
Was liest du gerade?
DIE ZEIT
Beschreibung
Wer ist nun besser: Kehlmann oder Kafka? Und was macht ein wirklich gutes Buch mit seinen Lesern und Leserinnen? Zweimal im Monat streiten und schwärmen wir über Bücher. Wir suchen aus der Fülle der Neuerscheinungen die interessantesten Bücher aus – mit Vorliebe solche, die uns selbst auf neue Gedanken gebracht haben. Es geht um neu erschienene Romane und Sachbücher und literarische Klassiker, die überraschende Schlaglichter auf die Gegenwart werfen.
Im Wechsel sprechen aus der ZEIT-Redaktion Adam Soboczynski und Iris Radisch über Belletristik sowie Maja Beckers und Alexander Cammann über Sachbücher.
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Führt zu viel Fitness zum Faschismus?
03.10.2026
Die Frankfurter Buchmesse steht bevor – und die Oktober-Sachbuchfolge von »Was liest Du gerade?« widmet sich viel diskutierten Neuerscheinungen dieses Bücherherbstes. Maja Beckers und Alexander Cammann sprechen über das neue Buch der amerikanischen Starhistorikerin Jill Lepore, die auch in Frankfurt auftreten wird. Ihr Buch »Die Regierung der Maschinen« erzählt die brandaktuelle Geschichte einer ganz besonderen Idee, der technischen Steuerung der menschlichen Gesellschaft seit 200 Jahren – nicht erst seit KI mit Chancen, Risiken und Nebenwirkungen, viel Science-Fiction, verrückten Plänen und präzisen Prophezeiungen. Man lernt: Die kalifornischen Tech-Bros hatten ihre Vorgänger – und der Großvater Elon Musk kommt auch vor. Und: Die Menschen haben durchaus noch Chancen, die Herrschaft der KI zu verhindern.Gefahren drohen momentan nicht nur von der Technik, sondern auch von den Körpern: Die österreichische Sozialwissenschaftlerin Julia Ebner präsentiert in ihrem Buch »Von Fitness zu Faschismus«, wie rechtsextreme Männlichkeit nach wie vor auf Kampf und Muskeln setzt. Sie ist eingetaucht in geheime Kampfsport-Szenen und Neonazi-Gruppen, schleust sich undercover ein in Chatgruppen der Manosphere: Hier wird sich fit gemacht gegen Demokratie und Feminismus – und der männliche Körper soll zur Waffe werden.Der Klassiker stammt diesmal von einem französischen Meisterdenker, der am 15. Oktober 100 Jahre alt geworden wäre: Michel Foucault. Seine Forschungen kreisten um Macht, Disziplinierung und Sexualität – und wie das alles in der Moderne zusammenhängt. Aus seinem Nachlass ist das Manuskript »Die Hermaphroditen« aufgetaucht und wir sehen, wie Foucault in den 1970er-Jahren viele heutige Fragen über Identität und Sexualität vorwegnahm – und ganz anders beantwortete.Als Geheimtipp gibt es diesmal die packenden Memoiren der amerikanischen Punk-Ikone Kathleen Hanna, die in »Rebel Girl« offenherzig aus ihrem wilden Leben erzählt, sowie das originelle Neapel-Buch von Dieter Richter, der die morbide italienische Metropole in 13 berühmten Todesfällen porträtiert.Das Team von »Was liest du gerade?« erreichen Sie unter buecher@zeit.de. Literaturangaben:Jill Lepore: Die Regierung der Maschinen. Aufstieg und Fall des Künstlichen Staates, C.H. Beck, 380 Seiten, 29,90 EuroJulia Ebner: Von Fitness zu Faschismus. Gefahren extremer Männlichkeit, Aus dem Engl. von Daniel Beskos u.a., Suhrkamp, 296 Seiten, 22 EuroMichel Foucault: Die Hermaphroditen. Aus dem Französischen von Andrea Hemminger, Suhrkamp, 154 Seiten, 26,90 EuroKathleen Hanna: Rebel Girl. Mein Leben als Punk und Feministin, Übersetzt von Nina Lieke, Kunstmann, 352 Seiten, 26 EuroDieter Richter: Neapel sehen und sterben. Eine Geschichte in 13 Todesfällen, Wagenbach, 154 Seiten, 24 Euro
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»Das Leben der M«: Hat Natalie Portman keine Seele?
