
Die Hupe | Auto- und Motorrad-Nerdcast
Sebastian Bauer; Clemens Gleich
Beschreibung
Der laut-starke Mobilitäts-Podcast zu Auto, Motorrad und mehr von und mit Sebastian Bauer und Clemens Gleich.
Ob mit zwei oder vier Rädern, autonom oder elektrisch. Clemens Gleich und Sebastian Bauer diskutieren Themen rund um Autos und Motorräder, die sie gerade bewegen. Mal ernst, mal zynisch.
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Folge 76: Kosteneffizienz beim E-Auto-Laden, Honda WN7 E-Höllenritt und der Versys-1000-Kompromiss
07.09.2026
Warum Hondas neues Elektromotorrad in der Sommerhitze kollabiert, wieso aus der Traum-VFR eine Kawasaki wurde und wie Solaranlage, Wallbox und E-Auto wirklich zusammenpassen
Clemens auf der E-Honda WN7
Nachdem der Zero LS1 im positiven Sinne durchgetestet ist, hat sich Clemens dieses Mal Hondas neues Elektromotorrad vorgenommen, mit kleinem 9,3-kWh-Akku, CCS-Anschluss und großen Vorschusslorbeeren aus der Szene ("das erste E-Motorrad für eine ganz normale Alpentour"). Die Realität sah anders aus: Bei sommerlichen 33 bis 35 Grad wurde der ungekühlte Akku, ein blankes Alu-Gehäuse ganz ohne Kühlrippen, schon nach rund 150 Kilometern so heiß, dass die Ladeleistung von versprochenen 24 kW auf teils nur noch 3 kW einbrach und die Leistung während der Fahrt per Schildkröten-Symbol spürbar gedrosselt wurde, inklusive Ausfall der Rekuperation. Zum Vergleich: Die Harley-Davidson LiveWire One lädt und fährt bei denselben Temperaturen völlig unbeeindruckt weiter, dank aktivem Kühlkreislauf für Motor, Umrichter und Onboard-Charger.
Dabei ist die Honda, da sind sich beide einig, richtig schön gemacht, ein echtes Stück Retro-Futurismus mit sehr durchdachtem Design. Nur eben mit fragwürdigen praktischen Kompromissen: Für den USB-Anschluss unter der Sitzbank braucht man zwei verschiedene Inbusschlüssel (die Honda praktischerweise gleich im Ladestecker deponiert hat), und eine Kabelführung zum Verstauen des Steckers gibt es schlicht nicht. Realistisch nutzbar sind zwischen 20 und 80 Prozent Akkustand gerade einmal rund 60 Kilometer Reichweite, bergauf reicht es laut Clemens' Testfahrt durch den Spessart nicht einmal zum Überholen eines Lastwagens. Sein Fazit: technisch ein Rückschritt gegenüber dem, was Wettbewerber wie BMW, Kawasaki oder Triumph längst in der Schublade liegen haben, und mit "urban" als Zielgruppenbeschreibung sowieso zum Scheitern verurteilt, denn Motorradfahrern fehlt es nicht am Geld für Benzin, sondern an Zeit für lange Ladepausen.
Bewegt: Sebastian auf Motorradsuche in Colorado
Nach dem Abschied von seiner geliebten Ducati Monster 1100 sucht Sebastian nun ein Motorrad für den neuen US-Alltag, tourentauglich, weil er künftig geschäftlich Roadtrip-Strecken in den umliegenden Bundesstaaten scouten möchte. Ins Auge gefasst hatte er zunächst eine Honda VFR 800 (RC46, Baujahr 2004, mit dem VTEC-V4), inklusive Werkskoffern und dem markanten Sound-Umschlagpunkt beim Zuschalten der zweiten Nockenwellenstufe. Die Probefahrt überzeugte klanglich und vom Fahrgefühl, allerdings entpuppten sich bei der Besichtigung undichte Gabelholme auf beiden Seiten als Dealbreaker, ausgerechnet vor dem Herbst. Clemens ergänzt dazu aus eigener Erfahrung mit dem Dauertestfahrzeug: Gerade bei frühen VFR-Baujahren soll es beim VTEC-System nennenswerte Serienstreuung gegeben haben, ungewöhnlich für Honda.
