
nordlitt – Skandinavistische Literaturforschung im Gespräch
nordlitt
Beschreibung
Stefanie v. Schnurbein, Professorin am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin führt in nordlitt Gespräche mit Vertreter:innen der Skandinavistik. Unterstützt wird sie von ihrer studentischen Hilfskraft Cecilia Falkman.
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Küchengespräch. Kochen und Hungern bei August Strindberg und Karen Blixen (Clemens Räthel und Cecilia Falkman im Gespräch mit Stefanie v. Schnurbein)
Einführung in das Gespräch
In dieser besonderen Aufnahme teilen Clemens Rätel, Cecilia Falkmann und Stefanie von Schnurbein ihre Gedanken zu den Themen Kochen und Hunger in der skandinavischen Literatur. Der Rahmen des Gesprächs basiert auf einem Symposium, das unter dem Titel "Gemeinsam, einsam, essen, schrägstrich hungern in den skandinavischen Literaturen" stattfand.
Das Thema Hunger in der Literatur
Stefanie von Schnurbein erklärt, dass ihr Interesse an Hunger und Essen in der Literatur durch ihre Forschung zur Männlichkeit in der skandinavischen Literatur geweckt wurde. Sie beschreibt, wie Essstörungen in der modernen Literatur thematisiert werden und diskutiert die ambivalente Beziehung zu Essen, die in vielen Werken der Literatur zu finden ist.
Analyse von August Strindbergs "Pelikan"
Das Gespräch wechselt zur Analyse von Strindbergs Drama "Pelikan", das in einem Kammerspiel-Format präsentiert wird. Die Charaktere sind in einem bürgerlichen Wohnzimmer gefangen, während das Familiengeheimnis und die Probleme durch das Essen in der Küche symbolisiert werden. Die Mutterfigur ist zentral für die Themen von Macht und Ausbeutung innerhalb der Familie.
Das Verhältnis von Essen und Hunger
Das Gespräch thematisiert das komplexe Verhältnis zwischen Essen und Hunger im Stück. Während die Mutter alles für sich behält, hungern die anderen Figuren, was zu einer tiefen Diskussion über die Dynamik der Macht und die psychologischen Auswirkungen auf die Charaktere führt.
Ein Vergleich mit Karin Blixens "Babettes Fest"
Der zweite Teil des Gesprächs widmet sich Karin Blixens Erzählung "Babettes Fest", in der das Thema Essen und deren ökonomische Aspekte ebenfalls eine zentrale Rolle spielen. Babette, eine französische Flüchtling, kocht ein opulentes Festmahl, das nicht nur die Gemeinde zusammenbringt, sondern auch tiefere gesellschaftliche und kulturelle Fragen aufwirft. Es wird diskutiert, wie Babette ihre Kunst und Identität durch das Kochen ausdrückt und welche Rolle der Wein und Alkohol in dieser Erzählung spielt.
Abschlussgedanken
Das Gespräch schließt mit den Überlegungen von Stefanie zu aktuellen Themen rund um Essen, Körperwahrnehmung und Essstörungen in der Literatur. Sie reflektiert darüber, wie die Darstellungen von dicken Körpern in der Literatur oft negativ konnotiert sind und sucht nach positiven Gegenbeispielen in der zeitgenössischen Literatur.

Die Kraft der Literatur. Literatur, Terror, Krisenerfahrung und literarische Moderne. Im Gespräch mit Ingvild Folkvord
Veranstaltungsrahmen und Beteiligte
In einer Live-Podcast-Aufnahme wird die Antrittsvorlesung von Professorin Ingvild Volkwort an der Nordischen Botschaften in Berlin skizziert. Die Veranstaltung dient dem Kultur- und Wissenschaftsaustausch zwischen Deutschland und Norwegen. Volkwort ist Germanistin, forscht zur skandinavischen Literaturlandschaft und behandelt Krisenerfahrungen in der Literatur. Ein interdisziplinäres Gespräch mit Cecilia Falkmann ergänzt die Einführung und verortet die Kraft der Literatur im Kontext aktueller Krisen.
