Zeitzeugen im Gespräch
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Zeitzeugen im Gespräch

Deutschlandfunk

Beschreibung

Der Titel ist Programm: In ausführlichen Interviews berichten bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten von ihren eigenen politischen und persönlichen Lebenserfahrungen oder aber betrachten die Welt und Gesellschaft als Zeitzeuge.

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Veröffentlichungshistorie

Episodenübersicht

Ulrich Schneider - "Wir waren nicht arm, aber wir waren deklassiert"

25.07.2026

Ulrich Schneiders Werdegang

Ulrich Schneider, der ehemalige Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, reflektiert über seine 25-jährige Karriere, die geprägt war von sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Geboren 1958 in einfachen Verhältnissen im Ruhrgebiet, engagierte er sich früh in der Jugendarbeit, was seine spätere berufliche Ausrichtung beeinflusste.

Kindheit und Herkunft

Schneider beschreibt eine Arbeiterkindheit, in der Armut nicht das Gefühl der Ausgrenzung hervorrief, da viele in ähnlichen Verhältnissen lebten. Er hebt die Herausforderungen hervor, die das Aufwachsen in einem Arbeiterviertel mit sich brachte, inklusive der physischen und sozialen Belastungen seiner Familie.

Gesellschaftliche Ungleichheit

Im Gespräch thematisiert Schneider die Hartnäckigkeit gesellschaftlicher Ungleichheit, insbesondere im Bildungssystem, wo Kinder aus Akademikerhaushalten weitaus bessere Chancen haben. Er stellt fest, dass diese Unterschiede auch auf seine eigenen Kinder zutreffen und dass die Herkunft nach wie vor einen großen Einfluss auf die Bildungskarriere hat.

Politische Enttäuschungen

Schneider äußert seine Enttäuschung über die sozialpolitischen Entwicklungen seit der Agenda 2010, insbesondere über die Hartz-IV-Reformen, die er als eine Form der Armut per Gesetz bezeichnet. Er kritisiert, dass das System nicht die Bedürfnisse der sozial Schwachen berücksichtigt.

Wohlfahrtsverbände und Armutsberichte

Als Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Verbandes war Schneider maßgeblich an der Erstellung von Armutsberichten beteiligt. Er betont die Wichtigkeit, nicht nur monetäre, sondern auch soziale Faktoren bei der Armutsdefinition zu berücksichtigen.

Kritik an der Corona-Politik

Schneider kritisiert die unzureichende Unterstützung von sozial Schwachen während der Corona-Pandemie und sieht darin ein Versagen der Politik, die dringend benötigte Solidarität nicht zu zeigen.

Migration und Integration

Er argumentiert, dass die Probleme in Bezug auf Migration nicht an den Migranten selbst liegen, sondern an den bestehenden gesellschaftlichen Bedingungen, wie Wohnraummangel und unzureichende Integrationsangebote.

Persönliche Glücksmomente

Zuletzt beschreibt Schneider, dass er in der Musik eine Quelle des Glücks findet, insbesondere beim gemeinsamen Musizieren, was ihm ein Gefühl von Erfüllung und Zufriedenheit gibt.

Ulrich Schneiders Werdegang

Ulrich Schneider, der ehemalige Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, reflektiert über seine 25-jährige Karriere, die geprägt war von sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Geboren 1958 in einfachen Verhältnissen im Ruhrgebiet, engagierte er sich früh in der Jugendarbeit, was seine spätere berufliche Ausrichtung beeinflusste.

Kindheit und Herkunft

Schneider beschreibt eine Arbeiterkindheit, in der Armut nicht das Gefühl der Ausgrenzung hervorrief, da viele in ähnlichen Verhältnissen lebten. Er hebt die Herausforderungen hervor, die das Aufwachsen in einem Arbeiterviertel mit sich brachte, inklusive der physischen und sozialen Belastungen seiner Familie.

