
Niere2go
Nephrologisches Zentrum Villingen-Schwenningen
Beschreibung
Wir präsentieren in diesem ersten deutschsprachigen PodCast für Nephrologie spannende Themen und Einblicke rund um das Gebiet der Nephrologie.
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Nephrologin und werdende Mutter: (K)ein Grund für ein Beschäftigungsverbot?
01.04.2026
Ein Gespräch mit Dr. Nina Görlich, Charité, Berlin
In dieser Episode von Niere2go begrüßen wir Dr. Nina Görlich, Ärztin in Weiterbildung an der Charité Berlin, die sich derzeit im neunten Monat ihrer Schwangerschaft befindet. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen hat sie einen klinikinternen Leitfaden entwickelt, um das Arbeiten während der Schwangerschaft in der Nephrologie aktiv zu gestalten, statt automatisch in ein betriebliches Beschäftigungsverbot zu gehen. Wir sprechen darüber, warum der Erhalt von Expertise in der Abteilung so wichtig ist und wie individuelle Lösungen – etwa der Fokus auf den doppelt besetzten Frühdienst oder die Rotation in die Sonografie – den klinischen Alltag und die Facharztausbildung sichern können.
Ein zentraler Bestandteil des Gesprächs ist die Erstellung einer sogenannten „Positivliste“, die konkret aufzeigt, welche Tätigkeiten in der Nephrologie, der Dialyse und sogar auf der Intensivstation unter Einhaltung des Mutterschutzgesetzes weiterhin möglich sind. Nina räumt dabei mit Vorurteilen auf: Unter Berücksichtigung von Gefährdungsbeurteilungen und Schutzmaßnahmen sind Aufgaben wie Shuntpunktionen oder Katheteranlagen oft unbedenklicher, als viele denken. Zudem diskutieren wir das Modell des Teilzeitbeschäftigungsverbots, bei dem Kosten zwischen Arbeitgeber und Krankenkasse geteilt werden, um eine flexible Weiterbeschäftigung zu ermöglichen.
Abschließend werfen wir einen Blick auf die strukturellen Herausforderungen und die Zukunft der Nephrologie. Nina betont, wie entscheidend eine ausreichende Personaldecke und sichtbare Vorbilder in Führungspositionen sind, um Schwangerschaft nicht als Belastung für das Team, sondern als normalen Teil der beruflichen Biografie zu etablieren. Die Folge ist ein Plädoyer für mehr Flexibilität und eine offene Kommunikation zwischen werdenden Müttern und Vorgesetzten, um die Vereinbarkeit von Klinikalltag, Forschung und Familie nachhaltig zu verbessern

CKD im Alter
19.03.2026
Ein Gespräch mit Prof. Dr. Elke Schäffer, Charité, Berlin
Ab wann ist eine sinkende Nierenleistung im Alter eigentlich krankhaft? In dieser Folge von Niere2go begrüßen die Moderatoren Bernd Hohenstein und Daniela Schmiedecke die renommierte Expertin Prof. Dr. Elke Schäffner (Charité Berlin), um über den schmalen Grat zwischen normalem Altern und chronischer Nierenerkrankung (CKD) zu sprechen.
Die Episode beleuchtet folgende Schwerpunkte:
• Physiologisches vs. pathologisches Altern: Erfahren Sie, warum ein GFR-Verlust von ca. bis ml/min pro Jahr ab dem 40. Lebensjahr oft normal ist, während Proteinurie immer als Warnsignal gilt.
• Präzisere Diagnostik: Prof. Schäffner erklärt die Schwächen gängiger Schätzformeln und stellt die neuen EKFC-Gleichungen vor, die durch den innovativen Q-Faktor eine genauere Beurteilung über die gesamte Lebensspanne ermöglichen.
• Ganzheitliches Management: Warum wir im hohen Alter keine „Werte“, sondern Menschen behandeln sollten. Die Diskussion umfasst den Einfluss von Geschlechterunterschieden, den Zusammenhang zwischen Niere und Kognition sowie den Einsatz von Assessment-Tools wie der „Surprise Question“.
• Individuelle Therapieziele: Ein Plädoyer für den Perspektivwechsel – insbesondere bei der Entscheidung zwischen Dialyse und einem konservativen, palliativ begleiteten Weg zur Erhaltung der Lebensqualität.
Ein Muss für alle Nephrolog:innen, die die Versorgung ihrer älteren PatientInnen datengestützt und empathisch optimieren wollen.

Vaskulitis 2.0
01.02.2026
Ein Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Kronbichler, Medizinische Klinik IV, Universität Innsbruck
In dieser Podcastfolge von Niere2go begrüßen die Moderatoren Bernd Hohenstein und Daniela Schmiedecke den Experten Prof. Andreas Kronbichler, Klinikdirektor in Innsbruck, um ein Update zur Behandlung der ANCA-assoziierten Vaskulitis zu geben. Kronbichler teilt dabei nicht nur fachliche Einblicke, sondern auch persönliche Erfahrungen seines "nomadischen" Werdegangs, der ihn über Jena und Cambridge zurück nach Österreich führte. Er thematisiert die Herausforderungen seiner Rolle als Klinikchef, in der er trotz zunehmender Bürokratie die Spezialisierung und die Förderung des weiblichen Nachwuchses vorantreiben möchte, während er privat den Ausgleich beim Wandern in den Tiroler Bergen sucht.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs sind die Neuerungen in der KDIGO-Leitlinie und aktuelle Therapiemöglichkeiten. Kronbichler hebt hervor, dass Avacopan als steroidsparende Substanz ein "Gamechanger" für die Nierenfunktion im ersten Jahr sein kann, während der Einsatz des Plasmaaustauschs nach der PEXIVAS-Studie kontrovers bleibt und nur noch bei schweren Verläufen (z. B. Lungenblutungen) individuell erwogen wird. Kritisch sieht er die verbleibende Rolle von Azathioprin und Cyclophosphamid in den Leitlinien, da Rituximab mittlerweile nicht nur effektiver, sondern durch Biosimilars auch gesundheitsökonomisch vorteilhafter sei.
Mit Blick auf die Zukunft diskutieren die Experten innovative Ansätze wie die CAR-T-Zell-Therapie und bispezifische Antikörper. Da die Vaskulitis jedoch eine akute Erkrankung ist, stellt die lange Produktionszeit der CAR-T-Zellen derzeit noch eine Hürde dar, weshalb sie primär für refraktäre Fälle relevant bleiben könnten. Abschließend betont Kronbichler die enorme Bedeutung der Infektionsprophylaxe; er plädiert für konsequente Impfstrategien (u. a. gegen Herpes Zoster und RSV) und eine standardisierte Aufklärung der Patienten, um die durch die Immunsuppression bedingten Komplikationen zu minimieren.