Podcast
de

Kultur denken

Julia Grillmayr, Hanna Ronzheimer, Signation: Sebastian Klingovsky Produktion: Martin Gasteiner…

Beschreibung

KULTUR DENKEN: Der Podcast des ifk. Die Befragung von Kultur, von Raymond Williams als »ganze Lebensweise« definiert, verzahnt Kulturwissenschaft mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen. Das wissenschaftliche Arbeiten – theoretisch, empirisch, historisch, kunstbezogen – wird damit zu einer Praxis mit akademischen und außerakademischen Schauplätzen. Der Podcast nimmt beide Wirkungssphären ernst, indem er sowohl ihre Arbeitsweisen als auch die Rolle von Kulturwissenschaft in der Öffentlichkeit thematisiert. »Kultur denken«, der Podcast des ifk, entsteht in Zusammenarbeit mit Radiomacher*innen und Wissenschaftskommunikator*innen. Angelehnt an die Themen der ifk-Tagungen, präsentiert jede Staffel mehrere Episoden zu einer Fragestellung. Die erste Season von Julia Grillmayr und Hanna Ronzheimer, beleuchtet in 25-minütigen Features kulturwissenschaftliche Themen, Ideen und Diskussionen. Die Sendungen zielen darauf ab, kulturelles Wissen für Interessierte zu erschließen und so einen lebendigen Austausch zu fördern.

Podmon Kategorien

Darüber wird in diesem Podcast anteilig gesprochen.
Anzahl Kategorien

Upgrade dein Konto, um kontextuelle Kategorien zu sehen!

Top werbetreibende Marken in diesem Podcast (90d)

Upgrade dein Konto, um die Top werbetreibenden Marken zu sehen!

Veröffentlichungshistorie

Episodenübersicht

»Kultur denken. Season 8 Episode 2: OLFAC with Brandon Woolf

19.05.2026

Brandon Wolff, Geruch als soziale Praxis

Der Vortrag untersucht, wie Geruch, speziell Knoblauch, als Ausgangspunkt sozialer Wahrnehmung fungiert. Durch performative Aktionen wird der Geruch direkt im Raum geteilt, um Aufmerksamkeit auf messbare Reaktionen zu lenken. Dabei geht es um Verstrickungen von Sinneseindrücken, Identität und Macht, die entstehen, wenn Geruch als Mittel der Zugehörigkeit oder Ausgrenzung genutzt wird.

Historische und kulturelle Muster der Geruch-Othering

Es wird aufgezeigt, wie Geruch historisch als Marker von Fremdheit genutzt wurde, etwa im antisemitischen Bild des jüdischen Knoblauchs. Unterschiedliche Kontexte weltweit zeigen ähnliche Mechanismen: Geruch wird zum Vehikel, um Gruppen zu stigmatisieren oder zu integrieren. Aus der Analyse erwächst ein Blick darauf, wie Geruchseigenschaften politisch instrumentalisiert werden und welche Narrative dadurch entstehen.

Künstlerische Praxis, Ethik und Zukunftsbilder

Die künstlerische Arbeit forscht an Methoden, Geruch und Geschmack in Theaterkontexten nutzbar zu machen. Unter anderem werden Guerilla-Garten-Aktionen, Gespräche mit Wissenschaftlern und Workshops beschrieben, die zu einer veränderten Wahrnehmung von Raum, Gemeinschaft und Natur führen sollen. Dabei wird auch die Frage nach der Verantwortung gegenüber Gesetzen, Nachbarn und beteiligten Menschen thematisiert.

Brandon Wolff, Geruch als soziale Praxis

Der Vortrag untersucht, wie Geruch, speziell Knoblauch, als Ausgangspunkt sozialer Wahrnehmung fungiert. Durch performative Aktionen wird der Geruch direkt im Raum geteilt, um Aufmerksamkeit auf messbare Reaktionen zu lenken. Dabei geht es um Verstrickungen von Sinneseindrücken, Identität und Macht, die entstehen, wenn Geruch als Mittel der Zugehörigkeit oder Ausgrenzung genutzt wird.

Historische und kulturelle Muster der Geruch-Othering

Es wird aufgezeigt, wie Geruch historisch als Marker von Fremdheit genutzt wurde, etwa im antisemitischen Bild des jüdischen Knoblauchs. Unterschiedliche Kontexte weltweit zeigen ähnliche Mechanismen: Geruch wird zum Vehikel, um Gruppen zu stigmatisieren oder zu integrieren. Aus der Analyse erwächst ein Blick darauf, wie Geruchseigenschaften politisch instrumentalisiert werden und welche Narrative dadurch entstehen.

