
House of Modern History
Senta Terner und Chris Schmitt
Beschreibung
Muss nicht sein! Wer wissen will wieso man Geschichte studieren sollte, was man damit machen kann und warum Geschichte die gegenwärtigste Wissenschaft überhaupt ist, ist hier richtig.
Wir, Senta Terner und Christoph Schmitt, studieren beide Geschichte und sprechen über Erfahrungen, Fragen, Interessen und was uns sonst noch einfällt. Unsere Komfortzone ist die neuere Geschichte, doch wir schauen uns nicht nur Themen zwischen Kaiserreich und Kohl oder Faraday und Foucault an. Manchmal wagen wir auch den Blick auf Vergangenheiten und Zukünfte
Podmon Kategorien
Upgrade dein Konto, um kontextuelle Kategorien zu sehen!
Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Wissen um sexualisierte Gewalt an Kindern – mit Ruth Pope
Einführung und Vorstellung von Ruth Pope
Ruth Pope, eine Historikerin mit einem Fokus auf sexualisierte Gewalt an Kindern, ist zu Gast im Podcast. Sie hat ihre Dissertation über das Thema in der Bundesrepublik von 1980 bis 2010 abgeschlossen und arbeitet nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg.
Der Abschluss der Dissertation
Ruth beschreibt ihre ambivalenten Gefühle nach dem Abschluss ihrer Dissertation. Obwohl sie sich auf den Moment gefreut hatte, empfand sie auch eine gewisse Leere und Unsicherheit über ihre zukünftigen Aufgaben. Ihr Projekt beschäftigt sich mit Diskursen über sexualisierte Gewalt in einer Hamburger Gewerkschaft.
Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt
Ruth erklärt, wie sie auf das Thema gekommen ist, und hebt die Forschungslücke zu feministischem Wissen über sexualisierte Gewalt hervor. Ihre Masterarbeit befasste sich mit der Gründung von Beratungsstellen in den 80er und 90er Jahren.
Quellen und Forschung
Die Forschung zu sexualisierter Gewalt an Kindern erfordert eine sorgfältige Auseinandersetzung mit emotional belastenden Quellen. Ruth betont, dass ihr Engagement für das Thema sie motiviert hat, trotz der Herausforderungen, die das Quellenmaterial mit sich brachte.
Definitionen und Begriffe
Ruth erläutert die Begriffe sexualisierte Gewalt und sexueller Missbrauch, hebt deren historische Entwicklung und die Rolle feministischer Bewegungen hervor, die diese Themen in den 80er Jahren in den Fokus rücken.
Expertise und Wissenskonkurrenz
Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die Auseinandersetzung zwischen feministischen Aktivistinnen und etablierten Wissenschaftlern. Während die Aktivistinnen ihre persönliche Erfahrung und emotionale Einsicht in den Vordergrund stellen, wird den Wissenschaftlern oft eine objektive Analyse zugeschrieben.
Rolle der Kirchen und anderer Institutionen
Die Kirchen spielen in Ruths Untersuchung eine untergeordnete Rolle, da sie in den 80er Jahren nicht direkt in die Debatte um sexualisierte Gewalt eingreifen. Die feministischen Beratungsstellen hingegen haben sich als entscheidende Akteure etabliert.
Intersektionalität und Geschlechterfragen
Ruth diskutiert die Herausforderungen, die sich aus der Geschlechterdichotomie und der Wahrnehmung von Jungen als weniger betroffen ergeben. Die Debatte über die Rolle von Geschlecht und Ethnie in der Forschung hat im Laufe der Zeit an Bedeutung gewonnen.
Globaler Kontext und Austausch
Die Diskussion um sexualisierte Gewalt ist nicht auf Deutschland beschränkt. Ruth zeigt, wie internationale Entwicklungen, insbesondere in den USA, die feministische Bewegung in Deutschland beeinflusst haben.

Was bedeutet Karriere in der Wissenschaft? – mit Jessica Wilzek
Einführung in die Karriere von Jessica Wilczek
Jessica Wilczek, eine erfahrene Akademikerin, hat an der Universität Gießen promoviert und war in verschiedenen Rollen im Wissenschaftsmanagement tätig. Momentan ist sie an der PH Schwäbisch Gmünd tätig, wo sie sich auf Karriereentwicklung und Nachwuchsförderung konzentriert.
