Kleio
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Kleio

Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen

Beschreibung

"Kleio" ist die Podcastreihe des Instituts für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen. In jede Folge unterhält sich der Student Jonas Ströer mit unterschiedlichen Historiker:innen über deren Forschungsinhalte und Themen aus allen Epochen und Bereichen.
Neue Folgen erscheinen regelmäßig am 15. jeden Monats.

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Veröffentlichungshistorie

Episodenübersicht

Von Marie Antoinette über die Französische Revolution lernen? Geschichtsvermittlung auf Social Media

01.06.2026

Kurzvideos als Vermittlungsraum und Forschungsgegenstand

Kurze Videoformate prägen den Alltagskonsum junger Menschen und eröffnen Räume, in denen Geschichte vermittelt, hinterfragt und interpretiert wird. Im Fokus steht eine Dissertationsarbeit, die untersucht, wie Geschichtsdarstellungen in Social Media entstehen und wie Schülerinnen und Schüler diese Inhalte kritisch dekonstruieren können. Der Ansatz verbindet theoretische Konzepte mit Unterrichtspraxis, um zu verstehen, wie Lernprozesse durch digitale Quellen beeinflusst werden.

Kategorisierung, Quellenlage und Praxis der Analyse

Die Arbeit fokussiert Kurzvideos als primäre Quellen, analysiert Erzählweisen, Perspektiven und Quellenbezüge. Beispiele reichen von klassischen Erklärvideos über KI-generierte Darstellungen bis hin zu kontroversen oder täuschend wirkenden Inhalten. Eine Besonderheit ist die Einordnung der Videos in Kategorien wie Presenter-Formate, visuelles Material und Audiospur, wobei der Anteil von Quellenangaben oft variabel bleibt.

Herausforderungen und Chancen der Social-Mayer-Darstellung

Social Media bietet potenziell niedrigschwelligen Zugang zu historischen Themen und ermöglicht Engagement marginalisierter Gruppen. Gleichzeitig bergen Plattform-Algorithmen, Desinformation und Archivierungsprobleme Risiken: Inhalte können gelöscht werden, sich in Rabbit Holes verfangen oder verzerrt dargestellt werden. Die Herausforderung besteht darin, Lernprozesse durch strukturierte Reflexion zu unterstützen.

Im Unterricht: Potenziale, Anpassungen und Perspektiven

Die kurzfristige Form der Videos erlaubt den Vergleich mehrerer Perspektiven in Sequenzen und fördert das Verständnis von Historizität, Quellenkritik und Repräsentationen. Lehrende können Inhalte gezielt zum Diskurs nutzen, um Fragen der Authentizität, Quelle und Narration zu diskutieren, ohne dabei Werbung oder normative Empfehlungen zu vermitteln.

Kurzvideos als Vermittlungsraum und Forschungsgegenstand

Kurze Videoformate prägen den Alltagskonsum junger Menschen und eröffnen Räume, in denen Geschichte vermittelt, hinterfragt und interpretiert wird. Im Fokus steht eine Dissertationsarbeit, die untersucht, wie Geschichtsdarstellungen in Social Media entstehen und wie Schülerinnen und Schüler diese Inhalte kritisch dekonstruieren können. Der Ansatz verbindet theoretische Konzepte mit Unterrichtspraxis, um zu verstehen, wie Lernprozesse durch digitale Quellen beeinflusst werden.

Kategorisierung, Quellenlage und Praxis der Analyse

Die Arbeit fokussiert Kurzvideos als primäre Quellen, analysiert Erzählweisen, Perspektiven und Quellenbezüge. Beispiele reichen von klassischen Erklärvideos über KI-generierte Darstellungen bis hin zu kontroversen oder täuschend wirkenden Inhalten. Eine Besonderheit ist die Einordnung der Videos in Kategorien wie Presenter-Formate, visuelles Material und Audiospur, wobei der Anteil von Quellenangaben oft variabel bleibt.

Herausforderungen und Chancen der Social-Mayer-Darstellung

Social Media bietet potenziell niedrigschwelligen Zugang zu historischen Themen und ermöglicht Engagement marginalisierter Gruppen. Gleichzeitig bergen Plattform-Algorithmen, Desinformation und Archivierungsprobleme Risiken: Inhalte können gelöscht werden, sich in Rabbit Holes verfangen oder verzerrt dargestellt werden. Die Herausforderung besteht darin, Lernprozesse durch strukturierte Reflexion zu unterstützen.

Im Unterricht: Potenziale, Anpassungen und Perspektiven

Die kurzfristige Form der Videos erlaubt den Vergleich mehrerer Perspektiven in Sequenzen und fördert das Verständnis von Historizität, Quellenkritik und Repräsentationen. Lehrende können Inhalte gezielt zum Diskurs nutzen, um Fragen der Authentizität, Quelle und Narration zu diskutieren, ohne dabei Werbung oder normative Empfehlungen zu vermitteln.

