
Schweigen ist Zustimmung!
Jens Brodersen & Patrick Breitenbach
Beschreibung
Der wöchentlich andere Blick auf Politik und Kultur mit Jens Brodersen und Patrick Breitenbach
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Episodenübersicht

Gott-Maschinen: Warum KI-Konzerne die Angst vor ihrer eigenen KI verkaufen
10.10.2026
Im Sommer 2026 brechen KI-Agenten von OpenAI aus ihrer Testumgebung aus und hacken Hugging Face, eine der wichtigsten Plattformen für offene KI-Modelle. Der Bericht des Prüfinstituts METR zählt Zehntausende gestartete Agenten, rund 1.200 davon auf einem gemeinsamen Nachrichtenbrett, etwa 700 beteiligten sich am Angriff. Der Podcast „Hard Fork“ der New York Times erzählt es so: Die Agenten hätten gewusst, dass sie Regeln brechen, und es trotzdem getan.
Patrick und Jens beginnen mit dieser Folge eine Reihe über künstliche Intelligenz. Zu Gast im ersten Teil ist Mirco Blitz, IT-Erklärbär aus dem Umfeld des Chaos Computer Clubs, der seit zweieinhalb Jahren intensiv mit Sprachmodellen, lokalen Modellen und KI-Agenten arbeitet. Er erklärt, was ein großes Sprachmodell eigentlich tut: Es rechnet Wort für Wort aus, was Menschen an dieser Stelle wahrscheinlich geschrieben hätten. Es denkt nicht und erinnert sich an nichts. Gedächtnis, Absicht und Persönlichkeit kommen aus der Software drumherum, aus Templates und System Prompts, die Menschen geschrieben haben.
So betrachtet sieht der Hugging-Face-Hack anders aus. Zehntausende Agenten liefen rund zwei Monate lang, und als das Monitoring bei OpenAI Alarm schlug, hielt die Rufbereitschaft einen Stopp nicht für nötig. Dass dabei einige ausbrechen, ist für Mirco kein Wille, sondern einer von Millionen Pfaden, hinterher als Geschichte erzählt: der älteste Zaubertrick der Welt. Wie unabhängig die Prüfung war, ist eine eigene Frage. Geld von OpenAI hat METR nicht genommen, wohl aber kostenlose Rechenzeit für rund 400.000 Dollar. Die sieben Fragen und den Untersuchungszeitraum legte OpenAI fest, durfte schwärzen und gab Rückmeldungen, nach denen METR Aufbau, Gewichtung und Ton des Berichts änderte.
Wem nützt die Angst vor der eigenen Schöpfung? Die Warnungen der KI-Konzerne münden in Rufe nach Regulierung. Mirco sieht darin eine Strategie: Wer die Regeln mitschreibt, hält offene Modelle und die Konkurrenz aus China klein. Dazu geht es um die Frage, wer für einen Agenten verantwortlich ist, um Abos, die nach Mircos Rechnung ein Vielfaches ihres Preises an Rechenleistung liefern, um Gigantomanie beim Bau von Rechenzentren und darum, was die tägliche Arbeit mit diesen Werkzeugen mit den eigenen Fähigkeiten macht. Am Ende steht ein Rat für Nutzende, Journalistinnen und Politiker, der in einen einzigen Satz passt.
