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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Europas vergessene Geflüchtete
Einführung und Interviewpartner
Im Dossier-Podcast spricht Sahal Zarinford mit der Soziologin Judith Kohlenberger über Migration und Flucht, insbesondere im Kontext der tödlichsten Fluchtroute der Welt, dem zentralen Mittelmeer. Kohlenberger leitet das Institut für Migration und Fluchtforschung an der Wirtschaftsuniversität Wien und untersucht die komplexen Zusammenhänge zwischen Migration, Flucht und Integration.
Die Gefahren der zentralen Mittelmeerroute
Kohlenberger erklärt, dass die zentrale Mittelmeerroute laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) als die gefährlichste Fluchtroute gilt, was auf die hohe Zahl an Überfahrten und die extremen Risiken auf dem Wasser zurückzuführen ist. Die Gefahren sind durch die Rückzüge staatlicher Seenotrettungsmaßnahmen und die Überwachung durch Küstenwachen in Nordafrika gestiegen, was zu einer Zunahme von Todesfällen führt.
Zivile Seenotrettung
Die zivile Seenotrettung ist nicht staatlich organisiert und entstand aus der Notwendigkeit, als staatliche Aktionen zurückgingen. Kohlenberger beschreibt, dass diese Rettungsaktionen oft von Freiwilligen durchgeführt werden, die sich zusammenschließen, um Menschenleben zu retten. Diese Initiativen sehen sich jedoch zunehmend mit rechtlichen und politischen Hürden konfrontiert.
Konflikt zwischen zivilen Seenotrettern und Behörden
Die Beziehung zwischen zivilen Seenotrettungsorganisationen und staatlichen Behörden ist angespannt. Kohlenberger erläutert, dass es oft an der Behördenkooperation mangelt, was die Arbeit der Seenotretter erheblich erschwert und sie in rechtliche Konflikte bringt. Die bürokratischen Hürden und das Fehlen eines klaren Mandats für die Seenotrettung führen dazu, dass viele Menschenleben gefährdet sind.
EU-Politik und Verantwortung
Kohlenberger kritisiert die EU-Politik, die sich stark auf Abschottung und Abwehr konzentriert und damit nicht nur gegen internationales Recht verstößt, sondern auch humanitäre Prinzipien ignoriert. Die Verantwortung der EU und ihrer Mitgliedstaaten in Bezug auf die Unterstützung der libyschen Küstenwache, die in Menschenrechtsverletzungen verwickelt ist, wird ebenfalls thematisiert.
Das Dilemma der Migration
Die Diskussion über Migration ist geprägt von politischen Spannungen und einer stark emotionalisierten Debatte. Kohlenberger betont die Notwendigkeit, die Ursachen der Migration anzugehen, anstatt nur auf die Symptome zu reagieren. Sie plädiert für eine differenzierte Diskussion über Migration, die nicht nur auf irreguläre Ankünfte fokussiert ist, sondern auch legale Zugangswege für Migranten schafft.
Fazit
Die Episode beleuchtet die komplexen Herausforderungen der zivilen Seenotrettung im zentralen Mittelmeer und die politischen Dynamiken, die das Thema Migration prägen. Kohlenberger ruft dazu auf, die Menschen hinter den Statistiken zu betrachten und eine sachliche, humane Diskurs über Migration zu fördern.

Warum uns die Klimakrise oft lähmt – mit Umweltpsychologin Isabella Uhl-Hädicke
Gesellschaftliches Verhältnis zur Klimakrise
Julia Herrnberg diskutiert mit Umweltpsychologin Isabella Ull-Hedicke über die Wahrnehmung der Klimakrise und die Herausforderungen bei der Verhaltensänderung. Trotz der wachsenden Dringlichkeit der Klimakrise ist das Thema weniger präsent, da Menschen sich eher auf unmittelbar spürbare Krisen konzentrieren.
Psychologische Aspekte der Krisenbewältigung
Die Menschheit hat nur begrenzte Kapazitäten, um mit mehreren Krisen umzugehen, was dazu führt, dass die Klimakrise oft in den Hintergrund rückt. Ull-Hedicke erklärt, dass das Gefühl der Überforderung durch die Vielzahl an Krisen die Menschen lähmt und sie dazu bringt, sich weniger um das Klima zu kümmern.
