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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht
4. Juni. Bücher am HIS. Im Zwischenreich — Weimar und kein Ende?
Einführung und Aufbau der Diskussion
Die Veranstaltung diskutiert Ute Daniels Buch über die Weimarer Republik mit Fokus auf Struktur, Thesen und Kontext. Der Moderator skizziert das Format der Reihe, die Bedeutung der Neuinterpretation von Weimar und die Absicht, aktuelle Fragen durch historische Perspektiven zu beleuchten. Es gibt Hinweise auf zentrale Figuren, quasi literarische Zeugen und methodische Ansätze, die das Buch von bisherigen Debatten abheben.
Zentrale Thesen und Perspektiven der Autorin
Daniel argumentiert, Weimar lasse sich nicht als bloße Folge von Hitler erklären. Stattdessen stehen Strukturmomente, Steuer- und Finanzpolitik sowie die Rolle des Militär im Mittelpunkt. Die These betont, dass politische Konflikte um Staatseinnahmen und Ausgaben die Weimarer Stabilität bedrohten und dass Kontinuitäten in Eliten nicht automatisch doom-sagen müssen, sondern Handlungsspielräume offenlassen.
Rolle des Militärs und legitimatorische Fragen
Ein Schwerpunkt liegt auf der durchgehenden politischen Bedeutung des Militärs. Vier zentrale Akteure treffen zentrale Entscheidungen, während zivilpolitische Institutionen geschwächt bleiben. Die Diskussion thematisiert Legitimationsprobleme, Präsidialregime, föderale Strukturen und den Einfluss von Verordnungen auf parlamentarische Prozesse sowie die Frage, wie das Militär als politischer Faktor die Republik formte.
Zwischenreich, Kontext und Rezeption
Die Debatte thematisiert den Begriff Zwischenreich als analytische Perspektive, die Offenheit der Entwicklung relativiert, ohne Kontinuitäten völlig auszublenden. Diskussionsteilnehmer prüfen Kontinuitäten in Eliten sowie alternative Zukünfte und betonen, wie Verhandlung und politische Kultur die Möglichkeiten der Republik beeinflussten. Die Auseinandersetzung streift Parallelen zu Gegenwart und fragt nach historischen Lernprozessen aus der Rezeption der Weimarer Zeit.
7. Mai 2026. Bücher am HIS: Das Elend der Geopolitik
Hauptthese und Aufbau des Buchs
Der Autor argumentiert, dass geopolitisches Denken ein elendes Denken bleibt, weil es aus naturräumlichen Gegebenheiten politische Handlungsanweisungen ableitet. Es entsteht in einer Epoche der Hochimperialzeit und hat sich in bestimmten Regionen weiterentwickelt. Ziel der Diskussion ist, wie dieser Denkrahmen kritisch interpretiert werden kann und welche Alternativen jenseits von Machtpolitik sinnvoll erscheinen.
Theoretische Orientierung und Hauptlinien
Im Buch werden drei theoretische Stränge skizziert: machtpolitischer Realismus, liberaler Kooperationsansatz und eine kritische Tradition, die Geopolitik als Diskurs analysiert. Kantischer Völkerrechtsbezug dient als normativer Bezugspunkt. Die Darstellung zeigt historische Wandelprozesse und betont die Bedeutung von Normen, Recht und historischen Umbrüchen für internationale Politik.
Historische Phasen und Gegenwartsbezug
Es werden vier legitimatorische Phasen nach 1945 beschrieben: Dekolonisierung, Kalter Krieg, Humanitarismus und New Sovereignism. Jede Phase verändert Normen, doch geopolitische Logiken durchziehen weiterhin Politik, auch wenn die Erscheinungsformen variieren. Ziel ist es, die Kontinuitäten zu erkennen und die Gegenwart jenseits vereinfachter Gegenüberstellungen zu verstehen.
Praxis, Kritik und offener Diskurs
Diskutiert wird die Rolle von Völkerrecht, internationalen Organisationen und zivilgesellschaftlichen Akteuren im Umgang mit geopolitischer Logik. Debatten drehen sich um Militärrhetorik, Handel als Friedensvehikel, Druckpunkte der Rüstung und die Gefahr einer einförmigen Geopolitik. Die Rezeption der Kritik differenziert zwischen analytischer Geopolitik und öffentlicher Debatte, wobei Klarheit über Begriffe gefordert wird.

20. April 2026. Streit.Bar im April | Warum Faschismus?
Einführung und Stil der Streitbar
In einer Kooperation zwischen Forschenden und Theater wird diskutiert, wie Publikationen das Thema Faschismus beleuchten. Die Runde schildert den Ablauf, die Themenfindung und den Anspruch, Bücher zu einem übergreifenden Thema zu bündeln. Es geht um reflexive Perspektiven auf Gegenwart und Geschichte, ohne pädagogische Handlungsanweisungen. Die Moderation erinnert an zehn Jahre Streitbar und betont den Austausch über unterschiedliche Blickwinkel und Bücher hinweg.
Beobachtende Analyse des ersten Sachbuchs
Eva von Redeker wird als Philosophin vorgestellt, deren Überlegungen Faschismus weniger als feste Definition denn als Phänomen der Phantombesitz-Verteidigung lesen. Zentral ist die These der entfesselten Eigentumslogik, die materielle und immaterielle Bereiche umfasst. Der Diskurs zeigt, wie Kapitalismus, Liberalismus und Angststrukturen zusammenwirken, um Abwehr- und Ausgrenzungsbewegungen zu ermöglichen. Die Kritik bemerkt teilweise Strukturbrüche, aber auch scharfe, prägnante Beobachtungen.
Weitere Beiträge: Takassidis und Zimmermann
Mark Takassidis analysiert Wandel des Faschismus durch politische Diskursformen, Moralpanik und den Zwischenraum zwischen Aktivismus und Intellektuellen. Seine Kritik richtet sich gegen eine zu starke US-Akkulturation der Debatten und betont die Notwendigkeit pragmatischer, nicht nur identitätspolitischer Ansätze. Moshe Zimmermann verwendet historische Fallbeispiele, um Verrücktheit als demokratisches Problem zu fassen, betont jedoch, dass Akteure und Medien entscheidend mitgestalten.
Der literarische Abschluss und der Ausblick
Ein Roman von Anna Segers, Der Weg durch den Februar, dient als Spiegel der Bürgerkriegszeiten und legt Fragen nach Loyalität, Kooperation und Gewalt in einer fragmentierten Gesellschaft frei. Die Diskussion zieht Parallelen zu heutigen politischen Krisen, beleuchtet Kommunikationsformen und die Rolle von Parteien sowie Graswurzelinitiativen. Der Abend endet mit dem Hinweis auf kommende Veranstaltungen und der Aufforderung, Debatten offen und konstruktiv fortzuführen.