
Innsbrucker Gender Lectures
Julia Tschuggnall
Beschreibung
Die Innsbrucker Gender Lectures nehmen brisante und hochaktuelle Themen der Gender Studies in den Blick – und sind offen für alle, die sich für gesellschaftliche Fragen und geschlechterkritische Perspektiven interessieren. Diese Veranstaltungsreihe an der Universität Innsbruck bringt Expert*innen aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen, um gemeinsam nachzudenken und zu diskutieren.
Die Innsbrucker Gender Lectures sind mehr als nur eine Vortragsreihe – sie sind ein Forum für Dialog und Inspiration. Sei dabei und lass dich von neuen Perspektiven begeistern!
Organisiert und veranstaltet vom Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck der Universität Innsbruck.
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Birgit Sauer: „Geschlechter- und Sexualitätsprojekte der autoritären Rechten als Treiber von Faschisierung“
Einführung in die Innsbrucker Gender Lectures
Die Innsbrucker Gender Lectures sind eine Reihe von Veranstaltungen des Center für Interdisziplinäre Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck, die sich mit theoretischen Grundlagen und aktuellen Themen der Geschlechterforschung beschäftigen.
Vortrag von Birgit Sauer
Die 90. Innsbrucker Gender Lecture wird von Birgit Sauer gehalten, einer prominenten Vertreterin der feministischen Politikwissenschaft, die sich auf Geschlechterpolitiken und deren Einfluss auf rechtsautoritäre Politiken spezialisiert hat.
Thema der Lecture: Autoritäre Rechte und Geschlechtspolitiken
Sauer diskutiert die Wahlgewinne und das Erstarken autoritärer Parteien in Deutschland und Österreich, sowie deren Mobilisierungsstrategien, die sich auf kulturelle Themen konzentrieren. Sie argumentiert, dass diese Parteien die Widersprüche des Neoliberalismus für ihre Zwecke nutzen und Geschlechter- sowie Sexualitätspolitiken als zentrale Elemente ihrer Strategie betrachten.
Widersprüche des Neoliberalismus
Die letzten 30 Jahre waren geprägt von der Prekarisierung der Arbeit und einer zunehmenden Ungleichheit, die von autoritären Rechten als Bedrohung inszeniert wird. Diese Narrativen richten sich gegen politische Eliten, Medien und marginalisierte Gruppen und fördern ein Gefühl der Opferhaltung unter den Wählern.
Maskulinistische Identitätspolitik
Die autoritäre Rechte verspricht eine Rückkehr zu traditionellen Geschlechterrollen und eine Wiederherstellung von Männlichkeit, die als bedroht wahrgenommen wird. Diese Politik stützt sich auf Ressentiments und die Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls unter den Wählern.
Faschisierung und Entdemokratisierung
Sauer warnt davor, dass die Strategien der autoritären Rechten zur Entdemokratisierung führen und das demokratische Handeln der Bürger untergraben. Sie fordert ein kritisches Bewusstsein und Engagement gegenüber diesen Entwicklungen.
Kommentar von Heike Krösche
Heike Krösche ergänzt die Diskussion mit dem Fokus auf die Rolle der politischen Bildung. Sie betont die Notwendigkeit, Lernende zur kritischen Urteilsbildung zu befähigen und sich gegen den Fatalismus zu stemmen, der in der aktuellen politischen Landschaft vorherrscht.

Simon Strick: „Begriffs- und andere Schäden: Vorschläge zur Faschisierung“
Einführung in die Innsbrucker Gender Lectures
Die Innsbrucker Gender Lectures sind eine Veranstaltungsreihe des Center für Interdisziplinäre Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck. Sie bieten einen Raum für den Austausch über Geschlechterforschung und aktuelle gesellschaftspolitische Themen.
Vortrag von Simon Strick
Simon Strick spricht über "Begriffs- und andere Schäden: Vorschläge zur Faschisierung". Er analysiert, ob aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen eine neue Form des Faschismus darstellen oder ob es sich um eine Faschisierung von Politik und Alltag handelt. Dabei wird die Rolle von Geschlechter- und Sexualpolitiken in diesen Transformationsprozessen untersucht.