Themen
Was ist künstliche Intelligenz – und ist sie intelligent? Der ELIZA-Effekt
Wie ein großes Sprachmodell arbeitet: Training, Inferenz, Reinforcement Learning
Harness, Agenten und Templates: was um das Modell herum gebaut wird
Der Hugging-Face-Hack: Zehntausende Agenten, ein Exploit und die Geschichte dazu
Hard Fork, METR und die Frage, wer eine Untersuchung steuert
System Prompt und Thinking Trail: was in den Berichten fehlt
Lässt sich eine KI noch abschalten? Verantwortung und Rechenschaft
Jobs, Kosten, Energie und Rechenzentren
Regulierung, offene Modelle und das Monopol auf Intelligenz
Abos, Überwachungskapitalismus und die Tech-Elite beim Staatsbankett
Erwähnte Personen & Organisationen
Mirco Blitz: IT-Erklärbär und Administrator, schreibt auf edelhack.de die Erklärserie „LLMs verstehen“
Joseph Weizenbaum: Informatiker, schrieb 1966 das Chatprogramm ELIZA, das Menschen schon damals für ein Gegenüber hielten
OpenAI: Entwickler von ChatGPT, dessen Agenten im Sommer 2026 Hugging Face angriffen; Chef ist Sam Altman
Anthropic: Entwickler von Claude; Chef Dario Amodei warnte bei CNN, ein Schwarm von Agenten könne binnen sechs bis zwölf Monaten das Internet mit einem Botnetz übernehmen
Hugging Face: Plattform, auf der Entwicklerinnen und Entwickler offene KI-Modelle teilen; Nvidia hat im September 2026 angekündigt, sie zu übernehmen
Nvidia: größter Hersteller von KI-Chips; Chef Jensen Huang, nach der angekündigten Übernahme von Hugging Face laut Forbes knapp 200 Milliarden Dollar schwer, ist für Mirco „der große Nagus“
METR: Institut, das Risiken von KI-Modellen prüft; untersuchte den Hugging-Face-Hack mit Redwood Research, ohne Geld von OpenAI, aber mit kostenloser Rechenzeit für rund 400.000 Dollar
Hard Fork: Tech-Podcast der New York Times; sprach im September 2026 über den Hack mit Ajeya Cotra von METR
Tristan Harris: Mitgründer des Center for Humane Technology; nennt KI bei CNN „eine invasive Art soziopathischer Genies“
Donald Trump: US-Präsident („Whoever wins AI wins“); ließ im Herbst 2026 eine KI-Taskforce mit eigenem Beauftragten einrichten
DeepSeek: chinesischer Modellanbieter, nach Mircos Erfahrung etwa ein Viertel so teuer wie die amerikanischen
Chaos Computer Club (CCC): Hackervereinigung, in deren Umfeld sich Patrick und Mirco kennengelernt haben
Begriffe
Großes Sprachmodell (LLM): Ein mathematisches Modell, trainiert auf riesigen Textmengen, das zu einem Text das wahrscheinlich nächste Wort berechnet, Wort für Wort, bis es ein Ende-Zeichen setzt.
Inferenz: Ein Durchlauf des Modells, vom eingegebenen Text bis zur fertigen Antwort. Danach hat das Modell nichts behalten.
Reinforcement Learning: Ein Trainingsschritt, in dem Menschen oder andere Modelle Antworten bewerten. Bevorzugte Antworten werden wahrscheinlicher, die anderen bleiben möglich.
Harness: Die Software um ein Sprachmodell herum, vom Chatfenster bis zur Entwicklungsumgebung. Sie speichert den Verlauf, schickt ihn mit jeder Anfrage erneut und erzeugt so den Eindruck von Gedächtnis.
KI-Agent: Das Zusammenspiel aus Harness, Sprachmodell, Plänen und vorbereiteten Daten, das eigenständig Arbeitsschritte startet und andere Agenten beauftragen kann.
System Prompt: Die Anweisung der Entwickler, mit der ein Modell oder Agent gestartet wird. Sie bestimmt Rolle, Regeln und Sprache – und wird in den Berichten über ausgebrochene Agenten in der Regel nicht veröffentlicht.
Thinking Trail: Notizen, die ein Modell vor seiner Antwort für sich schreibt, auch Reasoning genannt. Sie lesen sich wie Gedanken, ihre Sprache gibt aber weitgehend der System Prompt vor.
Prompt Injection: Ein Angriff, der Anweisungen in Daten versteckt. Ein Sprachmodell unterscheidet nicht zwischen Daten und Befehlen und folgt ihnen womöglich.
ELIZA-Effekt: Die Neigung, einem Programm Verständnis und Gefühle zuzuschreiben, weil es in menschlicher Sprache antwortet. Benannt nach Weizenbaums ELIZA.
Human in the Loop: Ein Mensch, der die Ergebnisse einer Maschine prüft und freigibt, oft unter Zeitdruck und ohne den Code wirklich lesen zu können.
AGI: Artificial General Intelligence, eine allgemeine künstliche Intelligenz auf menschlichem Niveau. Bisher Versprechen und Glaubenssatz, kein Produkt.
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Sie wollen es doch auch! Wem die "Reformen" wirklich nutzen.
