
Der Sozialkompass
ksœ — Katholische Sozialakademie Österreichs
Beschreibung
Der Sozialkompass widmet sich aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und den Menschen, die dafür Orientierungsmöglichkeiten und Lösungswege bieten. Gemeinsam mit ihnen versucht er, mehr über die Voraussetzungen für ein gelingendes gesellschaftliches Miteinander zu erfahren. Einmal im Monat treffen Markus Schlagnitweit und Henning Klingen Personen aus Theorie und Praxis, um mit ihnen herauszufinden: „In welche Richtung kann es weitergehen?“
Ein Podcast der ksœ - Katholische Sozialakademie Österreichs
www.ksoe.at
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Wie gelingt Bildungsgerechtigkeit, Veronika Schippani-Stockinger?
01.09.2026
Über Inklusion, Leistungsdruck und ehrenamtliches Engagement
„Wir versuchen ganz bewusst einen Kontrapunkt zu setzen zu einer starken Leistungsgesellschaft, indem wir die Kooperation in den Mittelpunkt stellen, weil wir glauben, dass das das Vorbild ist, das wir aus dem Evangelium leben können… Die Idee, Kindern eine günstige, sinnvolle Ferienbeschäftigung anzubieten, indem sie auf Jungscharlager, auf ein Ministrant:innenlager fahren, ist eine großartige. Nur wenn wir niemanden mehr haben, der da als Begleitperson mitfahren kann, dann bleibt das alles graue Theorie.“
Die Katholische Jungschar ist einer der größten Anbieter von Kinderbildungsangeboten in Österreich. Rund 100.000 Kinder nehmen regelmäßig an Jungschargruppen teil – sie verbringen dort ihre Freizeit, engagieren sich, erleben Gemeinschaft, Wertebildung und Glauben.
Veronika Schippani-Stockinger ist Bundesvorsitzende der Katholischen Jungschar und dort für den Bildungsbereich zuständig. In Bezug auf Bildungsgerechtigkeit stellt sie fest, dass Kinder und Jugendliche in Österreich formal zwar denselben Zugang zu Bildungsangeboten haben, es in der Praxis jedoch ganz starke Unterschiede, bedingt durch die Herkunftsfamilie, gibt. Für sie hat Bildungsgerechtigkeit vor allem mit Zugang und Inklusion zu tun. Das beginnt schon damit, Kinder als Kinder – und nicht als kleine perfekte Erwachsene – wahrzunehmen. Für sie ist klar: Kinder sollen laut sein und Fragen stellen dürfen; ein gerechtes Bildungssystem kommt dem entgegen, geht auf Augenhöhe mit den Kindern und versucht, die Welt aus ihrer Perspektive zu sehen.
Bildung bedeutet in der Katholischen Jungschar, die in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit tätig ist, vor allem Herzensbildung und ganzheitliche Begleitung der Kinder in ihrer gesellschaftlichen und persönlichen Entfaltung. Damit diese Funktion erhalten bleibt, äußert sie auch eine klare Forderung an die Politik, dass Ehrenamt leistbar sein muss. Denn auch die Gruppenleiter:innen müssen es sich (finanziell) leisten können, ehrenamtlich tätig zu sein.
Darüber hinaus sprechen wir mit Schippani-Stockinger auch über die hohen Ansprüche an Kinder in den Schulen, den sich immer stärker auswirkenden Leistungsdruck sowie über die Auswirkungen der Digitalisierung und Smartphones.
Veronika Schippani-Stockinger ist Bundesvorsitzende der Katholischen Jungschar und dort für den Bildungsbereich in der Jungschar zuständig. Darüber hinaus ist sie in ihrem Hauptberuf Pädagogin und Lehrerin.
Zur ksoe-Website: https://www.ksoe.at/podcast
Gefördert durch die Österreichische Gesellschaft für politische Bildung.

Was ist antifaschistische Wirtschaftspolitik, Sabine Nuss?
01.08.2026
Über Eigentumsfragen, regulierbaren Kapitalismus und rechte Politik
„Kapitalismus ist per se krisenhaft. Das lässt sich schwer regulieren. Wir hören ständig, dass wir alle international wettbewerbsfähig sein müssen. Und für die internationale Wettbewerbsfähigkeit müssen wir den Gürtel enger schnallen. Alle. Was aber dazu führt, dass wir ein Herrschaftsverhältnis haben, das verschleiert wird. Ich kriege das ständig zu hören, wenn ich mich für Vergesellschaftung einsetze. Die will die DDR wiederhaben. Das ist alles Sozialismus und so, da müsste man ansetzen, dass man sagt, wir müssen die Betriebe wieder zu demokratischen Unternehmen machen und müsste die Wirtschaftssphäre durchgängig demokratisieren. Und da kann jeder was machen, in jedem Betrieb alle.“
Im Jahr 2024 sorgte ein Tweet von Isabella Weber für Aussehen, die konstatierte, dass ökonomische Krisensituationen den rechten Parteien zugutekommen – und festhielt, dass es Zeit sei, über antikapitalistische Wirtschaftspolitik zu sprechen. Zu deren Maßnahmen zählen u. a. Umverteilungsinstrumente wie die Vermögens- und Erbschaftssteuer, die Stärkung von Arbeitnehmer:innenrechten und staatliche Investitionen, um Arbeitsplätze zu schaffen und die grüne Reindustrialisierung einzuleiten – sowie staatlicher Katastrophenschutz in der Krise, wie etwa eine Deckelung der Gaspreise. Diese Maßnahmen gehen aus von der Idee des regulierbaren Kapitalismus.