Folge 35: Briefe aus der Verschleppung: Sträflingstransporte auf der HMS Calcutta 1803

31.03.2026

Einführung in die Forschung

Zwischen 1788 und 1868 wurden etwa 162.000 verurteilte Straftäter von Großbritannien nach Australien transportiert. Historiker Lukas Hases untersucht nun bisher unveröffentlichte Briefe von Bord der HMS Calcutta aus dem Jahr 1803, um das Leben der Verurteilten während dieser Überfahrten zu beleuchten.

Die Briefe und ihre Bedeutung

Die Briefe, die von Sträflingen und Seeleuten geschrieben wurden, bieten Einblicke in ihre Hoffnung, Ängste und Lebensbedingungen an Bord. Hases' Forschung trägt zur Convict History bei und untersucht die Interaktionen zwischen der Crew und den Verurteilten.

Hintergründe der Sträflingsverschleppung

Die britische Regierung entschied sich, Sträflinge nach Australien zu verschicken, um die überfüllten Gefängnisse zu entlasten und Strafkolonien zu gründen. Viele Sträflinge wurden für geringfügige Delikte verurteilt und entgingen so der Todesstrafe. Auf australischer Seite führte diese Praxis zur Gründung neuer Siedlungen und Städte.

Erste Einblicke in die Briefe

Hases hat begonnen, die Briefe zu transkribieren und zu analysieren. Überraschenderweise zeigen viele Briefe eine positive Einstellung der Sträflinge, was das Bild der Überfahrten widerspricht, das in der Forschung vorherrscht. Die Briefe dokumentieren auch alltägliche Erfahrungen und Interaktionen an Bord.

Ausblick auf weitere Forschungen

Hases plant, weitere Archive in England und Australien zu besuchen, um mehr über die Schicksale der Sträflinge zu erfahren. Seine zukünftige Arbeit wird sich auf Netzwerke zwischen den Sträflingen und ihre Erfahrungen in der neuen Kolonie konzentrieren.

Einführung in die Forschung

Zwischen 1788 und 1868 wurden etwa 162.000 verurteilte Straftäter von Großbritannien nach Australien transportiert. Historiker Lukas Hases untersucht nun bisher unveröffentlichte Briefe von Bord der HMS Calcutta aus dem Jahr 1803, um das Leben der Verurteilten während dieser Überfahrten zu beleuchten.

Die Briefe und ihre Bedeutung

Die Briefe, die von Sträflingen und Seeleuten geschrieben wurden, bieten Einblicke in ihre Hoffnung, Ängste und Lebensbedingungen an Bord. Hases' Forschung trägt zur Convict History bei und untersucht die Interaktionen zwischen der Crew und den Verurteilten.

Hintergründe der Sträflingsverschleppung

Die britische Regierung entschied sich, Sträflinge nach Australien zu verschicken, um die überfüllten Gefängnisse zu entlasten und Strafkolonien zu gründen. Viele Sträflinge wurden für geringfügige Delikte verurteilt und entgingen so der Todesstrafe. Auf australischer Seite führte diese Praxis zur Gründung neuer Siedlungen und Städte.

Erste Einblicke in die Briefe

Hases hat begonnen, die Briefe zu transkribieren und zu analysieren. Überraschenderweise zeigen viele Briefe eine positive Einstellung der Sträflinge, was das Bild der Überfahrten widerspricht, das in der Forschung vorherrscht. Die Briefe dokumentieren auch alltägliche Erfahrungen und Interaktionen an Bord.

Ausblick auf weitere Forschungen

Hases plant, weitere Archive in England und Australien zu besuchen, um mehr über die Schicksale der Sträflinge zu erfahren. Seine zukünftige Arbeit wird sich auf Netzwerke zwischen den Sträflingen und ihre Erfahrungen in der neuen Kolonie konzentrieren.

Folge 34: Enqueten untersuchen: Eine politische Wissensgeschichte der Sozialpolitik um 1900

01.03.2026

Einführung in die Enquete-Kultur

Die Episode thematisiert die Entwicklung der Enquete-Kultur im deutschen Kaiserreich der 1880er Jahre, welche durch wissenschaftliche Erhebungen von politischen Akteuren geprägt ist. Diese Erhebungen dienen der Legitimation staatlichen Handelns und nehmen eine zentrale Rolle in der Sozialforschung ein.

Gottlieb Schnapper-Arndt und seine Kritik

Gottlieb Schnapper-Arndt, ein Frankfurter Wirtschafts- und Sozialhistoriker, kritisierte die Methodologie der Enquete des Vereins für Sozialpolitik und warf ihnen vor, antisemitische Vorurteile zu legitimieren. Er forderte eine objektive Wissenschaft und hinterfragte die Übertragbarkeit von Meinungsumfragen auf staatliche Maßnahmen.