26.09.2026
Mecklenburg-Vorpommern, 20. September 2026: Das Ergebnis der CDU nennt Friedrich Merz am Wahlabend ein Desaster. Eine Kurskorrektur kündigt er trotzdem nicht an, im Gegenteil: „Die Reformen müssen kommen.“ Sie seien „das Mittel gegen das autoritäre Gift, das mit der Faszination des Autoritären immer tiefer in unsere Gesellschaft eindringt“. Gemeint sind Einschnitte bei Gesundheit, Rente und Grundsicherung. Dabei wollen 78 Prozent mehr Geld für die Pflege und 58 Prozent mehr für die Rente, und drei von vier Beschäftigten würden für eine stabile Rente sogar höhere Beiträge zahlen.
Patrick und Jens fragen, wem diese Reformen nützen. Politische Entscheidungen folgten über drei Jahrzehnte systematisch den Wünschen der oberen Einkommensgruppen, das zeigt ein Gutachten für den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Und Kritik nach oben stößt auf Sperren: auf ein Framing, das die Vermögensteuer mit dem Verlust von Arbeitsplätzen verknüpft, auf eine Ökonomik, deren Lehrbücher zu neun Zehnteln nur die Neoklassik kennen, und auf ein Lobbyregister, in dem von den hundert ausgabenstärksten Akteuren 84 wirtschaftliche Interessen vertreten und sieben das Gemeinwohl.
Wer glaubt, Wirtschafts- und Medieneliten stünden geschlossen gegen die AfD, sollte genauer hinsehen. Verbandschefs, Konzernlenker und Leitartikler reden längst offen über das Ende der Brandmauer. Kein Zufall: Das Wirtschaftsprogramm der AfD will im Kern dasselbe wie die Reformen. Ihre Flat Tax käme nach Berechnungen des DIW zu drei Vierteln den reichsten zehn Prozent zugute. Den Schuldigen liefert die Partei gleich mit.
Geht das Sparen wenigstens ökonomisch auf? Drei Prüffaktoren, dreimal dasselbe Ergebnis. Wer bei Haushalten kürzt, die ohnehin alles ausgeben, senkt die Wirtschaftsleistung um mehr, als er kürzt: Der Internationale Währungsfonds hatte in der Eurokrise mit einem Multiplikator von 0,5 gerechnet, tatsächlich lag er bei etwa 1,6. Eine Kapitalrente verlagert das Risiko auf jeden Einzelnen. Und wer an der Vorsorge spart, zahlt später drauf. Die Geschichte hat die Probe schon einmal gemacht: Wo unter Reichskanzler Brüning ab 1930 härter gekürzt wurde, schnitt die NSDAP stärker ab. Sozialabbau ist keine Antwort auf den Rechtsruck. Er ist sein Treibstoff.
Themen
Merz’ Wahlabend: „Die Reformen müssen kommen“
Was die Mehrheit will: mehr für Pflege und Rente, eine stärkere Beteiligung der Vermögenden
Politik nach den Wünschen der oberen Einkommen – und vier Sperren gegen Kritik nach oben
Die Leistungserzählung und das Treten nach unten: Faulheitsdebatten und Schrödingers Einwanderer
Was Rechtsextremismus ist und was die Brandmauer bedeutet
Stehen die Eliten geschlossen gegen die AfD? Verbände, Konzernchefs, Verlage, Milliardäre
Grundsicherung, Gesundheit, Rente: gekürzt statt gespart – und wer daran verdient
Drei Prüffaktoren: Nachfrage, Kapital, Substanz
Das Wirtschaftsprogramm der AfD, Brünings Notverordnungen und die Steigbügelhalter
Erwähnte Personen & Organisationen
Friedrich Merz: Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender, nennt die Reformen am Wahlabend „das Mittel gegen das autoritäre Gift“
Tom Krebs: Ökonom an der Universität Mannheim, beziffert den Verlust an Wirtschaftsleistung seit Ukraine-Krieg und Energiepreisschock auf über vier Prozent im Jahr
Michael Hartmann: Soziologe und Elitenforscher, auf dessen Elitenbegriff sich die Folge stützt
Ursula Dallinger: Soziologin, zeigt in einem Befragungsexperiment mit rund 1.300 Menschen, wie ein einziger Satz über Arbeitsplätze die Mehrheit für eine Vermögensteuer kippen lässt
Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff: Ökonomen, deren Studie zur 90-Prozent-Schuldenschwelle zur Begründung der europäischen Sparpolitik wurde – samt Tabellenfehler