Gesellschaftliche Ungleichheit

Im Gespräch thematisiert Schneider die Hartnäckigkeit gesellschaftlicher Ungleichheit, insbesondere im Bildungssystem, wo Kinder aus Akademikerhaushalten weitaus bessere Chancen haben. Er stellt fest, dass diese Unterschiede auch auf seine eigenen Kinder zutreffen und dass die Herkunft nach wie vor einen großen Einfluss auf die Bildungskarriere hat.

Politische Enttäuschungen

Schneider äußert seine Enttäuschung über die sozialpolitischen Entwicklungen seit der Agenda 2010, insbesondere über die Hartz-IV-Reformen, die er als eine Form der Armut per Gesetz bezeichnet. Er kritisiert, dass das System nicht die Bedürfnisse der sozial Schwachen berücksichtigt.

Wohlfahrtsverbände und Armutsberichte

Als Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Verbandes war Schneider maßgeblich an der Erstellung von Armutsberichten beteiligt. Er betont die Wichtigkeit, nicht nur monetäre, sondern auch soziale Faktoren bei der Armutsdefinition zu berücksichtigen.

Kritik an der Corona-Politik

Schneider kritisiert die unzureichende Unterstützung von sozial Schwachen während der Corona-Pandemie und sieht darin ein Versagen der Politik, die dringend benötigte Solidarität nicht zu zeigen.

Migration und Integration

Er argumentiert, dass die Probleme in Bezug auf Migration nicht an den Migranten selbst liegen, sondern an den bestehenden gesellschaftlichen Bedingungen, wie Wohnraummangel und unzureichende Integrationsangebote.

Persönliche Glücksmomente

Zuletzt beschreibt Schneider, dass er in der Musik eine Quelle des Glücks findet, insbesondere beim gemeinsamen Musizieren, was ihm ein Gefühl von Erfüllung und Zufriedenheit gibt.

Peer Steinbrück - "Die Menschen wollen wissen: Wo will die Politik mit mir hin?"

25.06.2026

Peer Steinbrücks Politische Laufbahn

Peer Steinbrück, ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Bundesfinanzminister, reflektiert über seinen politischen Werdegang und Kommunikationsstil. Er betont die Bedeutung von Klartext in der Politik und beschreibt seine Anfänge in einem politisch interessierten Elternhaus sowie seine frühen Schritte in die Politik, die von einer Schulzeit geprägt waren, in der er bereits über Deutschlandpolitik diskutierte.

Krisenkommunikation und Herausforderungen

Steinbrück spricht über die Notwendigkeit, in Krisensituationen klar und ehrlich zu kommunizieren. Er kritisiert die mangelnde Vorbereitung der Politik auf Herausforderungen wie die Digitalisierung und den demografischen Wandel. Außerdem hebt er hervor, dass die Politik den Bürgern eine Perspektive bieten muss, um deren Vertrauen zu gewinnen.

Wirtschaftliche Herausforderungen

Er reflektiert über die stagnierende Produktivität in Deutschland und den Wettbewerb mit Ländern wie China. Steinbrück ist optimistisch und glaubt, dass Deutschland trotz der Herausforderungen weiterhin stark ist und die richtigen Reformen umsetzen kann.

Die Agenda 2010 und ihre Auswirkungen

Steinbrück erklärt die Agenda 2010 als notwendige Reform, kritisiert jedoch die SPD für die unzureichende Kommunikation ihrer Erfolge. Er sieht darin einen Grund für den Verlust des traditionellen Klientels und die Entstehung neuer Parteien wie der Linken.

Politische Kommunikation im Wandel

Er thematisiert die Schwierigkeiten der heutigen Politiker, klare und manchmal unbequeme Wahrheiten zu kommunizieren, und stellt fest, dass die Öffentlichkeit oft eine klare Ansage erwartet, jedoch aufgrund der Angst vor öffentlicher Kritik zurückhaltend agiert wird.