Am Ende wurde es, entgegen aller Erwartungen und zur eigenen Überraschung, eine Kawasaki Versys 1000, kurzfristig verfügbar, günstig im Preis und mit großem 23-Liter-Tank für lange Distanzen ausgestattet. Kein aufregendes Motorrad, wie Sebastian selbst zugibt, aber "she gets the job done". Nebenbei ein kleiner Einblick in den Motorradführerschein-Prozess in den USA: In Colorado reicht ein Wochenendkurs mit Online-Vorbereitung, einfachen Grundfahraufgaben und einem kurzen Theorietest, oder alternativ eine eigenständige Prüfung direkt mit einem DMV-Prüfer auf dem Parkplatz. Sebastians Frau Susa kann parallel mit einem Learner's Permit üben, solange er sie mit dem Auto begleitet.
Hauptthema: Kosteneffizient laden mit Elektroauto und Solaranlage
Als Nachlese zu einem dreistündigen Heise-Webinar gibt Clemens die zentralen Erkenntnisse zum kosteneffizienten Laden von Elektroautos zusammen. Sein wichtigster Punkt: Wer eine Solaranlage sinnvoll auslasten will, sollte eher aufs E-Auto statt auf die Wärmepumpe setzen. Reine Heizenergie lässt sich meist nur zu rund 10 Prozent aus Solarstrom decken, während ein Auto mit typischerweise 10 oder mehr Kilowattstunden Tagesverbrauch sehr viel flexibler geladen werden kann, vorausgesetzt, eine automatisierte Wallbox mit Energiemanager übernimmt die Steuerung nach Solarüberschuss. Auch für Mietwohnungen gilt: Sowohl Wallbox als auch Balkonkraftwerk sind im deutschen Mietrecht privilegierte Maßnahmen, die ein Vermieter nur mit triftigem Grund verweigern darf.
Praktisch relevant sind außerdem die Rabatte nach § 14a Energiewirtschaftsgesetz für steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen: ein Pauschalnachlass von 100 bis 190 Euro im Jahr (Modul 1), ein Rabatt von 60 Prozent auf die Netzentgelte pro Kilowattstunde bei separatem Zähler (Modul 2) sowie Zugang zu zeitvariablen Netzentgelten mit Modul 3. Im Gegenzug darf der Netzbetreiber im echten Notfall die Ladeleistung drosseln, in der Praxis laut Clemens bislang kaum je nötig gewesen. Ebenfalls ein Thema: die Treibhausgasquote, die Halter von E-Autos jährlich gegen eine kleine Auszahlung beantragen können und die nach einem Zwischentief aktuell wieder steigt, weil die Mineralölkonzerne ihre eigenen CO2-Einsparpotenziale zunehmend ausgeschöpft haben.
Zum Ausklang ein Blick auf Vehicle-to-Grid: Mit BMW und E.ON gibt es erstmals ein Angebot, bei dem angeschlossene Elektroautos am Intraday-Strommarkt teilnehmen und dafür sowohl für die Bereitstellungszeit als auch für ein- und ausgespeicherten Strom vergütet werden, potenziell einige hundert Euro im Jahr. Der große Haken: Aktuell funktioniert das nicht in Kombination mit einer Solaranlage mit Eigenverbrauch, aus rein bilanziellen Messgründen. Vorerst bleibt das also ein Angebot für Technik-Enthusiasten mit Volleinspeiseanlage oder ganz ohne eigene Solaranlage.
Als kleinen Blick über den Teich beschreibt Sebastian, wie das in Colorado gelöst ist: Beim regionalen Monopolversorger Xcel Energy liegt der Peak-Tarif zwischen 17 und 21 Uhr bei etwa 22 US-Cent pro Kilowattstunde, außerhalb dieser Zeit bei nur 7 bis 8 Cent, deutlich größere Spannen als hierzulande. Smart Meter sind dort inzwischen an praktisch jedem Haus Standard.

