Schauspiel Frankfurt
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Beschreibung
In unserem Stückeinführungspodcast »vorgehört« stellen wir Ihnen unsere neusten Produktionen vor und schauen ein bisschen hinter die Kulissen. Wir geben Ihnen einen inhaltlichen Überblick, gewähren Einblicke in den Entstehungsprozess und sprechen darüber, was Sie bei der jeweiligen Inszenierung erwartet.
Das traditionsreiche Schauspiel Frankfurt ist das größte Sprechtheater in der Rhein-Main Region und als überregional profilierte Bühne auch deutschlandweit viel beachtet. Seit der Spielzeit 2017/18 ist Anselm Weber Intendant des Hauses.
In den vier Spielstätten – Schauspielhaus, Kammerspiele, Box und Bockenheimer Depot – bringen renommierte Regisseur:innen wie Jan Bosse, Felicitas Brucker, Barbara Bürk, Jan-Christoph Gockel, Mateja Koležnik, Claudia Bauer und Johanna Wehner sowohl Klassiker als auch zeitgenössische Dramatik auf die Bühne.
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Vorgehört: »Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk« nach Hašek, Brecht / Regie: Jan-Christoph Gockel
Einleitung
In diesem Gespräch mit Jan-Christoph Gockel wird die Inszenierung der Trilogie "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" diskutiert, die auf den Werken von Hašek und Brecht basiert.
Konzept der Trilogie
Gockel erklärt, dass er die Idee hatte, die Geschichte von Schwejk nicht nur als einen Teil, sondern als eine Trilogie zu inszenieren. Die Erzählung beleuchtet den Ersten Weltkrieg aus der Perspektive des kleinen Mannes und reflektiert die Antikriegsbotschaft.
Attentate als Struktur
Jeder Teil der Trilogie beginnt mit einem Attentat, das symbolisch für den jeweiligen Krieg steht. Die Inszenierung umfasst die Perspektiven des Ersten Weltkriegs, des Zweiten Weltkriegs und der aktuellen Konflikte, insbesondere in der Ukraine.
Puppenspiel und Ästhetik
Die Verwendung von Puppen in der Inszenierung wird hervorgehoben, um die deformierte Gesellschaft während des Nationalsozialismus darzustellen. Gockel beabsichtigt, die grausame Realität des Kriegs durch verschiedene künstlerische Mittel zu vermitteln.
Historische Bezüge
Das Gespräch thematisiert auch historische Aufführungen von Brechts Werken, insbesondere die Frankfurter Erstaufführung, und deren Bedeutung für das Theater als Ort des Austauschs in schwierigen Zeiten.
Materielle Not und Ideologie
Ein zentraler Punkt ist die materielle Not, die viele Menschen in Kriegszeiten motiviert, sich militärischen Strukturen anzuschließen. Gockel diskutiert die Verbindung zwischen Hunger und ideologischer Verstrickung.
Schlussfolgerung
Gockel fordert das Publikum auf, sich mit den Fragen der heutigen Zeit auseinanderzusetzen und die Relevanz von Schwejk in modernen Konflikten zu erkennen, während die Inszenierung auch eine reflexive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte anregt.

Vorgehört: »Viel Lärm um nichts« von William Shakespeare / Regie: Tina Lanik
Einführung in die Inszenierung
In dieser Episode von Vorgehört spricht Alexander Leifert mit der Regisseurin Tina Lanik über ihre Inszenierung von "Viel Lärm um Nichts" von William Shakespeare. Lanik, die bereits zuvor am Schauspiel Frankfurt gearbeitet hat, reflektiert über ihre umfassende Erfahrung in der Regie und die Herausforderungen bei der Inszenierung klassischer sowie zeitgenössischer Stücke.
Herausforderungen und Fokus
Die Diskussion beleuchtet die Schwierigkeiten der Adaption klassischer Werke in der heutigen Zeit, speziell in Bezug auf Geschlechterrollen und die Relevanz von Frauenfiguren. Lanik betont ihre Vorliebe für zeitgenössische Stücke, hebt jedoch die Komplexität klassischer Texte hervor, die oft problematische soziale Dynamiken darstellen.