Rückblick auf die Kanzlerkandidatur

Steinbrück reflektiert seine Zeit als Kanzlerkandidat und erkennt, dass seine direkte Art von vielen als arrogant wahrgenommen wurde. Er kritisiert die mediale Berichterstattung, die oft die Inhalte seiner politischen Botschaften in den Hintergrund drängt.

Zukunft der SPD

Abschließend äußert er sich zur aktuellen Situation der SPD und deren Notwendigkeit, sich neu zu positionieren, um wieder an Einfluss zu gewinnen. Er sieht die Partei als progressiv und zukunftsorientiert, warnt jedoch vor der Fragmentierung des Parteiensystems in Deutschland.

Peer Steinbrücks Politische Laufbahn

Peer Steinbrück, ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Bundesfinanzminister, reflektiert über seinen politischen Werdegang und Kommunikationsstil. Er betont die Bedeutung von Klartext in der Politik und beschreibt seine Anfänge in einem politisch interessierten Elternhaus sowie seine frühen Schritte in die Politik, die von einer Schulzeit geprägt waren, in der er bereits über Deutschlandpolitik diskutierte.

Krisenkommunikation und Herausforderungen

Steinbrück spricht über die Notwendigkeit, in Krisensituationen klar und ehrlich zu kommunizieren. Er kritisiert die mangelnde Vorbereitung der Politik auf Herausforderungen wie die Digitalisierung und den demografischen Wandel. Außerdem hebt er hervor, dass die Politik den Bürgern eine Perspektive bieten muss, um deren Vertrauen zu gewinnen.

Wirtschaftliche Herausforderungen

Er reflektiert über die stagnierende Produktivität in Deutschland und den Wettbewerb mit Ländern wie China. Steinbrück ist optimistisch und glaubt, dass Deutschland trotz der Herausforderungen weiterhin stark ist und die richtigen Reformen umsetzen kann.

Die Agenda 2010 und ihre Auswirkungen

Steinbrück erklärt die Agenda 2010 als notwendige Reform, kritisiert jedoch die SPD für die unzureichende Kommunikation ihrer Erfolge. Er sieht darin einen Grund für den Verlust des traditionellen Klientels und die Entstehung neuer Parteien wie der Linken.

Politische Kommunikation im Wandel

Er thematisiert die Schwierigkeiten der heutigen Politiker, klare und manchmal unbequeme Wahrheiten zu kommunizieren, und stellt fest, dass die Öffentlichkeit oft eine klare Ansage erwartet, jedoch aufgrund der Angst vor öffentlicher Kritik zurückhaltend agiert wird.

Rückblick auf die Kanzlerkandidatur

Steinbrück reflektiert seine Zeit als Kanzlerkandidat und erkennt, dass seine direkte Art von vielen als arrogant wahrgenommen wurde. Er kritisiert die mediale Berichterstattung, die oft die Inhalte seiner politischen Botschaften in den Hintergrund drängt.

Zukunft der SPD

Abschließend äußert er sich zur aktuellen Situation der SPD und deren Notwendigkeit, sich neu zu positionieren, um wieder an Einfluss zu gewinnen. Er sieht die Partei als progressiv und zukunftsorientiert, warnt jedoch vor der Fragmentierung des Parteiensystems in Deutschland.

Jean-Claude Juncker - "Immer war Krise und immer ist ein Fortschrittsschub gekommen"

28.05.2026

Herkunft, Prägungen und Empathie

Die Lebensgeschichte Junckers verankert sich in einer Kinder- und Jugendzeit in Luxemburg, geprägt von Arbeitern, Einwanderern und der Lehre, sich anzustrengen und sozial verantwortlich zu handeln. Er schildert eine christlich-geprägte Erziehung, Respekt vor Fremden und die Fähigkeit, Konflikte aus der Perspektive der Betroffenen zu sehen. Eindrücke von Krieg und Flucht weckten früh ein Gespür für die Nöte von Auswanderern und das Bedürfnis, Europa gemeinsam zu gestalten.