Künstlerische Praxis, Ethik und Zukunftsbilder

Die künstlerische Arbeit forscht an Methoden, Geruch und Geschmack in Theaterkontexten nutzbar zu machen. Unter anderem werden Guerilla-Garten-Aktionen, Gespräche mit Wissenschaftlern und Workshops beschrieben, die zu einer veränderten Wahrnehmung von Raum, Gemeinschaft und Natur führen sollen. Dabei wird auch die Frage nach der Verantwortung gegenüber Gesetzen, Nachbarn und beteiligten Menschen thematisiert.

»Kultur denken. Season 8 Episode 3: OLFAC with Hsuan L. Hsu

19.05.2026

Olfaktorische Kolonialisierung und past conditional

Der Gesprächspartner erläutert das Konzept der olfaktorischen Kolonialisierung, bei der Geruchslandschaften durch Kolonialprojekte kontrolliert und abgewertet werden. Deodorisierung dient als Ideologie, während industrielle, kriegerische oder landwirtschaftliche Veränderungen Geruchsgefüge neu formen. Diese Prozesse schwächen indigene Olfakt-Wenn-Bezüge und ermöglichen eine Neubildung von Land, Luft und Sozialräumen bei gleichzeitiger Verschleierung von Gewalt gegen Sinneswelten.

Past conditional als methodischer Zugriff

In der Vortragsidee wird Geruch im Modus des Past Conditional gedacht: Vergangenheit als offenes Feld, das multiple Möglichkeitsformen zulässt. Anstatt historische Gerüche zu rekonstruieren, wird die Archivebene als unvollständig gesehen. So lässt sich Geschichte spekulativ denken, mit Texten und Kunst als Hilfsmitteln, um alternative Zukünfte zu imaginieren und Herangehensweisen jenseits harter Beweise zu berücksichtigen.

Beispiel: Song of Solomon und die Rolle des Geruchs

Im Blickfeld steht Toni Morrison, deren Roman Geruch als Medium der Erinnerung und Fürsorge betont. Der Duft von Ingwer, Zucker und Gewürzen verweist auf Verwobenheit von Sklaverei, Diaspora und weiblicher Fürsorge. Weibliche Figuren prägen das Geruchsleben der Umwelt, während Fluchtmetaphern durch sinnliche Wahrnehmung ersetzt werden. Geruch fungiert als Gegenmodell zum Flug und als Quelle kollektiver Identität.

Swamp Fat, Interspezies-Beziehungen und koloniale Wahrnehmung

Candace Lin untersucht in Swamp Fat Verflechtungen von asiatischer Diaspora, schwarzer Arbeitskraft und nichtmenschlicher Lebewesen in Louisiana. Dufte Exponate, Schlachtabfälle und Balms fordern Besucher auf, Berührung und Nähe zu Gerüchen zu verhandeln. Dadurch werden historische Ausgrenzung, Arbeitsrealität und interspezifische Intimität sichtbar, ohne sie zu romantisieren, und werfen Fragen nach Solidarität und kollektiver Erinnerung auf.

Olfaktorische Kolonialisierung und past conditional

Der Gesprächspartner erläutert das Konzept der olfaktorischen Kolonialisierung, bei der Geruchslandschaften durch Kolonialprojekte kontrolliert und abgewertet werden. Deodorisierung dient als Ideologie, während industrielle, kriegerische oder landwirtschaftliche Veränderungen Geruchsgefüge neu formen. Diese Prozesse schwächen indigene Olfakt-Wenn-Bezüge und ermöglichen eine Neubildung von Land, Luft und Sozialräumen bei gleichzeitiger Verschleierung von Gewalt gegen Sinneswelten.

Past conditional als methodischer Zugriff

In der Vortragsidee wird Geruch im Modus des Past Conditional gedacht: Vergangenheit als offenes Feld, das multiple Möglichkeitsformen zulässt. Anstatt historische Gerüche zu rekonstruieren, wird die Archivebene als unvollständig gesehen. So lässt sich Geschichte spekulativ denken, mit Texten und Kunst als Hilfsmitteln, um alternative Zukünfte zu imaginieren und Herangehensweisen jenseits harter Beweise zu berücksichtigen.

Beispiel: Song of Solomon und die Rolle des Geruchs

Im Blickfeld steht Toni Morrison, deren Roman Geruch als Medium der Erinnerung und Fürsorge betont. Der Duft von Ingwer, Zucker und Gewürzen verweist auf Verwobenheit von Sklaverei, Diaspora und weiblicher Fürsorge. Weibliche Figuren prägen das Geruchsleben der Umwelt, während Fluchtmetaphern durch sinnliche Wahrnehmung ersetzt werden. Geruch fungiert als Gegenmodell zum Flug und als Quelle kollektiver Identität.