Die Kontinuität der Faschisierung
Strick betont die Schwierigkeit, von extremistischen Tendenzen zu sprechen, wenn transfeindliche Meinungen in der Gesellschaft weit verbreitet sind. Er argumentiert, dass solche Aussagen nicht als Extremismus, sondern als Teil der Mehrheitskultur zu betrachten sind.
Begriffliche Herausforderungen
Strick diskutiert die Herausforderungen der Begriffsverwendung in der gegenwärtigen politischen Landschaft. Er kritisiert, dass Begriffe wie "demokratischer Faschismus" ihre Unterscheidungskraft verlieren und schlägt vor, den Begriff "Faschisierung" zu verwenden, um den kontinuierlichen Prozess zu beschreiben, der die Gesellschaft nach rechts verschiebt.
Digitale Medien und Faschisierung
Ein zentraler Punkt in Stricks Vortrag ist die Rolle digitaler Kulturen und Memes in der Faschisierung. Diese digitalen Formen der Kommunikation tragen zur Normalisierung von reaktionären und faschistischen Narrativen bei, was die politische Landschaft nachhaltig beeinflusst.
Kommentar von Mareike Gebhardt
Mareike Gebhardt ergänzt Stricks Vortrag mit einer Analyse der Merkmale des Urfaschismus nach Umberto Eco. Sie diskutiert, wie diese Merkmale in der gegenwärtigen politischen Situation wieder auftauchen und plädiert für eine tiefere Auseinandersetzung mit den gespenstischen Elementen des Faschismus in modernen Demokratien.

María do Mar Castro Varela: „Planetarische Utopien. Feministisch-postkoloniale Überlegungen“
Einführung in die Innsbrucker Gender Lectures
Die Innsbrucker Gender Lectures sind eine Veranstaltungsreihe des Centers für Interdisziplinäre Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck. Diese Reihe bietet eine Plattform, um theoretische Grundlagen der Geschlechterforschung und relevante Themen aus einer geschlechterkritischen Perspektive zu diskutieren.
Vortrag über planetarische Utopien
Der Vortrag von María do Mar Castro Varela fokussiert sich auf die Idee der planetarischen Utopien, welche von Gayatri Spivak geprägt wurde. Spivak argumentiert, dass die Geisteswissenschaften entscheidend sind, um soziale Gerechtigkeit zu fördern und die Perspektiven auf den Planeten zu erweitern. Utopien sollten nicht nur als unerreichbare Träume betrachtet werden, sondern als kritische Werkzeuge, die uns helfen, gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen zu analysieren und zu hinterfragen.
Kritik an der kolonialen Vergangenheit
Im Vortrag wird betont, dass Utopien oft von kolonialen und patriarchalen Strukturen beeinflusst sind. Castro Varela diskutiert, wie feministische und postkoloniale Theorien notwendig sind, um Utopien kritisch zu hinterfragen und die Stimmen marginalisierter Gruppen zu integrieren. Diese Theorien ermöglichen es, eine neue, inklusive Sichtweise auf die Welt zu entwickeln.
Die Rolle von Ethik und Kritik
Ein zentrales Thema des Vortrags ist die Verbindung zwischen Utopie, Ethik und Kritik. Castro Varela argumentiert, dass ethisches Handeln und das Streben nach Utopien Hand in Hand gehen müssen, um eine gerechtere Zukunft zu gestalten. Der kritische Umgang mit bestehenden Strukturen ist notwendig, um totalitäre Tendenzen zu vermeiden und eine inklusive Gesellschaft zu fördern.
Zusammenfassung und Ausblick
Abschließend wird die Bedeutung der planetarischen Utopien hervorgehoben, die nicht als Flucht aus der Realität, sondern als Möglichkeit zur Transformation der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse gesehen werden. Der Vortrag regt dazu an, über alternative Zukünfte nachzudenken und die Verantwortung für den Planeten ernst zu nehmen.