Folge 75: Hello, America! VW Atlas Cross Sport, Zero LS1 und das erste Lebenszeichen aus den USA
03.08.2026
Sebastians erstes US-Auto, Clemens' nächster E-Großroller und ein ehrlicher Blick auf Bürokratie, Nachbarschaft und Straßenverkehr im neuen Zuhause
Sebastians im VW Atlas Cross Sport
Sebastian brauchte schnell ein Auto in den USA und hat dabei den Tipp eines Freundes beherzigt: sonntags auf Autohaus-Parkplätzen nach Autos schauen, wenn kein Verkäufer nervt. Am Ende gekauft wurde, entgegen der ursprünglichen Planung, doch etwas Deutsches: ein VW Atlas Cross Sport, Baujahr 2020, mit dem bekannten 2,0-Liter-EA888-Turbomotor (285 PS), 70.000 Meilen auf dem Tacho und für rund 20.000 Dollar, umgerechnet etwa 16.000 Euro. Statt Doppelkupplungsgetriebe steckt in der US-Version eine Aisin-Wandlerautomatik, eine Kombination, die es in Europa gar nicht gibt und die Sebastian aus Zuverlässigkeits- und Wartungsgründen gezielt gewählt hat. Mit 4,97 Metern ist der Atlas übrigens länger als ein aktueller Touareg, ein echtes "Landesprodukt" für den US-Markt.
Clemens' E-Großrollersaga geht weiter: Zero LS1
Nachdem elektrische Großroller bislang außer dem BMW CE 04 als durch die Bank enttäuschend galten, hat sich Clemens jetzt den Zero LS1 zum Testen besorgt. Mit rund 5.195 Euro deutlich günstiger als die BMW-Konkurrenz und aktuell sogar mit Sommerbonus. Der Roller kam allerdings ramponiert an, unter anderem mit zerstörtem Topcase, und musste erst beim Händler wieder in Ordnung gebracht werden. Mit drei Akkupacks (zwei im Unterboden, einer hochkant im Gepäckfach, das dadurch praktisch nutzlos wird) sind laut erster grober Schätzung rund 160 bis 170 Kilometer Reichweite drin. Auffällig: Die "Höchstgeschwindigkeit" von 100 km/h gilt offenbar nur bei vollem Akku, und Anmutung wie Bedienung erinnern stark an chinesische Rollerkonzepte. Ein ausführlicher Test folgt, hier gibt's nur dann mehr zu hören, wenn er wirklich überzeugt.
Hauptthema: Vier Wochen USA: Ein erster Alltagscheck
Seit dem 25. Juni lebt Sebastian nun mit Frau und Katzen im Großraum Denver, nach Green Card, Probeeinreisen und einem Umzug, der zuletzt richtig hektisch wurde. Zeit für eine erste Bilanz. Überraschend entspannt liefen ausgerechnet die Behördentermine: die Führerscheinstelle in Denver war freundlich und unkompliziert, ebenso die Einreise mit Green Card, selbst die Katzen interessierten die Bundesbeamten herzlich wenig, obwohl vorher jede Menge Papierkram beim Veterinäramt nötig war. Deutlich mehr Nerven kostete dagegen der Abschied von den deutschen Behörden und Institutionen: das Finanzamt mit verwechselten Steuernummern und "Entstrickungsbesteuerung", die gesetzliche Krankenversicherung, die partout keine Abmeldebestätigung akzeptieren wollte, und die Solaris-Bank, die das Konto wegen der US-Steuerpflicht praktisch von einem Tag auf den anderen komplett eingefroren hat, lange vor der eigentlichen Kündigungsfrist.
Im direkten Vergleich zeigt sich: Die USA regeln vieles über Eigenverantwortung statt über Vorschrift, mit klaren Schattenseiten. Unversicherte, klapprige Autos mit sichtbar wackelnden Rädern sind auf dem Interstate keine Seltenheit, Temporary-Tags am Auto laufen sichtbar ab, ohne dass es irgendwen zu stören scheint, und ganz nebenbei fährt gefühlt jeder zweite Harley-Fahrer ohne Helm.
Auch das Thema Wohnen und Kreditwürdigkeit kommt zur Sprache: Ohne Credit Score und Social Security History gilt man in den USA quasi als unbeschriebenes Blatt, was die Wohnungssuche erschweren kann. Bei Sebastian hat am Ende der persönliche Eindruck beim privaten Vermieter mehr gezählt als jeder Report, inklusive einer Solaranlage auf dem gemieteten Haus, die die Stromkosten für die Klimaanlage im Sommer erfreulich niedrig hält und nebenbei auch ein Elektroauto wieder attraktiver macht.
