsteht. Die Folge ist eine Diskrepanz zwischen alltäglicher Nutzung und globalen Auswirkungen, die kaum wahrgenommen werden. Es geht nicht nur um einzelne Verpackungselemente, sondern um deren Rolle im gesamten Konsumverhalten und um die Frage, wie wir Verantwortung fassen können.
Systemische Perspektiven von Wild Plastic
Wild Plastic arbeitet dort, wo Plastik ins System zurückgeführt werden muss: aus der Umwelt gesammelt, zu recyceltem Granulat verarbeitet und wieder als Verpackung genutzt. Die Praxis zeigt, dass Verpackungen mehr sein können als Wegwerfmaterial – sie können Markenstorys transportieren, Transparenz schaffen und konkrete Alternativen zu Neuplastik bieten. Die Herausforderungen liegen in Kosten, Logistik und der Notwendigkeit, Verpackung stärker ins Design der Produkte einzubinden.
Praxisnahe Herausforderungen und erfolgreiche Beispiele
Im Onlinehandel entstehen mehrere Verpackungsschichten: Karton, Polybags, Zwischenverpackungen und Retouren. Flexible, mehrstufige Systeme, wie eine Lieferung in zwei Klebestreifen-freier Zip-Verpackung, können Abfall reduzieren. Ein Beispiel ist die Otto-Kooperation, bei der Wild Plastic eine komplette Umstellung auf Verpackungen aus recyceltem Material realisierte. Solche Großprojekte zeigen, wie Transparenz, Kostenstrukturen und Logistik zusammenwirken müssen.
Regulierung, Mindset und Zukunft der Verpackung
EU-Regulierungen wie PPWR zielen auf weniger Verpackungsmüll, mehr Recycling und feste Rezyklatanteile ab. Hersteller sollen Verantwortung übernehmen, Materialien besser nachvollziehbar machen und Design-Entscheidungen stärker berücksichtigen. Absehbare Übergänge erfordern Kommunikation, Bereitschaft und mutige Schritte von Marken. Der Kern liegt darin, Verpackung nicht als Nebenschauplatz zu sehen, sondern als integralen Teil von Kreislaufwirtschaft, Produktdesign und Markenidentität.

#048 zero-waste Fashion - mit Natascha von Hirschhausen
Design als Schlüssel zur Nachhaltigkeit
Natascha von Hirschhausen, Designerin und Aktivistin, betont, dass nachhaltiges Design der Schlüssel zur Zero-Waste-Mode ist. Sie argumentiert, dass nur gut gestaltete Kleidungsstücke, die lange getragen werden, als nachhaltig betrachtet werden können. Design wird als Problemlösung verstanden, die den Wert von Ressourcen in den Fokus rückt.
Der Abfall in der Modeindustrie
Die Diskussion geht um den enormen Abfall, der bereits vor der Produktion von Kleidung entsteht. Zwischen 15 und 30 Prozent des Materials werden beim Zuschnitt verworfen, was als Designfehler angesehen wird. Natascha fordert einen systemischen Wandel in der Modeindustrie, um Abfall von Anfang an zu vermeiden.
Zero Waste als kreative Herausforderung
Natascha erklärt, dass Zero Waste nicht nur eine Einschränkung, sondern eine kreative Herausforderung darstellt. Durch die Anwendung von Zero-Waste-Techniken kann Mode nachhaltig und gleichzeitig kreativ sein. Die Designerin beschreibt ihre Herangehensweise, die sowohl analytisches Denken als auch Intuition erfordert.
Die Verantwortung der Industrie
Die Verantwortung für nachhaltige Praktiken liegt nicht nur beim Konsumenten, sondern auch bei den Unternehmen, die Produkte auf den Markt bringen. Natascha plädiert für mehr Verantwortung in der gesamten Wertschöpfungskette, um umweltfreundliche und faire Mode zu fördern.
