
Sein und Streit
Deutschlandfunk Kultur
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Rechtes Denken und die Sehnsucht nach Erlösung
Einleitung zur Erlösung
In der Philosophie-Sendung wird die Frage nach der Erlösung behandelt, die traditionell mit Religionen und Theologie assoziiert wird. Jens Balzer, ein Feuilletonist und Kritiker der Popkultur, wird als Experte begrüßt, der mit seinem neuen Buch über die Rückkehr des Religiösen in der Popkultur und Politik diskutiert.
Renaissance des Religiösen
Balzer bemerkt eine Renaissance des Religiösen in der Popkultur, wo Künstler sich ernsthaft mit religiösen Traditionen auseinandersetzen. Dies geschieht parallel zu einer Rückkehr religiöser Motive in die Politik, die seit den 90er-Jahren sichtbar ist.
Politische Diskurse und Religion
Die aktuellen politischen Diskurse, insbesondere autoritäre Strömungen, nutzen religiöse Rechtfertigungen. Balzer verweist auf Alexander Dugin, dessen apokalyptische Theologie den Kampf gegen den Westen legitimiert und eine religiöse Dimension in geopolitische Konflikte einbringt.
Messianismus und Apokalyptik
Das Buch behandelt auch die Themen Messianismus und Apokalyptik, die in der gegenwärtigen Krise der Demokratie und dem Wunsch nach sofortiger Erlösung präsent sind. Menschen suchen radikale Veränderungen und lehnen demokratische Prozesse ab.
Imanentisierung des Eschatons
Die Imanentisierung des Eschatons beschreibt, wie religiöse Vorstellungen von Gut und Böse in die Politik übertragen werden, was zu einem starken autoritären Impuls führt. Diese Sichtweise ist für moderne politische Ansätze problematisch.
Peter Thiel und René Girard
Balzer erläutert die Verbindung zwischen Peter Thiel und René Girard, dessen Theorie der mimetischen Rivalität auf soziale Medien und das Streben nach Kontrolle über Gemeinschaften angewendet wird. Thiel sieht autoritäre Figuren als notwendig an, um das Chaos in der Gesellschaft zu kontrollieren.
Autoritäre Theorien und ihre Relevanz
Die Diskussion schließt mit der Überlegung, ob die Theorien, die autoritäre Ansätze rechtfertigen, weniger kohärent sind als liberale Theorien. Balzer betont die Notwendigkeit, diese Theorien zu verstehen, um die gegenwärtigen politischen Entwicklungen besser einordnen zu können.

Kommentar zur Sachsen-Anhalt-Wahl: Der Teufelskreis der Verachtung
Die Bedeutung von Achtung in der Politik
Achtung ist ein zentraler Wert im politischen Miteinander. Die Rückkehr von Verachtung, besonders gegenüber politischen Gegnern und Wahlsiegern, wird von David Lauer thematisiert.
Verachtung und ihr Einfluss
Die AfD könnte möglicherweise die Mehrheit in einem deutschen Parlament erreichen, was die Debatte über den Umgang mit dieser Partei anheizt. Die Berichterstattung über die AfD wird oft von Hass und Hetze geprägt, doch Verachtung könnte ein passenderer Begriff sein. Während Hass oft aus Ohnmacht entsteht, kommt Verachtung aus einem Gefühl der Überlegenheit.
Die Dynamik von Hass und Verachtung
Hass verfolgt sein Objekt manisch, während Verachtung exkludiert und herabsetzt. Das Spitzenpersonal der AfD nutzt Verachtung, um sich von den Eliten abzugrenzen und ihre Basis zu mobilisieren. Diese Dynamik führt zu einem gefährlichen Kreislauf, in dem beide Seiten sich gegenseitig verachten.
Die Gefahren der Verachtung
Demonstrative Verachtung ist keine sinnvolle Strategie im politischen Kampf. Sie verwandelt politische Auseinandersetzungen in existenzielle Kämpfe um die eigene Würde und zielt auf Exklusion ab. Um die Demokratie zu bewahren, ist es wichtig, politische Gegner zu bekämpfen, ohne die Verachtung zu übernehmen, die man ihnen vorwirft.

Versprechen ohne Glanz: Was folgt auf den Liberalismus?
Die Krise des Liberalismus
Im Gespräch wird die Frage erörtert, ob der Liberalismus, als zentrales politisches System der modernen Gesellschaften, am Ende seiner Entwicklung angekommen ist. Der Politikwissenschaftler Veit Selck identifiziert eine Doppelkrise: Zum einen eine intellektuelle Erosion der liberalen Begriffe und Theorien, die weniger überzeugend erscheinen, und zum anderen eine Leistungsfähigkeit des Systems, die in der praktischen Politik nicht mehr erfüllt wird. Diese Krise äußert sich in Enttäuschungen über zentrale liberalen Versprechen wie Wohlstand und Meritokratie.
Ursachen des Wandels
Selck betont, dass es keinen einzelnen Einschnitt gibt, sondern eine Reihe von kleineren Ereignissen, die kumulativ zu einem wahrnehmbaren Wandel führen. Dazu zählen sowohl interne Schwächen im Liberalismus als auch externe Herausforderungen durch alternative politische Systeme, wie das wachsende Gewicht Chinas. Dies führt zu einer langsamen Aushöhlung der liberalen Werte und der Demokratie.
Meinungsfreiheit und politische Kultur
Ein zentrales Thema ist die Erosion der Meinungsfreiheit, die sich in veränderten politischen Kulturen und einem möglicherweise schwindenden Verständnis für ihre Bedeutung zeigt. Gleichzeitig wird die Sichtbarkeit politischer Positionen durch die Digitalisierung erweitert, was die These der Filterblasen in Frage stellt.
Postliberalismus und neue politische Entwürfe
Selck diskutiert die Emergenz postliberaler Ansätze, die sowohl von linker als auch von rechter Seite kommen. Diese Ansätze streben oft eine Rückbesinnung auf kollektive Werte und Gemeinschaften an, während sie gleichzeitig die Schwächen des gegenwärtigen Liberalismus kritisieren. Es wird jedoch auch festgestellt, dass es an konkreten postliberalen Programmen fehlt.
Herausforderungen und Perspektiven
Die Diskussion über den Postliberalismus umfasst auch die Frage, wie zukünftige politische Modelle gestaltet werden können, um den Herausforderungen der Zeit, wie der Klimakrise, gerecht zu werden. Die Notwendigkeit, neue Wege der politischen Imagination zu finden, wird betont, um der möglichen Erosion des Liberalismus entgegenzuwirken.