Das zentrale Textobjekt und seine Rezeption
Im Mittelpunkt steht ein kurzes, radikal reduziertes Gedicht/Long Poem von Endre Ryset mit dem Titel Projektil. Es basiert auf Gerichtsquellen zu den Anschlägen in Oslo und Utøya. Der Text arbeitet mit Montage, Reduktion von Orten und Personen und fordert eine intensive Lektüre, die das Erleben von Gewalt unmittelbar spüren lässt und eine kollektive Verarbeitung ermöglicht.
Interpretationen von Gewalt, Rechtslage und Ästhetik
Die Diskussion verknüpft literarische Darstellung mit rechtlichen Archiven. Die Texte dienen nicht rein der Dokumentation, sondern der Sensibilisierung und Reflexion über Verarbeitung, Verantwortung und Versöhnung. Fragen stellen sich zu Zirkulation, Publikum und ethischer Umgang mit sensiblen Quellen, sowie zur Rolle von Paratexten, Stilisierung und der Frage, wie literarische Interventionen politische Wirkungen entfalten.
Persönliche Perspektiven, Lehre und Abschlussbotschaft
Die Teilnehmenden reflektieren, wie man in belastenden Themen lebensfähig bleibt und zugleich wissenschaftlich arbeiten kann. Kooperation, kollektive Arbeit und ein behutsamer Zugang zu Krisenliteratur stehen im Vordergrund. Am Ende wird Studierenden geraten, sich Zeit zu nehmen, zu lesen, zu studieren und Kursveränderungen zu wagen, um wirksam und verantwortungsvoll zu arbeiten.

Ruth Maiers Platz - im kollektiven Holocaust-Gedächtnis und als Life Writing. Im Gespräch mit Ingeborg Helleberg, Oslo
Begrüßung und Einführung
In dieser Episode begrüßen Cecilia Falkmann und Stefanie von Schnurbein die Zuhörenden sowie die mutige Gästin Ingeborg Helleberg, die am Norsk-Bornebuchs-Institut arbeitet. Der Fokus des Gesprächs liegt auf Hellebergs Dissertation zu Ruth Meyers Tagebuch und dessen Stellenwert in der norwegischen Erinnerungskultur.
Der Weg zur Dissertation
Helleberg erläutert, wie sie auf das Thema ihrer Dissertation kam, indem sie Ruth Meyers Tagebuch während ihres Aufenthalts in Berlin las, was sie zu den Fragen über ihre Rezeption und den Platz in der norwegischen Erinnerungskultur führte.
Ruth Meyer und ihre Biografie
Ruth Meyer, aufgewachsen in Wien, erlebte die Judenverfolgung und floh nach Norwegen, wo sie 1942 verhaftet und nach Auschwitz deportiert wurde. Helleberg diskutiert die Komplexität von Meyers Identität und deren Darstellung als jüdisches Opfer in der Erinnerungskultur.
Die Rolle von Jan-Erik Woll
Helleberg kritisiert die Rahmenerzählung von Jan-Erik Woll, der Ruth Meyers Tagebuch 2007 veröffentlichte und sie als jüdisches Opfer darstellte. Helleberg argumentiert, dass dies nicht die Vielfalt von Meyers Texten widerspiegelt und fordert eine kritische Ausgabe ihrer Werke.
Identitätsfragen und queere Perspektiven
Das Gespräch thematisiert auch die queeren Aspekte in Meyers Schriften. Helleberg hebt hervor, dass Meyer über ihre Liebe zu Frauen schrieb, was in ihrer Zeit ungewöhnlich war und eine wichtige Dimension in ihrem Schreiben darstellt.
Schreiben als Selbstfindung und Ausdruck
Helleberg betont, dass das Schreiben für Ruth Meyer eine zentrale Rolle einnahm, um ihre Identität, ihre Erfahrungen und ihre Emotionen zu verarbeiten und sich künstlerisch auszudrücken.
Schlussfolgerungen und Ausblick
Die Episode schließt mit der Frage nach dem Wert von Ruth Meyers Texten und der Bedeutung ihrer Lebensgeschichte im Kontext des Holocaust-Gedenkens und der aktuellen Erinnerungskultur. Helleberg ermutigt dazu, sich Zeit zu nehmen, um sich mit den komplexen Themen auseinanderzusetzen.