
Die Literaturermittlerinnen
Jelena Volić-Hellbusch & Linn Leißner
Beschreibung
Von James Joyce über Else Lasker-Schüler bis Anton Tschechow – wir tauchen tief in die Lebensgeschichte und Werke bedeutender Schriftstellerinnen und Schriftsteller ein. Und vielleicht erwischt ihr euch danach dabei, wie ihr in eurem Bücherregal stöbert, den Staub von einem lange vergessenen Klassiker pustet – oder euch direkt auf den Weg in die nächste Buchhandlung macht.
Weitere Infos und Bildmaterial zu den Autorinnen und Autoren und ihren Werken findet ihr auf unserem Instagram-Kanal: @lit.ermittlerinnen
Podmon Kategorien
Upgrade dein Konto, um kontextuelle Kategorien zu sehen!
Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

"Folgt also immerhin Eurer Lust" - Auf den Spuren der Literatur des Begehrens | Teil 2
Einführung in die Erotik der Literatur
Die Episode behandelt das Thema Erotik, körperliches Begehren und Liebe in der Literatur, beginnend mit einem Auszug aus Boccaccios 'Decamerone', der die leidenschaftliche Beziehung zwischen Rinaldo und einer jungen Witwe beschreibt. Die Diskussion entfaltet sich in den Kontext mittelalterlicher und renaissancezeitlicher Literatur, wobei die Sprecherinnen Lynn Leisner und Jelena Wohlic verschiedene Meisterwerke und deren Behandlung von Erotik beleuchten.
Entwicklung von Erotik im Mittelalter
Im Mittelalter war der Blick auf Sexualität stark durch christliche Werte geprägt. Erotik wurde oft als Sünde betrachtet, und Frauen wurden in ihrer Sexualität stark eingeschränkt. Die Dichotomie zwischen der sündigen Eva und der reinen Jungfrau Maria prägte das Frauenbild und führte zu einem Spannungsfeld zwischen Sexualität und gesellschaftlichen Normen.
Einfluss von Dante und Boccaccio
Dante wird als Übergangsfigur zwischen Mittelalter und Renaissance betrachtet, dessen 'Göttliche Komödie' ein komplexes Bild von Liebe und Begehren zeichnet, während Boccaccio mit dem 'Decamerone' eine freizügigere und humorvolle Darstellung von Erotik bietet. Seine Frauenfiguren sind stark und selbstbestimmt, was einen Kontrast zu den damaligen gesellschaftlichen Normen darstellt.
Rabelais und die Körperlichkeit
François Rabelais wird als Meister der grotesken und körperlichen Literatur vorgestellt. In 'Gargantua und Pantagruel' feiert er die Körperlichkeit und das Lachen, was als radikal und befreiend angesehen wird. Rabelais' Werke fordern bestehende Normen heraus und zeigen, dass Erotik und körperliches Begehren integrale Bestandteile des menschlichen Lebens sind.
Schlussfolgerung
Die Episode schließt mit der Feststellung, dass die Darstellung von Erotik in der Literatur sich über die Jahrhunderte gewandelt hat und dass die Auseinandersetzung mit diesen Themen in der heutigen Zeit weiterhin relevant bleibt. Die Sprecherinnen planen, in zukünftigen Episoden weitere Werke und Epochen zu erkunden, um die Entwicklung der Erotik in der Literatur weiter zu beleuchten.

