„Normal? Kommt drauf an.“
Zwei Therapeutinnen, viele Themen – und eine ehrliche Antwort auf die Frage: Was ist eigentlich normal? Samra Fazlić und Mila Ould Yahoui sprechen über das, was Kinder, Jugendliche und ihre Eltern wirklich bewegt – mit Fachwissen, Herz und Humor. Keine Couch, keine Klischees – dafür echte Impulse und viele Tipps & Tricks aus der Praxis.

junge Psyche - Aufwachsen verstehen.
Samra Fazlić, Mila Ould Yahoui
Beschreibung
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Episodenübersicht

Depression im Kindes- und Jugendalter (Inhaltswarnung)
01.10.2026
Warnzeichen, Abgrenzung zur Pubertät, Hilfen
Inhaltswarnung: In dieser Folge geht es auch um Suizidgedanken bei Kindern und Jugendlichen.
Euer Kind zieht sich zurück, ist gereizt, schläft viel und hat keine Lust mehr auf das, was ihm früher Spaß gemacht hat. Ist das Pubertät? Eine Phase? Oder schon eine Depression?
Wir ordnen das fachlich ein: Depressionen kommen bei Kindern und Jugendlichen vor, sind nicht selten, sehen aber teilweise anders aus als bei Erwachsenen. Und sie sind behandelbar.
Darum geht es:
- Die Kernsymptome und warum zwei Wochen die Grenze sind
- Warum eine Depression bei Kindern und Jugendlichen nicht durchgängig traurig aussieht, sondern auch gereizt oder wechselhaft
- Abgrenzung zur Pubertät: Häufigkeit, Intensität, Dauer und die Zahl der betroffenen Lebensbereiche
- Warnzeichen je Alter, vom Vorschulkind bis zum älteren Jugendlichen
- Wie Depressionen entstehen: kognitive Triade, Vulnerabilität und Stress, erlernte Hilflosigkeit
- Warum ein Waldspaziergang kein Antidepressivum ist, kleine Routinen aber trotzdem wirken
- Sätze wie „Es ist doch alles sinnlos“: ansprechen, nachfragen, Hilfe holen, ohne zu dramatisieren
- Anlaufstellen und Behandlungsformen, von der Praxis bis zur Klinik
Wenn ihr euch sorgt: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, Nummer gegen Kummer 116 111.
Im Akutfall die Notaufnahme der ortsansässigen bzw. nahegelegenen Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Panikattacken bei Kindern und Jugendlichen
17.09.2026
Warum der Körper Alarm schlägt und was dann hilft
Herzrasen, keine Luft, Schwindel, alles wirkt unwirklich. Und euer Kind denkt nur noch: Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Ihr steht daneben und wisst nicht: beruhigen, ablenken, zum Arzt?
Die Entlastung zuerst: Eine Panikattacke ist ein gesunder Alarm am falschen Ort. Der Körper tut genau das, wofür er gebaut ist. Gefährlich ist er dabei nicht. Und er hört von allein wieder auf.
Darum geht es:
Warum unser Alarmsystem aus der Steinzeit stammt und heute auf Referate und Klassenarbeiten anspringt
- Der Teufelskreis der Angst: Wie aus einem Extraschlag des Herzens eine Panikattacke wird
- Warum die Angst vor der Angst das eigentliche Problem ist, und wie Vermeidung sie festklopft
- Woran Eltern Panikattacken bei Kindern erkennen, die das noch gar nicht benennen können
- Angstmonster, Taschenlampe und Schatten: Wie man Kindern erklärt, was da passiert
- Was in der Attacke hilft: selbst ruhig bleiben, annehmen, nicht diskutieren, langsam ausatmen (Bsp. 5-4-3-2-1)
- Was sie größer macht: sofort abholen, Puls tracken, ständig nachfragen (Rückversicherungen)
- Warum das Ziel nicht ist, nie wieder Angst zu haben
- Vor allem anderen gehört ein ärztlicher Check, damit klar ist: Körperlich ist alles in Ordnung.
Zusammengefasst heißt die erste Hilfe:
„Das ist gerade Panik. Dein Körper macht Alarm, das fühlt sich schlimm an, aber es geht vorbei. Komm, setz dich zu mir, wir atmen da gemeinsam durch.“

Grundbedürfnisse: Was Kinder wirklich brauchen - Perfektion gehört nicht dazu
03.09.2026
Bindung, Orientierung, Selbstwert und Freude
Wir sind zurück aus der Sommerpause. Und starten mit der Frage, die unter fast allem liegt, was Eltern uns in die Praxis mitbringen: Was braucht ein Kind, um psychisch gesund aufzuwachsen?
Die Antwort ist überschaubarer, als man denkt. Es sind vier psychische Grundbedürfnisse — und je besser die erfüllt sind, desto stabiler steht ein Mensch. Es geht ausdrücklich nicht um perfekte Erziehung.
Darum geht es:
-Bindung: warum ein Baby zu hundert Prozent auf eine verlässliche Bezugsperson angewiesen ist
-Warum wir „Jedes Kind kann schlafen lernen" und die Trainingslogik der Neunziger klar ablehnen
-Tragfähigkeit statt Liebesentzug — „Gerade nervst du mich ohne Ende. Ich liebe dich."
-Wie viele Regeln ein Kind braucht, und warum keine Regeln genauso schlecht sind wie fünfzig
-Der Autonomie-Trick, den wir selbst manipulativ nennen und trotzdem empfehlen
-Selbstwert: „Ich liebe dich mit einer Fünf genauso sehr wie mit einer Eins."
-Warum Bescheidenheit als Erziehungsziel ausgedient hat
-Wo Resilienz aufhört — sie heißt nicht, Mobbing oder Gewalt auszuhalten