Einfluss von Politik und Gesellschaft
Politik spielt eine entscheidende Rolle, um klimafreundliches Verhalten zu fördern. Ein Rechtsruck in der Politik hat dazu geführt, dass das Klima weniger priorisiert wird. Die Verantwortung für den Klimaschutz wird oft auf Einzelne abgewälzt, obwohl kollektive Maßnahmen erforderlich sind.
Konsumverhalten und soziale Normen
Ull-Hedicke thematisiert den Widerspruch zwischen dem hohen Bewusstsein für Klimaschutz und dem tatsächlichen Verhalten, welches oft nicht klimafreundlich ist. Soziale Normen beeinflussen stark, wie Menschen konsumieren und sich verhalten, was es schwer macht, Veränderungen herbeizuführen.
Der Einfluss von Einkommen und Alter
Einkommen ist ein entscheidender Faktor für den CO2-Fußabdruck. Höhere Einkommen ermöglichen es Menschen, umweltfreundlicher zu leben, während sozial schwächere Gruppen oft die Hauptlast der Klimakrise tragen. Zudem zeigt sich ein U-förmiger Zusammenhang zwischen Alter und Klimabewusstsein.
Chancen und Lösungen für den Klimaschutz
Die Diskussion sollte nicht nur auf die negativen Aspekte der Klimakrise fokussiert sein, sondern auch auf die Chancen hinweisen, die ein klimafreundlicher Lebensstil bietet. Politische Rahmenbedingungen und positive soziale Normen können helfen, Veränderungen zu fördern.
Schlussfolgerung
Es ist wichtig, trotz der Herausforderungen aktiv zu bleiben und nicht in Perfektionismus zu verfallen. Jeder Schritt in Richtung Klimaschutz zählt, auch wenn er nicht perfekt ist. Der Fokus sollte auf gemeinschaftlichen Anstrengungen liegen, um einen nachhaltigen Wandel herbeizuführen.

Ausbeutung, Schwarzarbeit, Übergriffe: Österreichs Gastronomie hat ein Problem
Einblick in die Gastronomie
Die Episode thematisiert die problematischen Aspekte der Gastronomie in Österreich, insbesondere die Missstände, die oft hinter der glamourösen Fassade verborgen sind. Dossier-Chefredakteur Georg Ecclesberger und Redakteur Markus Haagspiel besprechen die Herausforderungen, die in der Branche herrschen, und die Gründe, warum diese oft nicht ausreichend thematisiert werden.
Investigative Recherchen
Markus Haagspiel gibt Einblicke in seine Recherchen, die auf verschiedene Missstände in der Gastronomie abzielen. Dazu gehören Themen wie Schwarzarbeit und die Ausbeutung von Arbeitskräften, insbesondere von Migranten. Er berichtet von konkreten Fällen, die er untersucht hat, und der Relevanz seiner Ergebnisse für die Öffentlichkeit.
Sexuelle Belästigung in der Gastronomie
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die sexuelle Belästigung von Frauen in der Gastronomie. Die Erhebung zeigt, dass viele Frauen in dieser Branche betroffen sind und oft darunter leiden, dass solche Übergriffe nicht ernst genommen werden. Die Diskrepanz zwischen den Erwartungen an das Personal und den tatsächlichen Arbeitsbedingungen wird klar thematisiert.
Gesellschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen
Die Diskussion umfasst auch die gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die diese Missstände begünstigen. Die mangelnde Sichtbarkeit von Problemen in kleinen Betrieben und die Abhängigkeit der Angestellten von ihren Arbeitgebern führen dazu, dass viele Opfer von Belästigung und Ausbeutung schweigen.
Schlussfolgerung
Die Episode schließt mit der Feststellung, dass es notwendig ist, mehr Bewusstsein für die Probleme in der Gastronomie zu schaffen und strukturelle Veränderungen herbeizuführen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.