Swamp Fat, Interspezies-Beziehungen und koloniale Wahrnehmung

Candace Lin untersucht in Swamp Fat Verflechtungen von asiatischer Diaspora, schwarzer Arbeitskraft und nichtmenschlicher Lebewesen in Louisiana. Dufte Exponate, Schlachtabfälle und Balms fordern Besucher auf, Berührung und Nähe zu Gerüchen zu verhandeln. Dadurch werden historische Ausgrenzung, Arbeitsrealität und interspezifische Intimität sichtbar, ohne sie zu romantisieren, und werfen Fragen nach Solidarität und kollektiver Erinnerung auf.

»Kultur denken. Season 8 Episode 4: OLFAC with Gwenn-Aël Lynn and Dorothee King

19.05.2026

Gwen Erlin: Konting Space und sensorische Kritik

Gwen Erlin thematisiert in seinem Forschungsprojekt Contested Space die kolonialen Dynamiken der Raumfahrt und die Umweltbelastung durch SpaceX in Süd-Texas. Aus activistischer Perspektive wird die Ausdehnung von Raumfahrtinfrastruktur als Fortsetzung kolonialer Logik gesehen. Sensorische Perspektiven – Gerüche, Klänge und visuelle Eindrücke – dienen als Mittel, um Aufmerksamkeit zu schaffen und den Blick auf lokale Umweltbelastungen zu lenken.

Dekolonisierung des Weltraums durch bodennahe Perspektiven

Gwen argumentiert, dass sensorische Vielfalt und das Achten auf Geruchs- und Klangwelten helfen, Raumfahrt zu hinterfragen. Durch das Bewahren von Wahrnehmung jenseits des bloßen Visuellen solle space decolonization dort beginnen, wo Landnutzung, Umweltgerechtigkeit und die Lebenswelt der Anrainerinnen und Anrainer berührt werden.

Dorothy King: Is There Empathy Through Breathing?

Dorothy King verbindet Geruchswahrnehmung mit Emotionen und untersucht, wie Olfaktorik Zugehörigkeit, Identität und Exklusion in der Schweizer Gesellschaft spiegelt. Sie zeigt, wie Sprache, Proben und Medienbilder Identitätsbilder formen und welche Rolle Gerüche in der Kommunikation von Inklusion oder Ausgrenzung spielen.

Verbindungen zwischen Olfaktorik, Kunst und Gesellschaft

Die Gespräche verknüpfen Kunst, Forschung und politische Frage: Wie kann olfaktorische Kunst als Form des Widerstands fungieren und Empathie fördern? Diskutiert werden Möglichkeiten, durch multisensorische Zugänge Wahrnehmung zu diversifizieren, gesellschaftliche Grenzziehungen zu hinterfragen und ökologische wie soziale Gerechtigkeit zu unterstützen.

Gwen Erlin: Konting Space und sensorische Kritik

Gwen Erlin thematisiert in seinem Forschungsprojekt Contested Space die kolonialen Dynamiken der Raumfahrt und die Umweltbelastung durch SpaceX in Süd-Texas. Aus activistischer Perspektive wird die Ausdehnung von Raumfahrtinfrastruktur als Fortsetzung kolonialer Logik gesehen. Sensorische Perspektiven – Gerüche, Klänge und visuelle Eindrücke – dienen als Mittel, um Aufmerksamkeit zu schaffen und den Blick auf lokale Umweltbelastungen zu lenken.

Dekolonisierung des Weltraums durch bodennahe Perspektiven

Gwen argumentiert, dass sensorische Vielfalt und das Achten auf Geruchs- und Klangwelten helfen, Raumfahrt zu hinterfragen. Durch das Bewahren von Wahrnehmung jenseits des bloßen Visuellen solle space decolonization dort beginnen, wo Landnutzung, Umweltgerechtigkeit und die Lebenswelt der Anrainerinnen und Anrainer berührt werden.

Dorothy King: Is There Empathy Through Breathing?

Dorothy King verbindet Geruchswahrnehmung mit Emotionen und untersucht, wie Olfaktorik Zugehörigkeit, Identität und Exklusion in der Schweizer Gesellschaft spiegelt. Sie zeigt, wie Sprache, Proben und Medienbilder Identitätsbilder formen und welche Rolle Gerüche in der Kommunikation von Inklusion oder Ausgrenzung spielen.

Verbindungen zwischen Olfaktorik, Kunst und Gesellschaft

Die Gespräche verknüpfen Kunst, Forschung und politische Frage: Wie kann olfaktorische Kunst als Form des Widerstands fungieren und Empathie fördern? Diskutiert werden Möglichkeiten, durch multisensorische Zugänge Wahrnehmung zu diversifizieren, gesellschaftliche Grenzziehungen zu hinterfragen und ökologische wie soziale Gerechtigkeit zu unterstützen.