Für Sabine Nuss ist antifaschistische Wirtschaftspolitik zwar notwendig, aber nicht ausreichend: Sie bezweifelt, dass der Kapitalismus so stark reguliert werden kann, dass er dem Wohle aller dient und sieht ihn per se als krisenhaft, schwer regulierbar und von Herrschaftsverhältnissen durchdrungen. Zum anderen sei ökonomische Benachteiligung nicht der einzige Beweggrund, rechte Parteien zu wählen – wie sich anhand von Superreichen wie Elon Musk sehen lässt.
Stattdessen zeigt sie auf, wie das dem Kapitalismus innewohnende Konkurrenzdenken ein solidarisches Miteinander verunmöglicht und ihn dadurch unter bestimmten Bedingungen anschlussfähig für rechtes Gedankengut macht – und was die bürgerliche Mitte damit zu tun hat. Zuletzt sprechen wir über einen Thomas-Bernhard-KI-Chatbot und die Probleme der Sozialdemokratie, die aktuellen Probleme an der Wurzel zu lösen.
Mehr Interesse? Hier sind unsere Lesetipps zum Thema:
Sabine Nuss und Michael Heinrich (2026): Tausch und Täuschung
Sabine Nuss, Andrej Holm, Stephan Kaufmann, Antonella Muzzupappa & Ingo Stützle (2025): Der verdrängte Kapitalismus
Sabine Nuss (2024): Wessen Freiheit, welche Gleichheit?
Sabine Nuss ist Politologin und Publizistin. Nach ihrer Ausbildung zur Redakteurin an der Axel Springer Journalistenschule Hamburg studierte sie Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin und promovierte über Eigentum im digitalen Kapitalismus. Sie ist Herausgeberin und Autorin verschiedener Bücher zu den Themen Ideologie, Genese und Praxis des Privateigentums, Naturverhältnisse, sowie Digitalisierung im Kapitalismus. Sie war Leiterin der Politischen Kommunikation bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung und bis April 2023 war sie Geschäftsführerin des Karl Dietz Verlags. https://www.sabinenuss.de
Gefördert durch die Österreichische Gesellschaft für politische Bildung.
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Wie emotional darf Politik sein, Anna Durnová?
01.07.2026
Über Emotionen in demokratischen Gesellschaften, populistischer Vereinnahmung und politischem Aktivismus
„Es geht gar nicht darum, ob wir eine Emotionalisierung in der Politik zulassen, sondern wie wir sie betreiben. Wir müssen mit den Emotionen arbeiten im Sinne davon, dass wir sie reflektieren müssen. Wir können nicht automatisch sagen, das ist eine Emotion, und deshalb ist es authentisch und richtig. Wir müssen uns zutrauen, über Emotionen zu sprechen, auch Emotionen ablehnen zu können, auch Emotionen sortieren zu können.“
Die Politik ist nicht vor Emotionalität gefeit, wie auch Schreiduelle im Hohen Haus immer wieder zeigen. Sind diese ein Ausdruck davon, dass es den Beteiligten um etwas geht, oder schaden solche Emotionen der politischen Debatte? Mit Anna Durnová sprechen wir über die Rolle von Emotionen in demokratischen Gesellschaften und wie diese helfen können, Gerechtigkeit herzustellen.
Für Anna Durnová, Professorin für politische Soziologie an der Universität Wien, sind politische Emotionen stark eingebettet in unsere Sozialisierung – durch Herkunft, Gender und soziale Strukturen. Als solche prägen sie unsere Wahrnehmung von Politik. Doch die Rolle von Emotionen in der Politik hat sich stark verändert, zum einen durch die zunehmende Individualisierung, zum anderen durch die Emotionalisierung der Öffentlichkeit. Das sorgt dafür, dass oftmals individuelle Gefühle mit Argumenten gleichgesetzt werden.
Emotionen traten laut Durnová in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in die politischen Debatten ein und wurden etwa durch Bürger:innenkonferenzen, Referenden, Diskussionen in Dörfern rund um den Bau von Kraftwerken sichtbar. Neben dem Aktivismus nutzt jedoch auch der Populismus Emotionen der Bürger:innen – vielfach jedoch, um diese zu manipulieren.
Durnová plädiert dafür, sich zu trauen, über Emotionen zu sprechen. Wichtig für sie ist, dass Politiker:innen auf die Emotionen der Bürger:innen hören; diese gilt es jedoch einzuordnen – und sie dürfen auch abgelehnt werden.
**Anna Durnová **ist Professorin für Politische Soziologie am Institut für Soziologie der Universität Wien und Faculty Fellow am Center for Cultural Sociology der Yale University. Zudem ist sie Mitglied der Redaktionsbeiräte der Zeitschriften „Policy & Politics“ und „Critical Policy Studies“. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Rolle von Emotionen in demokratischen Gesellschaften. Derzeit ist sie Konsortialleiterin des CIDAPE-Projekts (Climate, Inequality and Democratic Action: The Force of Political Emotions; Horizon Europe 2024–2027) und ist Hauptforscherin des ERC Advanced Grant LONERS (2026–2031). Im Jahr 2024 erhielt sie den Preis der Mattei-Dogan-Stiftung für europäische politische Soziologie.
Portraitfoto: © Eguenie Sophie
Gefördert durch die Österreichische Gesellschaft für politische Bildung.
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