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Alex Demirović

Beschreibung

Der Theoriepodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Too long, didn’t read – so geht es einigen beim Anblick der Klassiker linker Theorie. Die über zweitausend Seiten langen Gefängnishefte von Antonio Gramsci, die komplizierten Schinken von Marx oder Edward Said – wenn ihr keine Zeit habt, die Bücher alleine durchzuackern oder eine Einführung sucht, dann hört euch den Theoriepodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung an.

Durch den Podcast führt Alex Demirović. Der Professor für Politikwissenschaft an der Uni Frankfurt ist Vertreter der kritischen Theorie und Kenner sämtlicher linker Standardwerke. In jeder Folge stellt Alex Demirović Schlüsselwerke der linken Theorie vor. Es werden die zentralen Thesen der Werke und ihre heutige Relevanz diskutiert. Die Spannbreite liegt dabei vom klassischen Marxismus, Kritischer Theorie, Feminismus, antikoloniale Theorie, Poststrukturalismus bis hin zu Hegemonietheorie und Existenzialismus.

Prof. Alex Demirović gibt euch in kurzen Vorträgen eine Einführung in die Biografie der Theoretiker*innen und fasst die zentralen Thesen zusammen. Anschließend diskutiert Alex Demirović in jeder Folge mit einem Gast über das Werk und seine Relevanz für aktuelle politische Kämpfe.

Kontakt, Kritik, Feedback: theoriepodcast@rosalux.org

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Veröffentlichungshistorie

Episodenübersicht

tl;dr #63 Ernst Bloch: «Erbschaft dieser Zeit» | Mit Jan Rehmann

17.07.2026

Ernst Bloch und sein Werk

In dieser Episode wird das Buch "Erbschaft dieser Zeit" von Ernst Bloch behandelt, einem bedeutenden Philosophen des westlichen Marxismus. Bloch, geboren 1885 in Ludwigshafen und gestorben 1977 in Tübingen, war eine zentrale Figur in der linken Debatte des 20. Jahrhunderts und erlebte viele gesellschaftliche Umwälzungen. Sein Werk besteht aus mehreren Artikeln, die sich mit den tiefen Wurzeln des Faschismus und seiner anhaltenden Relevanz auseinandersetzen.

Biografische Aspekte

Bloch wuchs in einer jüdischen Familie auf und war ein überzeugter Pazifist, der den Ersten Weltkrieg ablehnte. Nach seiner Promotion in München lebte er in Berlin, wo er in engem Austausch mit anderen Intellektuellen der Zeit stand. Bloch war skeptisch gegenüber der Kommunistischen Partei und kritisierte die Fehler der Linken, die zur Stärke des Nationalsozialismus beigetragen hätten.

Faschismus und Ungleichzeitigkeit

Ein zentrales Thema in Blochs Werk ist die Analyse des Faschismus, den er als tief verankert in der Gesellschaft sieht. Er betont die Ungleichzeitigkeiten in der kapitalistischen Gesellschaft und die Notwendigkeit, diese Widersprüche zu verstehen, um die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend zu verändern.

Die Rolle der Linken

Bloch kritisiert die Linke für ihre Fantasielosigkeit und fordert sie auf, die utopischen Bedürfnisse der Menschen zu aktivieren. Er sieht die Aneignung von Begriffen und Traditionen durch die Nationalsozialisten als Diebstahl an und plädiert für eine Rückbesinnung auf die eigenen kulturellen Wurzeln der linken Bewegung.

Montage und Sozialismus

Ein weiterer wichtiger Aspekt in Blochs Denken ist die Idee der Montage, die er als Möglichkeit sieht, um verschiedene kulturelle Fragmente neu zu kombinieren und in einen revolutionären Kontext zu setzen. Dies stellt eine Herausforderung für die Linke dar, die lernen muss, die Vergangenheit zu re-evaluieren und die revolutionären Potenziale in der Gesellschaft zu mobilisieren.