Inhalt und Kern des Stücks
Leifert und Lanik diskutieren die zentrale Handlung von "Viel Lärm um Nichts", die sich um Liebe, Intrigen und gesellschaftliche Machtspiele dreht. Sie beleuchten, dass trotz des Titels, der oft mit Unwichtigkeit assoziiert wird, im Drama tiefgreifende Themen behandelt werden, insbesondere die Verleumdung von Hero und die daraus resultierenden Konflikte.
Moderne Interpretation
Ein zentraler Punkt der Inszenierung ist die Entscheidung, das klassische Happy End zu verändern. Lanik und ihr Team haben Hero einen neuen Monolog hinzugefügt, der ihre Perspektive und Stärke betont, und den Fokus auf die Beziehung zwischen Benedikt und Beatrice als Schlüssel zu den Themen des Stücks gelegt.
Bühnenraum und Kostüme
Die Bühnenvisualisierung wird als ein modernes, fast idyllisches Setting beschrieben, das einen Kontrast zu den dramatischen Themen des Stücks bietet. Lanik erklärt, dass die Kostüme eine Mischung aus historischen und modernen Elementen darstellen, um die zeitlose Relevanz der Geschichte zu unterstreichen.
Gesellschaftliche Dimensionen
Die Inszenierung thematisiert die sozialen und politischen Dimensionen von Liebe, wobei die Männerfiguren oft toxische Männlichkeit verkörpern. Lanik weist darauf hin, dass die Dynamik zwischen den Geschlechtern im Stück wie ein Geschlechterkrieg zu verstehen ist, was die Dringlichkeit der Themen in der heutigen Gesellschaft widerspiegelt.

Vorgehört: »Buddenbrooks« nach Thomas Mann / Regie: Johanna Wehner
Historischer Rahmen und Kernthema
In einem Überblick wird der Roman Buddenbrooks als umfangreiches Werk von Thomas Mann vorgestellt, der den Verfall einer wohlhabenden Familie über mehrere Generationen zeigt. Der Autor verzichtet darauf, das Finale in einem einzigen Gipfel zu konzentrieren, und beginnt dort, wo der Glanz bereits nachlässt. Kritische Stimmen, darunter Rilke, sahen darin eine anspruchsvolle Auseinandersetzung mit Lebensläufen jenseits bloßer Siegesserien.
Handlungsskizze und Hauptfiguren
Im Zentrum steht die Buddenbrook-Familie, deren Reichtum und Prestige durch wechselnde Heiratspolitik, Treuefluchten und wirtschaftliche Risiken belastet werden. Über vier Generationen hinweg werden Erfolge, Fehlentscheidungen und Verluste sichtbar. Das festliche Auftreten wird zunehmend von Unfällen, Betrug und Scheidungen überschattet, wodurch der zunächst glanzvolle Lebensstil allmählich zu zerfallen beginnt und die Bedeutung von Geld und Ansehen kritisch hinterfragt wird.
Inszenierung und künstlerische Leitmotive
Die Regisseurin setzt auf eine montageartige Verbindung von Motiven, die den Verfall illustrieren. Musikalische Elemente, insbesondere eine Flötenmusik, begleiten die Szene und fungieren als wiederkehrendes Leitmotiv. Das Kostümbild unterstreicht Status und Wandel der Familie, während das Bühnenbild den schleichenden Verfall des Hauses visualisiert und mythologische sowie märchenhafte Anklänge aufnimmt, um die erzählte Lebensgeschichte rhythmisieren.
Zentrale Fragen und Perspektiven
Die Inszenierung regt zur Reflexion über Ziele, Glück und Zugehörigkeit an. Es geht um die Schwierigkeit, einen vorgezeichneten Lebensweg zu verlassen, und darum, wie der Mensch im Spannungsfeld von Pflicht, Liebe und materieller Sicherheit navigiert. Der Abend fragt nach dem Sinn des familiären Erbes, dem Wert von Beziehungen und der Frage, ob sich inneres Gleichgewicht trotz äußerem Verfall bewahren lässt.