Aufgaben in der Karriereentwicklung
Wilczek unterstützt Promovierende, Postdocs und JuniorprofessorInnen bei ihrer Karriereplanung. Ihre Aufgaben umfassen Beratung, Organisation von Workshops und Peer-Gruppen sowie Konfliktberatung. Sie betont die Bedeutung der internen Unterstützung an Hochschulen für die Karriereentwicklung von WissenschaftlerInnen.
Herausforderungen im Wissenschaftssystem
Wilczek spricht über den Druck im Wissenschaftssystem, der durch befristete Stellen und mangelnde Planbarkeit entsteht. Viele talentierte WissenschaftlerInnen fühlen sich gezwungen, ihre Karriere aufgrund finanzieller und emotionaler Belastungen zu überdenken.
Karriereplanung und Kompetenzen
Sie erläutert, dass Karriereplanung nicht nur auf die Professur abzielt, sondern auch die Entwicklung sozialer und interkultureller Kompetenzen umfasst. Wilczek fordert eine Neubewertung dieser Fähigkeiten innerhalb des Wissenschaftssystems.
Wissenschaft als Berufung
Das Gespräch thematisiert auch die Frage, ob WissenschaftlerInnen in der Freizeit oder nebenberuflich forschen dürfen. Wilczek sagt, dass viele Menschen trotz der Herausforderungen in der Wissenschaft arbeiten möchten, was zu einem Spannungsfeld zwischen Beruf und Privatleben führt.
Aktuelle Entwicklungen und Literatur
Abschließend wird auf aktuelle Entwicklungen in der Wissenschaft hingewiesen, darunter auch Literatur, die sich mit Machtmissbrauch und den Herausforderungen im Wissenschaftssystem auseinandersetzt. Wilczek empfiehlt, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, um das Verständnis für die Situation von WissenschaftlerInnen zu verbessern.

Demokratie ist kein Zustand sondern ein Prozess – mit Christina Morina
Einführung und Vorstellung von Christina Morina
Christina Morina, geboren in Frankfurt an der Oder, hat Geschichte, Politikwissenschaft und Journalistik studiert und promovierte 2007 zur deutsch-deutschen Erinnerungskultur. Sie hat an verschiedenen Universitäten gearbeitet und hat sich auf die politische Ideengeschichte und die Erinnerungskulturen in beiden deutschen Staaten spezialisiert.
Persönlicher Hintergrund und Einfluss auf die Forschung
Morina betont die zentrale Rolle ihres persönlichen Hintergrunds in ihrer Forschung, insbesondere in Bezug auf die Entwicklungen in Ostdeutschland. Sie reflektiert, wie ihre Biografie ihre wissenschaftliche Perspektive beeinflusst und wie wichtig es ist, sich als Wissenschaftler von persönlichen Erfahrungen zu distanzieren.
Demokratieanspruchsgeschichte
Das Buch von Morina behandelt die Geschichte der Demokratie in Deutschland seit der Wende 1989. Sie argumentiert, dass Demokratie ein Prozess ist, der nicht nur von politischen Eliten, sondern auch von der Bevölkerung getragen wird. Ihre Perspektive bezieht sich auf die gesellschaftlichen Grundlagen und Werte, die Demokratie prägen.
Politische Kulturgeschichte von unten
Morina definiert die politische Kulturgeschichte als ein Feld, das sich mit den gesellschaftlichen Grundlagen eines politischen Systems beschäftigt. Dabei untersucht sie, wie sich die Vorstellungen von Demokratie in beiden deutschen Staaten entwickelt haben und welche Rolle die Bevölkerung dabei spielt.
Wirkungen der Wiedervereinigung
Die Wiedervereinigung wird als komplexer Prozess beschrieben, der sowohl positive als auch negative Aspekte aufweist. Morina untersucht, wie sich die beiden deutschen Gesellschaften aufeinander zubewegt haben und welche Herausforderungen dabei zu bewältigen waren.
AfD als genuin deutsches Phänomen
Morina beschreibt die AfD als ein Resultat von Frustrationen in beiden Teilen Deutschlands und als eine Partei, die spezifische historische Erfahrungen und gesellschaftliche Spannungen aufgreift. Sie betont die Notwendigkeit, die unterschiedlichen Erwartungen an Demokratie zu verstehen, die sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland bestehen.
Engagement von Historikern in der politischen Öffentlichkeit
Morina diskutiert die Verantwortung von Historikern, sich in gesellschaftliche und politische Debatten einzubringen, ohne dabei parteipolitisch zu werden. Sie sieht ihre Rolle darin, zur Aufklärung und Verständigung beizutragen und die Herausforderungen der Gegenwart aus einer historischen Perspektive zu analysieren.