Fazit und Relevanz

Das Gespräch mit Jan Rehmann hebt hervor, wie Blochs Gedanken auch heute noch relevant sind, insbesondere in Bezug auf die Herausforderungen des modernen Populismus und die Notwendigkeit, ein neues, inklusives Verständnis von Begriffen wie „Volk“ und „Heimat“ zu entwickeln, um eine positive Vision für die Zukunft zu fördern.

Ernst Bloch und sein Werk

In dieser Episode wird das Buch "Erbschaft dieser Zeit" von Ernst Bloch behandelt, einem bedeutenden Philosophen des westlichen Marxismus. Bloch, geboren 1885 in Ludwigshafen und gestorben 1977 in Tübingen, war eine zentrale Figur in der linken Debatte des 20. Jahrhunderts und erlebte viele gesellschaftliche Umwälzungen. Sein Werk besteht aus mehreren Artikeln, die sich mit den tiefen Wurzeln des Faschismus und seiner anhaltenden Relevanz auseinandersetzen.

Biografische Aspekte

Bloch wuchs in einer jüdischen Familie auf und war ein überzeugter Pazifist, der den Ersten Weltkrieg ablehnte. Nach seiner Promotion in München lebte er in Berlin, wo er in engem Austausch mit anderen Intellektuellen der Zeit stand. Bloch war skeptisch gegenüber der Kommunistischen Partei und kritisierte die Fehler der Linken, die zur Stärke des Nationalsozialismus beigetragen hätten.

Faschismus und Ungleichzeitigkeit

Ein zentrales Thema in Blochs Werk ist die Analyse des Faschismus, den er als tief verankert in der Gesellschaft sieht. Er betont die Ungleichzeitigkeiten in der kapitalistischen Gesellschaft und die Notwendigkeit, diese Widersprüche zu verstehen, um die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend zu verändern.

Die Rolle der Linken

Bloch kritisiert die Linke für ihre Fantasielosigkeit und fordert sie auf, die utopischen Bedürfnisse der Menschen zu aktivieren. Er sieht die Aneignung von Begriffen und Traditionen durch die Nationalsozialisten als Diebstahl an und plädiert für eine Rückbesinnung auf die eigenen kulturellen Wurzeln der linken Bewegung.

Montage und Sozialismus

Ein weiterer wichtiger Aspekt in Blochs Denken ist die Idee der Montage, die er als Möglichkeit sieht, um verschiedene kulturelle Fragmente neu zu kombinieren und in einen revolutionären Kontext zu setzen. Dies stellt eine Herausforderung für die Linke dar, die lernen muss, die Vergangenheit zu re-evaluieren und die revolutionären Potenziale in der Gesellschaft zu mobilisieren.

Fazit und Relevanz

Das Gespräch mit Jan Rehmann hebt hervor, wie Blochs Gedanken auch heute noch relevant sind, insbesondere in Bezug auf die Herausforderungen des modernen Populismus und die Notwendigkeit, ein neues, inklusives Verständnis von Begriffen wie „Volk“ und „Heimat“ zu entwickeln, um eine positive Vision für die Zukunft zu fördern.

tl;dr #62 Jason W. Moore: «Kapitalismus im Lebensnetz» | Mit Oliver Pye

05.06.2026

Weltökologie und der Dualismus der Natur

Moore entwickelt das Konzept der Weltökologie, das den Dualismus von Gesellschaft und Natur aufhebt. Natur wird nicht passiv genutzt, sondern als aktiver Ko-Produzent in der Wertschöpfung gesehen. Die Einheit von Natur und Gesellschaft entsteht durch den Austauschprozess, der anhand eines spezifischen Terminus wie Eukaios beschrieben wird. Der Schwerpunkt liegt auf der globalen Verknüpfung von Kapitalprozessen und ökologischen Dynamiken.

Billige Natur, ökonomische Rekonstitution und Technik

Moore führt das Konzept der billigen Natur ein, um zu zeigen, wie Kapital Natur als Ressource erschließt und gleichzeitig durch Wissenschaft, Technik und Diskurse organisiert. Natur wird reproduziert und in Wert gesetzt, während Arbeitskraft und Natur sich wechselseitig reproduzieren. Der Prozess hängt von der Produktivität und der Ordnung der Natur ab, wodurch billige Natur als Reproduktionslogik des Kapitals zentral wird.