Europäische Wegmarken und Krisenbewältigung

Seine Rolle reicht von Luxemburgs Minister bis zur Beachtung des Maastricht-Vertrags, des Stabilitätspakts und der Euro-Einführung. In Krisenzeiten wie Finanz- und Flüchtlingskrise griff er zu diplomatischen Mitteln, blieb bei europäischer Zusammenarbeit und versuchte, Brücken zwischen Mitgliedstaaten zu schlagen. Die Idee eines gemeinsamen Europas blieb dabei sein Leitmotiv, auch wenn Krisen politische Anpassungen erforder­ten.

Führungsstil und menschliche Politik

Juncker betont das personale Element internationaler Verhandlungen: Respekt, Zugewandtheit, Humor und direkte Ansprache. Er beschreibt, wie er politische Gespräche als Austausch zwischen Menschen begreift, nicht als Roboter-Interaktionen. Körperliche Nähe, Umarmungen und ehrliche Gespräche mit Akteuren wie Putin oder Erdogan sollten Vertrauen erzeugen, ohne dabei politische Ziele zu kompromittieren. Menschlichkeit bleibt zentrale Infrastruktur politischer Arbeit.

Zukunft Europas und Erzählung

Der Veteran betont, dass Europa eine fortbestehende Erzählung von Frieden und Kooperation braucht. Innere Sorglosigkeit sei das eigentliche Risiko, äußere Bedrohungen blieben eine Herausforderung. Die Stärken ließen sich durch gemeinsame Anstrengungen bewahren, während radikale Strömungen entschlossen entgegnet werden müssten. Er plädiert für eine anhaltende Orientierung an Werten, europäischen Kooperationen und einer klaren Haltung gegen Spaltung.

Herkunft, Prägungen und Empathie

Die Lebensgeschichte Junckers verankert sich in einer Kinder- und Jugendzeit in Luxemburg, geprägt von Arbeitern, Einwanderern und der Lehre, sich anzustrengen und sozial verantwortlich zu handeln. Er schildert eine christlich-geprägte Erziehung, Respekt vor Fremden und die Fähigkeit, Konflikte aus der Perspektive der Betroffenen zu sehen. Eindrücke von Krieg und Flucht weckten früh ein Gespür für die Nöte von Auswanderern und das Bedürfnis, Europa gemeinsam zu gestalten.

Europäische Wegmarken und Krisenbewältigung

Seine Rolle reicht von Luxemburgs Minister bis zur Beachtung des Maastricht-Vertrags, des Stabilitätspakts und der Euro-Einführung. In Krisenzeiten wie Finanz- und Flüchtlingskrise griff er zu diplomatischen Mitteln, blieb bei europäischer Zusammenarbeit und versuchte, Brücken zwischen Mitgliedstaaten zu schlagen. Die Idee eines gemeinsamen Europas blieb dabei sein Leitmotiv, auch wenn Krisen politische Anpassungen erforder­ten.

Führungsstil und menschliche Politik

Juncker betont das personale Element internationaler Verhandlungen: Respekt, Zugewandtheit, Humor und direkte Ansprache. Er beschreibt, wie er politische Gespräche als Austausch zwischen Menschen begreift, nicht als Roboter-Interaktionen. Körperliche Nähe, Umarmungen und ehrliche Gespräche mit Akteuren wie Putin oder Erdogan sollten Vertrauen erzeugen, ohne dabei politische Ziele zu kompromittieren. Menschlichkeit bleibt zentrale Infrastruktur politischer Arbeit.

Zukunft Europas und Erzählung

Der Veteran betont, dass Europa eine fortbestehende Erzählung von Frieden und Kooperation braucht. Innere Sorglosigkeit sei das eigentliche Risiko, äußere Bedrohungen blieben eine Herausforderung. Die Stärken ließen sich durch gemeinsame Anstrengungen bewahren, während radikale Strömungen entschlossen entgegnet werden müssten. Er plädiert für eine anhaltende Orientierung an Werten, europäischen Kooperationen und einer klaren Haltung gegen Spaltung.