
Architektur, Stadt, Planung
Kerstin Kuhnekath, Bundesarchitektenkammer
Beschreibung
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

E45 – Anett Maud-Joppin, Dietz Joppin Architekten: Was Auslober gewinnen
Wettbewerbe als Motor für Innovation und Chancen junger Büros
Wettbewerbsverfahren ermöglichen einen Qualitätsvergleich verschiedener Ansätze und beschleunigen Genehmigungsprozesse. Junge Büros erhalten so eine Chance, Sichtbarkeit und weitere Projekte zu gewinnen, während etablierte Akteure von frischem Denken profitieren. Durch offene oder teiloffene Formen lässt sich das Spektrum erweitern, Referenzen weniger wichtig machen und experimentelle, zukunftsorientierte Ansätze fördern. Die Beteiligten beobachten, dass hochwertige Entwürfe oft wirtschaftlicher sind, wenn sie sorgfältig bewertet werden.
Juryprozesse: Struktur, Transparenz und Zusammenarbeit
Eine Jury arbeitet schrittweise: Auslobung, Informationsrundgang, Wertungsrunden und Engere Wahl. Diskussionen bleiben offen und demokratisch, mit Texten, die den Diskussionsprozess dokumentieren. Entscheidungen beruhen auf Kriterien der Aufgabenstellung, wobei Experten- und Sachpreisrichterinnen gemeinsam bewerten. Konflikte kommen vor, werden aber durch klare Regeln, Überarbeitungshinweise und ggf. Schleifen gelöst, ohne den fachlichen Anspruch zu verwässern.
Nachhaltigkeit, Bestand und Öffentlichkeit in der Bewertung
Nachhaltigkeit durchzieht Entwürfe in Städtebau, Programm, Konstruktion und Materialwahl. Bewertet werden ökologische, ökonomische und soziale Aspekte, inklusive Lebenszyklusbetrachtungen. Transformationsprojekte im Bestand gewinnen an Bedeutung, während öffentliche Beteiligung, Gestaltungsbeiräte und Pressearbeit das Verständnis von Baukultur fördern und Transparenz schaffen.
Ratschläge für junge Architektinnen und Architekten
Mut zum Experiment und proaktives Anwerben von Chancen sind zentral. Wer sich nicht auf Standardwege verlässt, kann auch eigenständig Kontakte zu Auftraggebern suchen oder Nischenprojekte realisieren. Die Sichtbarkeit durch Wettbewerbe bleibt wichtig, doch echte Durchsetzungskraft entsteht oft durch eigenständige Initiativen, Beharrlichkeit und frei denkendes Vorgehen.

E44 – Matthias Sauerbruch, Sauerbruch Hutton: Wettbewerbe als Innovationsmotor
Innovationspotential im Wettbewerbswesen
Der Podcast thematisiert die Innovationsbremse im Wettbewerbswesen, die darin besteht, dass oft nur erfahrene Architekt:innen für bestimmte Projekte in Betracht gezogen werden. Matthias Sauerbruch plädiert dafür, auch unkonventionelle Ideen zu fördern, um Raum für kreative Ansätze zu schaffen.
Erfahrungen mit dem GSW-Hochhaus
Sauerbruch reflektiert über die Gründung seines Architekturbüros und den Gewinn des Wettbewerbs für das GSW-Hochhaus in Berlin. Trotz anfänglicher Unerfahrenheit führte die Naivität zu innovativen Lösungen und einer erfolgreichen Umsetzung des Projekts.
Herausforderungen im heutigen Wettbewerbsumfeld
Die Anforderungen an Architekturbüros haben sich verändert. Es wird mehr Dokumentation und Nachweisführung gefordert, was die Teilnahme an Wettbewerben erschwert. Sauerbruch betont die Notwendigkeit, den Experimentiergeist zu bewahren und auch für risikoreiche Ideen Anerkennung zu finden.
Gesellschaftliche Verantwortung der Architekten
Architekten müssen sich den gesellschaftlichen Herausforderungen stellen und im Kontext von Klimawandel und Ressourcenknappheit agieren. Sauerbruch sieht Wettbewerbe als wichtiges Instrument, um neue Ideen und nachhaltige Ansätze zu entwickeln.
Die Zukunft des Wettbewerbswesens
Ein Wertewandel in der Gesellschaft ist erforderlich, um das Wettbewerbswesen zu reformieren. Sauerbruch schlägt vor, die Loyalität gegenüber den Wettbewerbsergebnissen zu stärken und Projekte, die aus Wettbewerben hervorgehen, ernsthaft weiterzuverfolgen.

E43 – Christopher Schriner, Bezirksstadtrat Berlin Mitte: Wettbewerbe als gelebte Demokratie
Wettbewerbe als Instrument der Qualitätssicherung
Wettbewerbe bieten die Möglichkeit, Projekte ohne Vorabauslese zuzulassen und die Qualität durch einen strukturierten Prozess zu sichern. Dies fördert eine demokratische Verfahrenskultur, die dazu beiträgt, dass die besten Lösungen für städtebauliche Herausforderungen gefunden werden.
Einblick in die Rolle von Christopher Schriener
Christopher Schriener, Bezirksstadtrat für Ordnung, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen in Berlin-Mitte, spricht über seine Erfahrungen sowohl aus der Perspektive seiner früheren Tätigkeit bei C4C als auch aus seiner aktuellen politischen Verantwortung. Er hebt hervor, wie wichtig es ist, die Rahmenbedingungen für Wettbewerbe an lokale Gegebenheiten anzupassen.
Herausforderungen im Wettbewerbswesen
Die Diskussion dreht sich auch um die Herausforderungen des Wettbewerbswesens, insbesondere um die bürokratischen Hürden und das Vertrauen zwischen den Beteiligten. Kritisiert wird, dass das Bauwesen zunehmend durch juristische Anforderungen belastet wird, was innovative Ansätze hemmt.
Die Bedeutung der Öffentlichkeit und der Dialog
Schriener betont die Wichtigkeit der gesellschaftlichen Akzeptanz und des Dialogs zwischen Planenden und der Öffentlichkeit. Dialogorientierte Verfahren können helfen, verschiedene Perspektiven und Anforderungen in den Planungsprozess einzubinden.
Abschließende Gedanken zur Verfahrenskultur
Abschließend wird die Rolle der Wettbewerbe als Teil der gelebten Demokratie hervorgehoben. Diese Verfahren ermöglichen nicht nur die Qualitätssicherung von Planungsleistungen, sondern fördern auch den öffentlichen Diskurs über baukulturelle Beiträge.