Anthropozän vs. Kapitalozean und Krisenlogik

Statt vom Anthropozän auszugehen, argumentiert Moore für Kapitalozeen – eine Fokussierung auf die Verwertungskapazität des Kapitals seit Jahrhunderten. Historische Naturbezüge verdeutlichen, wie technologische Umstellungen und Ressourcenakkumulation neue ökologische Regime schaffen. Krisen werden als interne Dynamik von Kapital und Natur verstanden, nicht als einfache Naturprobleme.

Kritikpunkte und politische Implikationen

Kritisch diskutiert wird das Fehlen einer klaren Berücksichtigung von Arbeiterinnen als Subjekt und politischer Träger emanzipatorischer Veränderung. Die Brücke zwischen Theorie und praktischer Transformation bleibt unvollständig, während die Perspektive auf Arbeitsverhältnisse und Widerstandsformen als zentrale Triebkräfte betont wird. Dadurch entstehen offene Fragen zu konkreten, kollektiven Wegen jenseits der bestehenden Produktionsweisen.

Weltökologie und der Dualismus der Natur

Moore entwickelt das Konzept der Weltökologie, das den Dualismus von Gesellschaft und Natur aufhebt. Natur wird nicht passiv genutzt, sondern als aktiver Ko-Produzent in der Wertschöpfung gesehen. Die Einheit von Natur und Gesellschaft entsteht durch den Austauschprozess, der anhand eines spezifischen Terminus wie Eukaios beschrieben wird. Der Schwerpunkt liegt auf der globalen Verknüpfung von Kapitalprozessen und ökologischen Dynamiken.

Billige Natur, ökonomische Rekonstitution und Technik

Moore führt das Konzept der billigen Natur ein, um zu zeigen, wie Kapital Natur als Ressource erschließt und gleichzeitig durch Wissenschaft, Technik und Diskurse organisiert. Natur wird reproduziert und in Wert gesetzt, während Arbeitskraft und Natur sich wechselseitig reproduzieren. Der Prozess hängt von der Produktivität und der Ordnung der Natur ab, wodurch billige Natur als Reproduktionslogik des Kapitals zentral wird.

Anthropozän vs. Kapitalozean und Krisenlogik

Statt vom Anthropozän auszugehen, argumentiert Moore für Kapitalozeen – eine Fokussierung auf die Verwertungskapazität des Kapitals seit Jahrhunderten. Historische Naturbezüge verdeutlichen, wie technologische Umstellungen und Ressourcenakkumulation neue ökologische Regime schaffen. Krisen werden als interne Dynamik von Kapital und Natur verstanden, nicht als einfache Naturprobleme.

Kritikpunkte und politische Implikationen

Kritisch diskutiert wird das Fehlen einer klaren Berücksichtigung von Arbeiterinnen als Subjekt und politischer Träger emanzipatorischer Veränderung. Die Brücke zwischen Theorie und praktischer Transformation bleibt unvollständig, während die Perspektive auf Arbeitsverhältnisse und Widerstandsformen als zentrale Triebkräfte betont wird. Dadurch entstehen offene Fragen zu konkreten, kollektiven Wegen jenseits der bestehenden Produktionsweisen.

tl;dr #61 Jürgen Habermas: «Strukturwandel der Öffentlichkeit» | Mit Sebastian Sevignani

14.05.2026

Grundlagen der Strukturwandelanalyse

Habermas beschreibt die Entstehung der bürgerlichen Öffentlichkeit als Ort, an dem Privatleute sich zu einem Publikum versammeln, Argumente austauschen und politische Entscheidungen legitimieren. Zentral ist die Balance zwischen Allgemeinheit und Einzelinteressen, getragen von rationaler Argumentation. Öffentlichkeit soll herrschaftsfrei sein und durch die Kraft des besseren Arguments demokratische Prozesse unterstützen, ohne Gewaltakte zu erzwingen.