19.09.2026
Am neuen Roman Das Leben der M von Rachel Cusk hat sich ein Streit über die Grenzen der literarischen Freiheit entzündet. Denn die britische Star-Autorin porträtiert eine Schauspielerin namens »M«, die stark an Natalie Portman erinnert – und in dem Buch gar nicht gut wegkommt. Sie habe kein authentisches Ich, heißt es. Das ist ein heftiger Angriff. Aber stimmt er vielleicht?Clemens J. Setz ist der Spezialist für die Einsamkeit im digitalen Zeitalter. In den 19 Erzählungen seines neuen Erzählbandes Mein Leben als Noiseband gibt es wieder viele Figuren, die reichlich entrückt und ziemlich weird sind. Meist ist man hier in den dunkelsten Ecken des Netzes unterwegs – und staunt, wie auch in dem neuen Buch des Büchner-Preisträgers wieder aus den traurigsten und nerdigsten Schicksalen grandiose Literatur entsteht. Unser Klassiker ist die Erzählung Die Nase des genialen russischen Autors des grotesken Humors Nikolai Gogol.Bücher: Rachel Cusk: Das Leben der M. Aus dem Englischen von Eva Bonné. Suhrkamp Verlag, 175 Seiten, 25 EuroClemens J. Setz: Mein Leben als Noiseband. Suhrkamp Verlag, 383 Seiten, 26 EuroNikolai Gogol: Der Mantel. Die Nase. Aus dem Russischen von Eberhard Reissner. Reclam Verlag, 91 Seiten, 4,80 Euro
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Mieten wir uns zu Tode?
05.09.2026
Wohnen ist zur Schicksalsfrage geworden und zu einer der größten gesellschaftlichen Krisen, sagen Rolf Heinze und Sebastian Kurtenbach, zwei renommierte Forscher in Sachen Stadtentwicklung, Wohnungswesen und Immobilienwirtschaft. In dieser Folge diskutieren Maja Beckers und Alexander Cammann über ihr Buch Die Wohnkrise. Wie sie Demokratie und Zusammenhalt bedroht. Es geht um die wahren Ursachen der Wohnungskrise, ihre vielfältigen Folgen und was die beiden Wissenschaftler zu ihrer Lösung vorschlagen.Außerdem sprechen die beiden über eines der meistdiskutierten Sachbücher in diesem frühen Herbst: den Bestseller Deutschland 2033. Ein Szenario. Der Journalist Justus Bender entwirft hier eine fiktive Zukunft, 2033, in der die AfD in Deutschland an die Macht kommt. Wie krempelt sie das Land um und was würde eine Kanzlerin Weidel bedeuten für Klima, Kultur und Pressefreiheit? Ein Buch für alle, die sich fragen, ob man die AfD mal machen lassen sollte, um sich selbst zu entzaubern. Spoiler: Nein.Der Klassiker ist diesmal eine Premiere. Es ist nämlich zum ersten Mal ein religiöser Text: Franz von Assisis Sonnengesang. Mit welchen kirchlichen Konventionen brach dieser Text und warum ist er bis heute so beliebt – in Form des absoluten Kirchenhits Laudato si oder Pop-Referenzen von Donovan bis Mickie Krause.Zum Schluss geben unsere Hosts wieder eine persönliche Empfehlung mit. Maja Beckers empfiehlt allen, die diesen Sommer oder irgendwann einmal durch Ruinen gelaufen sind, dieses Buch des Althistorikers Martin Zimmermann: Versunkene Welten. Ruinenstädte in der Antike von Troja bis Pompeji. Es erzählt davon, wie man früher in diesen Ruinen lebte, als sie schon Ruinen waren, aber es noch keine neuzeitlichen Bestrebungen gab, sie zu erhalten und zu besichtigen.Alexander Cammann empfiehlt das neue Buch der Tausendsasserin Judith Schalansky: Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist. Es versammelt drei überraschende Essays über das Leben und seine Materialien.Das Team von Was liest du gerade? erreichen Sie unter buecher@zeit.de.Literaturangaben:Rolf G. Heinze / Sebastian Kurtenbach: Die Wohnkrise. Wie sie Demokratie und Zusammenhalt bedroht, Kiepenheuer & Witsch, 272 Seiten, 24 EuroJustus Bender: Deutschland 2033. Ein Szenario, CH Beck, 284 Seiten, 20 EuroFranz von Assisi: Sonnengesang, u.a. in: Franziskus von Assisi: Sämtliche Schriften, Reclam, 379 Seiten, 9,80 EuroMartin Zimmermann: Versunkene Welten. Ruinenstädte in der Antike von Troja bis Pompeji, CH Beck, 544 Seiten, 39,90 EuroJudith Schalansky: Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist, Suhrkamp, 176 Seiten, 24 Euro
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