"Sie öffnete ihr Gewand" - Auf den Spuren der Literatur des Begehrens | Teil 1
Einführung in das Thema Erotik in der Literatur
Der Podcast betrachtet körperliche Liebe, Begehren, Lust und Erotik als zentralen Bestandteil literarischer Tradition. Von antiken Texten bis zur Renaissance wird untersucht, wie Beschreibungen von Liebe und Sexualität literarisch gestaltet wurden, welche Perspektiven Frauen und Männer einnehmen und wie Tabus, Moralvorstellungen und gesellschaftliche Rollen die Darstellung beeinflussen.
Gilgamesch, Antike und Platonische Modelle der Liebe
Im Gilgamesch-Epos wird Liebe als Freundschaft und Weg zur Menschwerdung erzählt, während Gottermythen Sinn und Grenzen von Begierde markieren. In der Antike verschmelzen Eros, Filia und Agape mit Mythen, Tragödien und philosophischen Debatten; Dialoge von Sokrates und Diotima in Platon zeigen Liebe als Medium der Erkenntnis und als Quelle menschlicher Entwicklung.
Ovid, Ars Amatoria und die Perspektiven der Geschlechter
Ovids Kunst des Liebens fungiert als pragmatisches Handbuch zu Anziehung, Liebe und Partnerschaft. Konkrete Ratschläge zu Hygieneregeln, Perzeption von Schönheit, Liebeskunst und Dauerbeziehung spiegeln eine komplexe Gleichberechtigung wider, in der auch die Perspektive der Frau Beachtung findet. Gleichzeitig werden Macht, Eifersucht und Spielregeln der Gesellschaft kritisch reflektiert.
Hohes Lied, tausendunde Nacht und die Fortsetzung der Reise
Das Hohe Lied zeigt sinnliche Poesie als Dialog zweier Liebender mit intensiven Sinnesbildern. Spätere Werke aus Mittelalter und Renaissance, dazu Geschichten aus Tausendunde Nacht, erweitern die Felder erotischer Darstellung und beleuchten Vielfalt von Beziehungen, Rollen und kulturellen Kontexten. Die Präsentation zielt darauf, die Kontinuität erotischer Motive über Epochen hinweg sichtbar zu machen.

Don Quijote - Auf den Spuren von Miguel de Cervantes
Don Quixote und die Windmühlen – Wahrnehmung vs. Realität
In einer bekannten Szene hält Don Quixote Windmühlen für Riesen und plant eine Schlacht, während Sancho Panza versucht, ihn zu warnen. Quixote glaubt an eine gerechte, gottgefällige Tat und setzt Rosinante trotz Warnungen in Bewegung. Der Kampf endet mit einer Verwundung und einem Sturz, während Sancho die Situation als deutliche Illusion erkennt. Der Dialog beleuchtet Idealismus versus Realität und Loyalität zum Ritter.
Zweimalige Lebenswermutung Cervantes
Zwei prägende Erlebnisse formen Cervantes‘ Leben: die Schlacht von Lepanto, in der er drei Schusswunden erleidet und den Beinamen El Manco de Lepanto trägt, sowie seine Gefangenschaft als Sklave in Algier, die ihn jahrelang festhält. Beide Erfahrungen prägen seinen Blick auf Mut, Leidenschaften und das harte Schicksal von Realisten und Träumern gleichermaßen.
Der moderne Roman: Form, Stimme und Selbstreflexion
Der erste Don Quixote gilt als Wegbereiter des modernen Romans: Er mischt Ritterromane, Schelmenliteratur und Erzählformen, erzeugt polyphone Stimmen und eröffnet einen dialogischen Text, der Leserinnen und Leser in die Debatte einbindet. Der zweite Teil führt Metaebenen ein: Autorenschaft, Inszenierung und die Begegnung mit Figuren, die sich über ihre literarische Existenz beklagen.
Wirkung, Rezeption und Erbe
Das Werk beeinflusst zahlreiche Schriftstellerinnen und Schriftsteller, wird als Meisterwerk der Weltliteratur gefeiert und prägt das Verständnis von Humor, Antikriegslust und humanistischen Werten. Übersetzungen, Editionen und Essays tragen zur globalen Rezeption bei, während die Figuren Don Quixote und Sancho Panza als Synonyme moderner Erzählkunst gelten und die Beziehung zwischen Text, Autor und Leser neu verhandeln.