Historische Entwicklung und Kritik

Im Verlauf der Industriellen Gesellschaften verschiebt sich die öffentliche Sphäre: Womöglich entdifferenziert sich sie durch Ökonomisierung, Werbung und politische Rückwirkungen der Massenmedien. Habermas verweist auf eine Tendenz zur Einflussnahme durch Eigentümer und Monopole, wodurch Öffentlichkeitsbildung stärker von oben gelenkt wird. Gleichzeitig bleibt der Anspruch auf eine deliberative, normative Öffentlichkeit erhalten, auch wenn Kritik an dieser Perspektive aufkeimt.

Digitale Medien und politische Ökonomie

Die digitale Strukturwandelsanalyse betont, wie Plattformen Privatheit unmittelbar veröffentlichen lassen und zugleich Überwachung sowie Profite dominate. Mediale Vermittlung verändert Denk- und Diskursformen; redaktionelle Filter, Werbeökonomie und Datenalgorithmen prägen, was gehört wird. Die Frage bleibt, wie Öffentlichkeit trotz dieser Dynamiken demokratisch bleibt und welche Vermittlungsinstanzen nötig sind, um Allgemeinwohl und pluralistische Debatte zu sichern.

Perspektiven und Gegenöffentlichkeit

Eine links orientierte Debatte plädiert für vergesellschaftete Plattformen und offen zugängliche digitale Infrastrukturen, die demokratische Mitgestaltung ermöglichen. Zugleich wird eine Gegenöffentlichkeit gefordert, die unabhängig von Dominanzstrukturen operiert. Eine integrative Architektur von Öffentlichkeiten—verschachtelt, verknüpft und überlappend—könnte Haltungen, lokale Kontexte und globale Zusammenhänge verbinden, ohne autoritäre oder rein marktorientierte Steuerung zu exponentieren.

Grundlagen der Strukturwandelanalyse

Habermas beschreibt die Entstehung der bürgerlichen Öffentlichkeit als Ort, an dem Privatleute sich zu einem Publikum versammeln, Argumente austauschen und politische Entscheidungen legitimieren. Zentral ist die Balance zwischen Allgemeinheit und Einzelinteressen, getragen von rationaler Argumentation. Öffentlichkeit soll herrschaftsfrei sein und durch die Kraft des besseren Arguments demokratische Prozesse unterstützen, ohne Gewaltakte zu erzwingen.

Historische Entwicklung und Kritik

Im Verlauf der Industriellen Gesellschaften verschiebt sich die öffentliche Sphäre: Womöglich entdifferenziert sich sie durch Ökonomisierung, Werbung und politische Rückwirkungen der Massenmedien. Habermas verweist auf eine Tendenz zur Einflussnahme durch Eigentümer und Monopole, wodurch Öffentlichkeitsbildung stärker von oben gelenkt wird. Gleichzeitig bleibt der Anspruch auf eine deliberative, normative Öffentlichkeit erhalten, auch wenn Kritik an dieser Perspektive aufkeimt.

Digitale Medien und politische Ökonomie

Die digitale Strukturwandelsanalyse betont, wie Plattformen Privatheit unmittelbar veröffentlichen lassen und zugleich Überwachung sowie Profite dominate. Mediale Vermittlung verändert Denk- und Diskursformen; redaktionelle Filter, Werbeökonomie und Datenalgorithmen prägen, was gehört wird. Die Frage bleibt, wie Öffentlichkeit trotz dieser Dynamiken demokratisch bleibt und welche Vermittlungsinstanzen nötig sind, um Allgemeinwohl und pluralistische Debatte zu sichern.

Perspektiven und Gegenöffentlichkeit

Eine links orientierte Debatte plädiert für vergesellschaftete Plattformen und offen zugängliche digitale Infrastrukturen, die demokratische Mitgestaltung ermöglichen. Zugleich wird eine Gegenöffentlichkeit gefordert, die unabhängig von Dominanzstrukturen operiert. Eine integrative Architektur von Öffentlichkeiten—verschachtelt, verknüpft und überlappend—könnte Haltungen, lokale Kontexte und globale Zusammenhänge verbinden, ohne autoritäre oder rein marktorientierte Steuerung zu exponentieren.