
Feministische Bibelgespräche
Evangelische Akademie zu Berlin
Beschreibung
Ulrike Metternich und Luzia Sutter Rehmann engagieren sich als Bibelwissenschaftlerinnen seit rund 30 Jahren für eine feministische Theologie. Ulrike Metternich leitete als Projektstudienleiterin an der Evangelischen Akademie zu Berlin 16 Jahre lang die Feministische befreiungstheologische Sommerakademie. Luzia Sutter Rehmann ist Professorin für Neues Testament an der Universität Basel, hat mehrere Bücher veröffentlicht und für die Bibel in gerechter Sprache das Lukas-Evangelium neu übersetzt.
www.eaberlin.de/feministische-bibelgespraeche
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Paulus lesen im Schatten des Imperiums
Einführung und Einladung
Ulrike Metternich und Lucia Suter-Rehmann begrüßen die Zuhörer zu einem Gespräch über feministische Bibelperspektiven, unterstützt von der Gastrednerin Brigitte Kahl, einer erfahrenen Theologin mit einem Fokus auf das Neue Testament.
Brigitte Kahls Werdegang
Brigitte Kahl erklärt ihren akademischen Werdegang, der sie von der DDR über Deutschland in die USA führte. Sie reflektiert ihre Erfahrungen im Pergamon-Museum und wie diese ihre Perspektive auf biblische Texte, insbesondere den Galaterbrief, beeinflussten.
Die römische Weltordnung und die binäre Struktur
Kahl beschreibt die römische Weltordnung als eine strenge binäre Struktur, die Menschen in Über- und Unterordnungen einteilt. Diese binäre Sichtweise wird als entscheidend für die Machtstrukturen der Antike angesehen.
Imperiumskritische Theologie
Das Gespräch zielt darauf ab, eine imperiumskritische Theologie zu entwickeln, die es ermöglicht, biblische Texte mit den Augen der Unterdrückten zu lesen. Kahl betont die Notwendigkeit, die Gegensätze nicht zu negieren, sondern anders damit umzugehen.
Paulus' Perspektive im Galaterbrief
Besonders wird die Passage aus Galater 3, 28 hervorgehoben, in der Paulus die Unterschiede zwischen Menschen aufhebt. Kahl interpretiert dies als einen Aufruf zur Solidarität, die auf Akzeptanz der Unterschiedlichkeit basiert.
Die Herausforderung der Freiheit
Die Diskussion betont, dass Freiheit nicht zur Selbstsucht führen sollte, sondern zu einem Dienen in Liebe. Kahl erläutert, wie Paulus das Konzept der Sklavendienste umkehrt, um die bestehende Ordnung zu unterwandern und eine neue Form von Gemeinschaft zu schaffen.
Paulus' Offenbarung und revolutionäres Denken
Kahl erklärt, wie Paulus durch seine Offenbarung am Damaskusweg eine neue Sicht auf die Welt entwickelte, die die Machtstrukturen der Zeit herausfordert. Diese Offenbarung führt zu einer Theologie, die sich nicht nur auf die Tora, sondern auch auf die Befreiung von Herrschaftssystemen konzentriert.
Schlussfolgerungen und Ausblick
Das Gespräch schließt mit der Aufforderung, die Lehren des Galaterbriefs und die Botschaft der Liebe und Solidarität in der heutigen Zeit zu reflektieren und anzuwenden, um gegen die Polarisierung der Gesellschaft anzugehen.

Jesu wahre Verwandte?
Historischer Kontext und methodische Herangehensweise
Die Diskussion verbindet Übersetzungsgenauigkeit mit befreiungstheologischen Blicken. Wort-für-Wort-Analysen sollen alternative Bedeutungen eröffnen, um herrschende Deutungen zu hinterfragen. Sobald Wörter anders gelesen werden, verändern sich Bilder und Interpretationen des Textes. Das Ziel ist, politische Unterdrückung und soziale Ungleichheit in den biblischen Texten sichtbar zu machen, ohne normative Empfehlungen zu liefern.
Die Szene aus Markus 3 neu lesen
Im Zentrum steht die Mutter Jesu und die Geschwister, die lautlos außerhalb stehen. Eine Übersetzung, die sie als «Angehörige» bezeichnet, wird kritisch zurückgewiesen; stattdessen geht es um eine unbestimmte Gruppe um Jesus herum. Durch befreitheologische Lesart wird die Handlung als Reaktion auf Unterdrückung durch politische Mächte verstanden.
Bedrohung durch Mächte und Bedeutung der Hungrigen
Der Text zeigt, wie Mächtige die Armen notieren und bekämpfen. Jesus wendet sich den Hungernden zu, was von den Herrschenden mit Unverstand oder Verrücktheit beantwortet wird. Die Verhaftung erfolgt mit Gewalt, und die Umwelt – besonders die Hungrigen – gerät damit in Gefahr. Die Szene verknüpft soziale Not mit politischer Verfolgung.
Mutterrolle, Gemeinschaft und neue Perspektiven der Szene
Die Mutter und Geschwister erscheinen, um Jesus zu unterstützen. Ihre Initiative wird als verantwortungsbewusste Fürsorge gelesen, nicht als familiärer Konflikt. Jesus hebt schließlich diejenigen hervor, die draußen stehen und drinnen helfen, und definiert eine breitere Gemeinschaft als Verwandtschaft von jenen, die Gottes Willen tun. Daraus erwächst eine betonte Solidarität jenseits enger Blutsverbindungen.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“
Aramäische Worte und die Perspektiven der Kreuzigung
Die drei Sprecherinnen untersuchen die Endzeit-Szene der Kreuzigung: Jesus spricht aramisch, als Muttersprache der Jüdinnen und Juden der Zeit. Die römischen Soldaten verstehen die Worte nicht und assoziieren versehentlich Elias. Die jüdische Sicht hingegen erkennt, dass Jesus einen Psalm betet. Diese Mehrdeutigkeit eröffnet eine andere Lesart: Der Moment ist tief in der hebräischen Frömmigkeit verwurzelt.
Psalm 22 als literarische Brücke zur Kreuzigung
Der Psalm dient als sprachliche Brücke, um das Unfassbare zu beschreiben. Die Redewendungen aus Psalm 22 tauchen in den Kreuzigungserzählungen auf, etwa beim Versagen der Kleidung oder dem Spott. Die Worte zeigen, wie die Evangelien literarisch auf eine vielschichtige Weise vom Dunkel ins Licht führen und die Greifbarkeit des Grauens übersteigen.
Frauenfiguren als Rahmung der Narrative
Zwischen den Jüngerinnen und den Frauen am Grab wird die Kreuzigung erzählerisch eingefasst. Die Hindin der Morgenröte verweist auf den Morgen und auf weibliche Zeuginnen, die die Szene begleiten. Midraschische Bezüge, wie Esther, verdeutlichen, dass Worte und Bilder aus Psalm 22 auch in weitergehenden Legenden und historischen Kontexten nachwirken.
Vom Dunkel ins Licht: Abschlussbilder und weiterführende Bilder
Der Diskurs endet mit der Betonung, dass der Psalm 22 in eine Zukunft führt, in der Gerechtigkeit und Frieden sichtbar werden. Direkt daran anschließt Psalm 23, der von Fürsorge und Wiedergewinnung der Lebensfreude handelt. Die Botschaft bleibt: Das Beten hält fest und öffnet den Blick für eine neue Morgenstunde, in der Hoffnung bleibt.