Der Einfluss von Wissen auf Regierung und Sozialpolitik

Die Diskussion beleuchtet die Beziehung zwischen Wissen und Regierung, insbesondere wie Wissen mobilisiert wurde, um Ansprüche auf Herrschaft zu legitimieren. Schnapper-Arndts Ansatz erfordert Transparenz in der Methodologie sozialwissenschaftlicher Erhebungen, um Manipulationen durch Vorurteile zu vermeiden.

Die Rolle des Staates und privater Akteure

Im Kontext des aufkommenden Wohlfahrtsstaats wird der Einfluss staatlicher Interventionen auf die Wissenschaft thematisiert. Der Staat nutzte private Akteure zur Durchführung von Enqueten, was eine komplexe Verflechtung zwischen Politik und Wissenschaft zur Folge hatte.

Instrumentalisierung der Wucherfrage

Die Wucherfrage wird als ein Beispiel für die Verbindung von sozialen Problemen und antisemitischen Diskursen betrachtet. Schnapper-Arndt kritisierte die Verwendung von Erhebungen, die zur Legitimierung von Vorurteilen dienten, und forderte eine differenzierte Betrachtung der sozialen Realität.

Wissenschaft und Politik: Schnapper-Arndts Perspektive

Schnapper-Arndt plädierte für eine Wissenschaft, die nicht wertfrei ist, sondern sich ihrer politischen Implikationen bewusst ist. Die Offenlegung von Methoden und die kritische Reflexion über die eigenen Vorurteile sind essenziell für die Glaubwürdigkeit der Sozialwissenschaften.

Nachwirkungen und Entwicklung der Sozialwissenschaften

Die Episode schließt mit einer Betrachtung der Nachwirkungen von Schnapper-Arndts Ideen auf die Entwicklung der Sozialwissenschaften im 20. Jahrhundert und der Notwendigkeit, die politischen Auseinandersetzungen um Wissen und soziale Probleme zu reflektieren.

Einführung in die Enquete-Kultur

Die Episode thematisiert die Entwicklung der Enquete-Kultur im deutschen Kaiserreich der 1880er Jahre, welche durch wissenschaftliche Erhebungen von politischen Akteuren geprägt ist. Diese Erhebungen dienen der Legitimation staatlichen Handelns und nehmen eine zentrale Rolle in der Sozialforschung ein.

Gottlieb Schnapper-Arndt und seine Kritik

Gottlieb Schnapper-Arndt, ein Frankfurter Wirtschafts- und Sozialhistoriker, kritisierte die Methodologie der Enquete des Vereins für Sozialpolitik und warf ihnen vor, antisemitische Vorurteile zu legitimieren. Er forderte eine objektive Wissenschaft und hinterfragte die Übertragbarkeit von Meinungsumfragen auf staatliche Maßnahmen.

Der Einfluss von Wissen auf Regierung und Sozialpolitik

Die Diskussion beleuchtet die Beziehung zwischen Wissen und Regierung, insbesondere wie Wissen mobilisiert wurde, um Ansprüche auf Herrschaft zu legitimieren. Schnapper-Arndts Ansatz erfordert Transparenz in der Methodologie sozialwissenschaftlicher Erhebungen, um Manipulationen durch Vorurteile zu vermeiden.

Die Rolle des Staates und privater Akteure

Im Kontext des aufkommenden Wohlfahrtsstaats wird der Einfluss staatlicher Interventionen auf die Wissenschaft thematisiert. Der Staat nutzte private Akteure zur Durchführung von Enqueten, was eine komplexe Verflechtung zwischen Politik und Wissenschaft zur Folge hatte.

Instrumentalisierung der Wucherfrage

Die Wucherfrage wird als ein Beispiel für die Verbindung von sozialen Problemen und antisemitischen Diskursen betrachtet. Schnapper-Arndt kritisierte die Verwendung von Erhebungen, die zur Legitimierung von Vorurteilen dienten, und forderte eine differenzierte Betrachtung der sozialen Realität.

Wissenschaft und Politik: Schnapper-Arndts Perspektive

Schnapper-Arndt plädierte für eine Wissenschaft, die nicht wertfrei ist, sondern sich ihrer politischen Implikationen bewusst ist. Die Offenlegung von Methoden und die kritische Reflexion über die eigenen Vorurteile sind essenziell für die Glaubwürdigkeit der Sozialwissenschaften.

Nachwirkungen und Entwicklung der Sozialwissenschaften

Die Episode schließt mit einer Betrachtung der Nachwirkungen von Schnapper-Arndts Ideen auf die Entwicklung der Sozialwissenschaften im 20. Jahrhundert und der Notwendigkeit, die politischen Auseinandersetzungen um Wissen und soziale Probleme zu reflektieren.