Bildung und Bewusstsein schaffen
Zero Waste wird zunehmend an Designhochschulen gelehrt, und es gibt ein wachsendes Interesse an nachhaltigen Praktiken unter Studierenden. Natascha sieht hierin einen Paradigmenwechsel, der die zukünftige Modegeneration prägen könnte.
Der Weg zur Veränderung
Die Diskussion schließt mit der Erkenntnis, dass wir unsere Kaufgewohnheiten hinterfragen sollten. Natascha ermutigt die Zuhörer, sich auf ihre Lieblingsstücke zu konzentrieren und bewusste Entscheidungen zu treffen, um eine nachhaltigere Modezukunft zu gestalten.

#047 Mitreißen statt nerven! Über Faire Mode kommunizieren - mit Andrea Gerhard
Wertschätzung und Sprache
Die Bedeutung von Wertschätzung für Kleidung wird hervorgehoben. Wertschätzung kann nur durch Sprache entstehen, und es ist entscheidend, welche Worte in der Diskussion über Nachhaltigkeit verwendet werden. Der Fokus soll darauf liegen, wie man über faire Mode spricht, um Menschen zu erreichen und zu aktivieren, statt sie zu belehren.
Die Herausforderung der Kommunikation
Die Kommunikation über Nachhaltigkeit wird oft als kompliziert wahrgenommen, was dazu führt, dass Menschen beim Kauf nicht ins Handeln kommen. Das Problem liegt häufig in der Art und Weise, wie über faire Mode gesprochen wird. Um eine Verbindung zu schaffen, müssen große gesellschaftliche Fragen so gestellt werden, dass sie die Aufmerksamkeit der Menschen gewinnen.
Der Einfluss von Werbung und Greenwashing
Werbung, die nicht authentisch ist, führt oft zu Verwirrung und Frustration. Das Beispiel einer Werbung von Total Energies zeigt, wie Greenwashing in der Branche verbreitet ist. Der Podcast thematisiert die Notwendigkeit, sich über die Investitionen von Unternehmen in erneuerbare Energien zu informieren.
Die Rolle von Werten und Freundlichkeit
Werte wie soziale Gerechtigkeit und Menschlichkeit müssen in Gesprächen über faire Mode berücksichtigt werden. Freundlichkeit sollte in der Kommunikation im Vordergrund stehen, um eine ehrliche Verbindung zu schaffen. Es wird diskutiert, ob große Unternehmen in die Gespräche einbezogen werden sollten und wie zielführend das ist.
Die Herausforderung des Kaufverhaltens
Ein wissenschaftlicher Fakt zeigt, dass Menschen, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen, dennoch oft wie klassische Fast-Fashion-Käufer agieren. Wissensvermittlung allein führt nicht zu nachhaltigem Handeln, und es wird nach den Gründen gefragt, warum das so ist.
Die Kraft der Sprache und Bilder
Sprache und Bilder prägen die Wahrnehmung von Nachhaltigkeit. Es wird diskutiert, welche Begriffe und Bilder in der Kommunikation über faire Mode vermieden werden sollten, um eine bessere Wertschätzung zu fördern. Der Wunsch nach ehrlicher Kommunikation und das Teilen von realistischen Bildern sind zentral.
Persönliche Geschichten und Engagement
Persönliche Geschichten sind entscheidend, um Menschen für faire Mode zu interessieren. Die Verbindung zwischen Konsum und sozialen Themen zeigt, dass Menschen oft durch persönliche Anker motiviert werden, sich für nachhaltige Produkte zu entscheiden. Es wird betont, dass faire Mode nicht nur als Nische existieren sollte, sondern ein selbstverständlicher Teil des Alltags werden kann.
Zukunftsperspektiven für faire Mode
Die Vision für die Zukunft der fairen Mode erfordert neue Geschichten und Narrative. Ein positiver, ansprechender Ton ist entscheidend, um Menschen zu erreichen und für nachhaltige Produkte zu begeistern. Es wird diskutiert, dass faire Mode auch ohne einen sozialen Schwerpunkt erfolgreich sein kann, solange die Kommunikation authentisch und ansprechend ist.