
SICK & SEEN
Mathias Furch
Beschreibung
Ich komme aus der Intensiv- und Notfallmedizin als Pflegewissenschaftler und arbeite heute als Moderator mit Menschen, die mit chronischen oder seltenen Erkrankungen leben, gemeinsam mit Ärzten, Pflege, Selbsthilfe und Industrie.
Ich nehme euch mit Backstage: in Gespräche vor, auf und nach der Bühne. Und zeige euch, was ihr wissen müsst, wenn ihr mit Betroffenen arbeiten wollt und worauf es ankommt.
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Nina Steinborn über traumasensible Beratung
Einführung und neue Gäste
Der Podcast-Host reflektiert, dass er bisher alleine gesprochen hat und nun zum ersten Mal einen Gast begrüßt. Er hebt die Bedeutung von Dialogen hervor und betont, dass die Themen ernst bleiben, die Gespräche jedoch auch leicht und neugierig sein dürfen.
Nina Steinborn: Expertin für chronische Krankheiten
Nina Steinborn, die als Beraterin und Coach für Menschen mit chronischen und seltenen Erkrankungen arbeitet, wird vorgestellt. Sie lebt selbst mit einer seltenen Nierenerkrankung und bringt ihre persönliche Erfahrung in die Gespräche ein. Der Host und Nina diskutieren die gesellschaftlichen Erwartungen an die Frage "Wie geht es dir?" und die Schwierigkeiten, die Menschen mit chronischen Erkrankungen manchmal haben, diese Frage ehrlich zu beantworten.
Sprache und Kommunikation
Die beiden Gesprächspartner sprechen über die Wichtigkeit von Sprache in der Kommunikation über Erkrankungen. Nina betont, dass es wichtig ist, Betroffene als Experten ihrer eigenen Erfahrungen zu betrachten und sie in die Diskussionen einzubeziehen, anstatt über sie zu sprechen.
Traumasensible Beratung
Nina erklärt, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen oft einem hohen Stresslevel ausgesetzt sind und dass es wichtig ist, in der Beratung traumasensibel zu arbeiten. Dies umfasst, ein sicheres Setting zu schaffen und den Klienten das Gefühl zu geben, die Kontrolle über das Gespräch zu haben.
Selbstwirksamkeit und Humor
Humor wird als wichtiges Element in der Arbeit mit Klienten hervorgehoben. Nina und der Host sind sich einig, dass Lachen Stress abbauen kann und dass es wichtig ist, eine freundliche und offene Atmosphäre zu schaffen. Sie sprechen auch über die Bedeutung von Selbstwirksamkeit und wie diese die Adhärenz bei der Behandlung von Krankheiten fördern kann.
Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Am Ende des Gesprächs fordert Nina die Gesundheitsbranche auf, Betroffene von Anfang an in alle Planungsprozesse einzubeziehen. Der Host bedankt sich bei Nina und ermutigt die Zuhörer, Kontakt aufzunehmen und Feedback zu geben.

Zuhören ist wichtiger als die nächste Frage
Zuhören statt Frage-Fokus
In Gesprächen mit Betroffenen geht es weniger um das Abarbeiten vorbereiteter Fragen als um das tatsächliche Zuhören. Beobachtungen zeigen, dass Antworten oft an der Oberfläche bleiben, wenn dem Gespräch zu wenig Raum für das zuwachsende Verständnis gegeben wird. Zwischen den Worten wird deutlich, welche Lebensrealitäten hinter den Aussagen stehen, weshalb Aufmerksamkeit und spontane Reaktionen wichtiger sind als vordefinierte Fragefolgen.
Signale und Zwischenräume
Wesentliche Einsichten entstehen, wenn der Blick für Zwischentöne geschärft wird. Pausen, Wortwechsel oder Tonänderungen können versteckte Belastungen, Ängste oder Wünsche zeigen. Solche Momente erfordern Geduld und Bereitschaft, nachzuhaken, ohne sofort eine weitere Frage zu stellen. Das Gespräch verankert sich, wenn zwischen den Sätzen Platz geschaffen wird und sich eine ehrliche Atmosphäre entwickelt.
Sprache, Verständlichkeit und Emotionen
Fachbegriffe und Leitlinienjargon verhindern oft, dass Betroffene sich verstanden fühlen. Die Kunst liegt darin, Sprache auf den Alltag zu beziehen und Erlebtes greifbar zu machen. Wenn Emotionen spürbar sind, kann das Gespräch vertieft werden, ohne in Emotionen zu bedrängen. Eine bewusste Anpassung der Ausdrucksweise erleichtert den Zugang zu Erfahrungen jenseits reiner Krankheitsinformation.
Schlussfolgerung: Echtes Zuhören im Healthcare
Gute Healthcare-Kommunikation beginnt mit Aufmerksamkeit, nicht mit perfekten Antworten. Wer bereit ist, Perspektiven zu wechseln, Pausen zuzulassen und den roten Faden loszulassen, entdeckt neue Sichtweisen. Dadurch entstehen Gespräche mit Betroffenen, die tiefer gehen, lange nachwirken und das Gefühl vermitteln, wirklich gehört zu werden.

Moderation im Healthcare-Bereich
Unterschiedliche Vorstellungen von Moderation im Healthcare-Bereich
Die Folge zeigt, dass Moderation nicht nur Bühnenpräsenz bedeutet, sondern vor allem den Umgang mit Menschen im Gesundheitskontext. Oft werden Abläufe oder Präsentationen betont, doch der Alltag der Betroffenen und Fachleute prägt, wie Moderation wirkt. Es geht darum, Räume zu gestalten, in denen Gespräche sinnvoll geführt werden und das Thema Gesundheit ganzheitlich betrachtet wird, ohne auf einfache Lösungen zu setzen.
Moderation als Kuratierender Prozess und sensibler Raum
Moderation wird als aktives Gestalten beschrieben: Räume, Dynamiken und unausgesprochene Signale zu beachten. Wichtig ist, Stille auszuhalten, Missverständnisse zu erkennen und den Gesprächsfluss so zu lenken, dass alle Beteiligten gehört werden. Man erkennt, dass Moderation nicht neutral ist, sondern Einfluss darauf nimmt, wie Menschen sprechen und wahrgenommen werden.
Betroffene, Stimmen und der Kontext
Betroffene werden nicht als Inhalte betrachtet; ihre Erfahrungen stehen im Leben mit einer Erkrankung im Fokus. Empathie allein reicht nicht aus, es braucht Kontext, damit Worte nicht an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbeigehen. Frage- und Zuhörweisen sollen respektvoll sein, damit der Austausch echt und nicht nur sachlich erscheint.
Verantwortung, Vorbereitung und Anspruch an das Feld
Die Arbeit betont eine verantwortungsvolle Moderation, die sich auf Beziehungen, Übergänge und das Gelingen von Dialogen konzentriert. Vorbereitung, Abstimmung mit Beteiligten und das Verständnis der Zielgruppe sind zentral. Es wird deutlich, dass Moderation im Healthcare-Bereich ein eigenständiges Feld mit Bedarf an Kontext, Aufmerksamkeit und Respekt ist.