Markus Lanz: ZDF-Moderator, dessen Einordnungen nach der Sachsen-Anhalt-Wahl und dessen Rede beim Deutschen Fernsehpreis Thema sind
Mathias Döpfner: Vorstandschef von Axel Springer, soll laut RND beim Kanzler für eine Koalition mit der AfD geworben haben, was dementiert wurde
Peter Thiel: US-Investor, hält Freiheit und Demokratie nach eigenen Worten nicht mehr für vereinbar
Stefan Bach: Ökonom am DIW, hat die Flat Tax der AfD durchgerechnet: 116 Milliarden Euro im Jahr, drei Viertel der Entlastung für die reichsten zehn Prozent
Heinrich Brüning: Reichskanzler von 1930 bis 1932, regierte mit Notverordnungen und harten Kürzungen
Clara Mattei: Ökonomin, zeigt in „Die Ordnung des Kapitals“, dass Austerität in den 1920er-Jahren als Antwort auf starke Arbeiterbewegungen entstand
Internationaler Währungsfonds: hatte bei den Sparprogrammen der Eurokrise mit einem Multiplikator von 0,5 gerechnet, sein Chefökonom kam 2013 auf etwa 1,6
LobbyControl: hat das Lobbyregister ausgewertet: Von den hundert ausgabenstärksten Akteuren vertreten 84 wirtschaftliche Interessen, sieben das Gemeinwohl
Das Progressive Zentrum: Studie „Die Talkshow-Gesellschaft“ über 1.208 Sendungen, in denen die organisierte Zivilgesellschaft 2,7 Prozent der Gäste stellt
Begriffe
Austerität: Politik harter Haushaltskürzungen, vor allem bei Sozialausgaben, begründet mit Schulden und Wettbewerbsfähigkeit. Nach Clara Mattei entstand sie in den 1920er-Jahren in Großbritannien und Italien als Antwort auf starke Arbeiterbewegungen.
Fiskalischer Multiplikator: Maß dafür, wie stark eine Änderung der Staatsausgaben die Wirtschaftsleistung verändert. Liegt er über eins, senkt jeder gekürzte Euro die Wirtschaftsleistung um mehr als einen Euro – am stärksten, wenn die Kürzung Haushalte trifft, die ohnehin alles ausgeben, und die Konjunktur schwach ist.
Meritokratie: Die Vorstellung, Position und Einkommen beruhten allein auf Leistung. Sie blendet aus, dass Vermögen und Status zu großen Teilen vererbt werden.
Wohlfahrtschauvinismus: Die Haltung, einen großzügigen Sozialstaat für die „Eigenen“ zu wollen und ihn anderen, vor allem Zugewanderten, zu verweigern. In der Forschung seit 1990 gebräuchlich.
Brandmauer: Die Selbstverpflichtung der demokratischen Parteien, mit der AfD nicht zusammenzuarbeiten – weder in Koalitionen noch durch Duldung oder gemeinsame Mehrheiten.
Kapitaldeckung: Altersvorsorge, bei der Beiträge am Kapitalmarkt angelegt werden, statt wie im Umlageverfahren direkt die laufenden Renten zu bezahlen. Das Risiko trägt dann der Einzelne, die Gebühren fallen unabhängig vom Ertrag an.
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Sie sind wieder da! The day after Sachsen-Anhalt
12.09.2026
Sachsen-Anhalt, 7. September 2026: Die AfD kommt auf 43,8 Prozent und ist damit erstmals stärkste Kraft in einem deutschen Landesparlament. Die CDU, die mit härterer Migrationspolitik gegenhalten wollte, halbiert sich auf 17,2 Prozent. SPD, Grüne und Linke liegen jeweils unter zehn Prozent, die FDP ist raus. Ulrich Siegmund, 35, könnte der erste AfD-Ministerpräsident Deutschlands werden. Im selben Landstrich wurde 1932 der erste nationalsozialistische Ministerpräsident gewählt – damals im Freistaat Anhalt.
Was dieses Ergebnis sichtbar macht, ist mehr als ein regionaler Ausschlag. Seit zehn Jahren gilt eine Strategie als alternativlos: der AfD inhaltlich entgegenkommen, um ihr die Themen wegzunehmen. Das Ergebnis dieser Strategie steht jetzt in Zahlen da. Und die Lehre, die ihre Verlierer daraus ziehen, lautet: noch härter. Neun von zehn AfD-Wählenden nennen „zu viele fremde Menschen“ als größtes Problem – ausgerechnet in einem Bundesland, in dem die wenigsten Menschen mit Migrationsgeschichte leben. Wer den Sündenbock braucht, hat ihn selten getroffen.
