
WBKollektion
Walter Benjamin Kolleg
Beschreibung
Neue Folgen jeweils am ersten Montag des Monats.
Produziert von: Lea Hagmann und Martin Ritzmann
Sprachen: CH / DE / EN
Podmon Kategorien
Upgrade dein Konto, um kontextuelle Kategorien zu sehen!
Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Elize Mazadiego: Art History from the Global Perspective (EN)
Globaler Blick auf Kunstgeschichte
Die Forscherin fokussiert nicht-westliche Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts bis heute, mit besonderem Schwerpunkt auf lateinamerikanischer Kunst. Ziel ist, internationale Netzwerke, Überschreitungen von Grenzen und transkulturelle Identitäten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler zu verstehen und zu verorten.
Holland als Knotenpunkt für lateinamerikanische Künstler
Amsterdam wird als liberaler, offener Ort für Künstlerinnen mit LGBTQ+-Identitäten beschrieben, der zugleich ein Zentrum experimenteller Praxis bietet. Viele may-seiener Wege führen zunächst über Spanien nach Europa, doch die Niederlande dienen als Schutzraum für freie künstlerische Erprobung und berufliche Internationalisierung.
Schweiz und transnationale Diaspora
Beobachtet wird auch die Verbindung lateinamerikanischer Künstlerinnen und Künstler mit der Schweiz, etwa durch Aufenthalte in Genf und Rom oder durch Beiträge zur venezianischen Biennale. Die Schweizer Rezeption reflektiert Migration und transnationale Perspektiven im Kunstbetrieb.
Lehre und Gegenwartsbezug
Im Unterricht wird eine globale Perspektive angestrebt, die globale Südländerinnen und -länder stärker einbezieht. Kurse thematisieren aktuelle Fragestellungen wie Migrationsprozesse, Sichtbarkeit im Kunstbetrieb und den Einfluss aktueller Ausstellungen in der Schweiz auf Lehrinhalte.

Moslem Ghomashlouyan: Contraband Commerce across the Iranian Border (EN)
Sanctions, Handel und Schmuggel
Das Gespräch beleuchtet, wie unter massiven US-gestützten Sanktionen der offizielle Handel mit Iran stark eingeschränkt wird. Gleichzeitig gelangen westliche Markenartikel wie Sneakers trotz Verbots in iranische Städte. Die ethnografische Frage lautet, wie solche Waren über inoffizielle Routen ihren Weg in die Konsumlandschaft finden und welche Mechanismen hinter dem Schmuggel stehen.
Forschungsmethode und Feldeindrücke
Der Forscher beschreibt Ethnografie als systematisches Verweilen mit Menschen, um deren Perspektiven zu verstehen. Durch langes Aufenthaltserlebnis, Vertrauen und Gespräche entstehen Einsichten in informelle Netzwerke, in denen Alltagspraktiken, Werte und Prioritäten sichtbar werden — jenseits numerischer Daten.
Routen, Akteure und Eskalationen
Schuhwaren durchlaufen eine komplexe Reise: Von europäischen Lagern über Kontakte nach Irak bis zur iranischen Grenze. Kurdische Kolbers transportieren Waren über schneebedeckte Pässe, wodurch Produkte formal außerhalb des Rechtskreises landen und dennoch in regulären Geschäften erscheinen.
Soziale Kosten und Perspektiven
Der Handel zeigt Klassen- und Statusunterschiede in einer durch Sanktionen gestressten Gesellschaft. Ober- und Mittelschicht streben nach globalen Marken, während Schmuggelarbeit gesundheitliche Belastungen, Unsicherheit und langfristige Abhängigkeiten mit sich bringt. Die Arbeit beleuchtet damit auch die strukturelle Kostenfrage hinter vermeintlich modernen Konsumgütern.

Caiti Hauck: Schweizer Chorleben (DE)
Forschungsschwerpunkt und Kontext
Die Forscherin untersucht das Chorleben in Bern und Fribourg im 19. Jahrhundert, einschließlich Chorrepertoire, Chorformen und deren Verknüpfungen zu Politik und Religion. Es geht um Unterschiede zwischen deutschsprachigem, protestantischem Bern und französischsprachigem, katholischem Fribourg sowie um die Frage, wie sich das Vereinsleben in beiden Städten gestaltete.
Comicband als Vermittlungsform
Anstelle einer klassischen Monografie entstand ein zweisprachiger Comicband, der zentrale Forschungsergebnisse visualisiert. Die Autorin kooperiert mit dem Comiczeichner Julian Cashmay er, um komplexe Zusammenhänge anschaulich darzustellen, ohne die wissenschaftliche Tiefe zu verlieren. Die Geschichte nutzt fiktive Protagonisten, sondern basiert auf realen historischen Ereignissen und Documenten.
Arbeitsweise und Kooperation
In einem iterativen Prozess werden Notizen, Originaldokumente und Archivmaterialien genutzt. Aus diesen Vorlagen entwickeln Zeichnungen, Texte und Bearbeitungen entstehen in mehreren Durchläufen. Die Darstellung verbindet bildliche Reproduktionen historischer Quellen mit einer fiktionalen Rahmengeschichte, um die Faktenlage nachvollziehbar zu vermitteln.
Weitere Aufgaben und Perspektiven
Zusätzlich zur Forschung koordiniert die Wissenschaftlerin das Schweizer Musiklexikon, ein digitales Archiv über Musik in der Schweiz. Dort werden Artikel zu verschiedenen Künstlerinnen und Institutionen erstellt. Die Biografiearbeit wird durch internationale Erfahrungen ergänzt, und es bestehen Verbindungen zu Lehre, Archivforschung sowie der Vermittlung von Musikgeschichte in der Schweiz.