Zum Ausklang blicken wir schon auf die nächsten Motorradpläne: In zehn Minuten von der Haustür direkt in die Rocky Mountains, Craigslist als überraschend zeitgemäße Fundgrube für gebrauchte Bikes eingeschlossen.
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Folge 74: Chinas Autoindustrie, E-Zugfahrzeugsuche, USA-Umzug
01.06.2026
E-Zugfahrzeug gesucht, heiße Umzugsphase und ein Blick auf die Autoindustrie im Reich der Mitte
Bewegt: Günther muss gehen, aber was kommt?
Der alte Mercedes S202 in Clemens' Haushalt muss auf absehbare Zeit abgelöst werden. Eine kurze Berechnung ergab: Selbst mit dem mittlerweile gegen Null tendierenden Wertverlust des alten Benz ist es bei einer Kilometerleistung von rund 15.000 km im Jahr sehr viel billiger, Elektroauto zu fahren als Benziner. Zum Kauf kommen nur Gebrauchte in Frage, aber viele frühe Elektroautos hatten keine Anhängerkupplung, was aber für einen S202-Ersatz alternativlos wäre. Wir diskutieren einige Kandidaten, die bei der Suche auftauchten und interessieren uns für eure Eingaben dazu: Was gibt es im Bereich ~15 KEUR mit etwas Platz und einer Anhängerkupplung für mindestens 500 kg Zuglast?
Wegbewegung: Sebastians letzte Folge aus Deutschland
Diese Folge ist unsere letzte nationale deutsche Folge. Sebastian kommt nun in die heiße Phase seines Umzugs in die USA. Die Räume werden leer, die Frage "brauche ich das eigentlich" wird mit jedem Tag für jeden betrachteten Gegenstand einfacher: Das Meiste braucht man nicht. Auch die Motorräder sind schon weg oder kommen weg. Wer eine geleckte Triumph Street Triple 675 R haben will: melde dich! Oder eine luftgekühlte Ducati Monster 1100 mit ABS? Oder einen selten handlichen Fulldresser-Koffer-Racer mit der Honda Deauville "RR" gefällig? Viel ist schon geschafft, aber jeder Umzug wird in der heißen Phase hektisch. Wir werden folglich im Juli pausieren. Ab August dann wird die Hupe zum transatlantisch-internationalen Podcast. Die alte Lotus Elise kann wahrscheinlich mit umziehen. Viele von euch haben sich auf den Aufruf mit guten Tipps gemeldet, dafür von uns noch einmal vielen Dank!
Hauptthema: Chinas Autoindustrie
In den Achtzigerjahren trieb sich Deutschland noch selbst mit dem Spruch "China überholt uns noch!" an. Damals ging es im Reich der Mitte los mit dem wirtschaftlichen Aufstieg und Deutschlands damalige Leistungsgesellschaft nahm die Konkurrenz als Ansporn für eigene Verbesserungen. Mittlerweile sind wir in den meisten Bereichen überholt. Selbst bei unserem Stolz, den deutschen Autos, muss sich das chinesische Angebot nicht verstecken, sondern ist in einigen Bereichen sogar weiter entwickelt, zum Beispiel bei der Batteriezellentechnik. Die Entwicklungszyklen sind in China kürzer als bei uns, der chinesische Staat steht fest hinter seinen Autoherstellern und wo Europa sich mit umständlicher Nabelschau aufhält, finden die Fernostfirmen schnelle, pragmatische Lösungen. Das ist schon beeindruckend.
Auf der diesjährigen Messe "Auto China" zeigte die mit Abstand größte Autoindustrie der Welt stolz ihre aktuelle Stärke: Extreme Ladeleistungen, luxuriöse Kabinen und viel Digitaltechnik bestimmten die Exponate. Zusätzlich zeigten Chinas Autobauern den internationalen Gästen ausgesuchte Teile ihrer hochautomatisierten Fertigung. Die "Dark Factories" machten die Runde im deutschen Fernsehen. Wir sprechen über diesen faszinierenden Markt, was der aktuelle Stand für Europa bedeutet und ob die seit bald 10 Jahren immer wieder beschworene Schwemme günstiger Autos aus China nun endlich zu uns kommt.
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Bilder: Zeekr/Geely, Clemens Gleich, Sebastian Bauer