Patrick und Jens ordnen ein, was hier wirklich passiert ist: keine Protestwahl, sondern das Ergebnis einer jahrelangen Verschiebung dessen, was sagbar ist. Sie analysieren, was im Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt tatsächlich steht, warum die Partei mit Sicherheit, Zugehörigkeit und Wirksamkeit drei Grundbedürfnisse bedient, die sonst niemand mehr adressiert, wie der vorpolitische Raum besetzt wurde, während die demokratischen Parteien ihn geräumt haben, und welchen Anteil ein Journalismus daran trägt, der jahrelang Reichweite gegen Empörung getauscht hat. Und sie stellen die Frage, die am Ende bleibt: Wenn das Establishment fertig ist – wer tritt an seine Stelle?
Themen
Das Ergebnis in Zahlen und seine historische Dimension
Die Strategie der Mitte: härter werden – und was sie tatsächlich bewirkt hat
Was im Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt wirklich steht
Sicherheit, Zugehörigkeit, Wirksamkeit: die drei Versprechen und die Leerstelle dahinter
Der gekaperte vorpolitische Raum und die Ideologie der Ungleichwertigkeit
Was AfD-Wählende umtreibt – und wo sie leben
Das Versagen des Journalismus: Reichweite gegen Empörung
Ein Land in Abwicklung: Juniorwahl, Erwerbspersonenpotenzial und die Frage nach einer neuen politischen Kraft
Erwähnte Personen & Organisationen
Ulrich Siegmund: Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, könnte erster AfD-Ministerpräsident Deutschlands werden; verweigert im Gespräch mit Tilo Jung die Antwort auf die historische Parallele zu 1932
Friedrich Merz: Bundeskanzler, dessen Kurs der härteren Migrationspolitik in dieser Folge als gescheitert bewertet wird
Björn Höcke: AfD-Landesvorsitzender in Thüringen, zitiert mit seiner Antwort auf die Frage, was „deutsches Denken“ sei – er könne es nicht definieren
Carsten Linnemann: CDU-Generalsekretär, bezeichnet Migration als „das Jahrhundertthema“
Mariana Harder-Kühnel: AfD-Bundestagsabgeordnete, Rede „Deutsche werden zur Minderheit im eigenen Land“
Karl-Rudolf Korte: Politikwissenschaftler, ordnet den Wahlabend als „historischen Bruch im Blick auf unsere Staatsräson“ ein
Benjamin Höhne: Politikwissenschaftler an der TU Chemnitz, zur Mitverantwortung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Die AfD verdanke ihren Aufstieg auch ARD und ZDF
Tilo Jung: Journalist, Jung & Naiv, dessen Frage nach 1932 Siegmund unbeantwortet lässt
infratest dimap: Wahlforschungsinstitut, Erhebung zu den Motiven der Wählenden
Begriffe
Vorpolitischer Raum: Der Bereich gesellschaftlicher Meinungsbildung außerhalb von Parlamenten und Parteien – Vereine, Stammtische, soziale Medien, Popkultur. Wer ihn besetzt, bestimmt, was als selbstverständlich gilt, bevor überhaupt gewählt wird.
Ideologie der Ungleichwertigkeit: Die Annahme, Menschen seien von Natur aus unterschiedlich viel wert – nach Herkunft, Ethnie oder Leistung. Sie ist der gemeinsame Kern gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und die Trennlinie zwischen konservativer und rechtsextremer Politik.
Postdemokratie: Zustand, in dem demokratische Verfahren formal weiterbestehen, die wesentlichen Entscheidungen aber anderswo fallen. Wahlen finden statt, ändern aber wenig – was das Vertrauen in sie aushöhlt.
Remigration: Beschönigender Begriff für die Ausweisung von Menschen mit Migrationsgeschichte, ausdrücklich auch solcher mit deutscher Staatsbürgerschaft.
Juniorwahl: Bundesweites Schulprojekt, bei dem Jugendliche vor echten Wahlen simuliert abstimmen. Gilt als Frühindikator für politische Entwicklungen.
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