
Die Wissensarchitekt*innen
Ulrike Wuttke
Beschreibung
In jeder Folge sind Gäst*innen aus unterschiedlichen Bereichen der Informations- und Wissenslandschaft zu Gast, um über ihre Arbeit und Themen zu sprechen.
Der Podcast richtet sich an:
Studierende & Wissenschaftler*innen in den Informationswissenschaften, Digital Humanities, angewandte Informatik und anverwandten Gebieten
Bibliotheks- und Informationsprofis
Neugierige Laien, die sich für Wissen, Daten und Gesellschaft interessieren
Der Podcast wird von Ulrike Wuttke im Rahmen ihrer Transferprofessur mit dem Projekt T.R.A.C.K.S. “Training on Analytics, Compliance, Knowledge, and Security” produziert.
In der ersten Staffel von “Die Wissensarchitekt*innen” steht das Thema Datentracking mit Fokus Science Tracking (d.h. das nicht datenschutzgerechte Erheben und Nachnutzen von Nutzungsdaten auf kommerziellen wissenschaftlichen Webseiten) zentral. Die Folgen werden monatlich am ersten Sonntag jeden Monats, parallel zur Initiative Digital Independence Day erscheinen.
Die Podcastfolgen stehen unter der Lizenz: CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/).
Die Transkriptionen der Folgen (annotiert mit Fußnote) finden sich aus technischen Gründen auf auf dieser Webseite: https://ulrikewuttke.wordpress.com/die-wissensarchitektinnen/
Podcast-Cover “Die Wissensarchitekt*innen”, Artwork: Sara-Lee Nußbaum, Foto: Andrea Vollmer/FH Potsdam, Lizenz: CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/).
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht
Live vom Hands-On Lab zum Datentracking-Spiel auf der BiblioCon 2026
Hands-on Lab als thematischer Auftakt
Eine Kurzepisode streamt Eindrücke von einer Bibliokon-Veranstaltung, bei der das Hands-on Lab Digital Footprint Choose Your Own Adventure – Datenchecking in der Wissenschaft – spielerisch erprobt wurde. Teilnehmende arbeiteten gemeinsam mit Studierenden an einem vom Lehrkontext inspirierten Spiel, das den Umgang mit Datentracking in der Wissenschaft erfahrbar macht und die Verbindung von Praxis und Theorie verdeutlicht.
Erfahrungen aus der Lehre
Manuel Beerwald beschreibt, wie der Ansatz in der Lehre genutzt werden könnte: als niedrigschwelliges, mehrmals spielbares Tool für Seminargruppen, das erst online zugänglich gemacht werden müsste, um Breitenwirkung zu erhöhen. Die Analogie von Pfaden und Entscheidungen zeigt, wie Ergebnisse unterschiedlich ausfallen können und Lernprozesse dadurch vertieft werden.
Lernimpulse und Beobachtungen
Beim Spiel rücken konkrete Tools wie Zotero und Messaging-Plattformen in den Fokus, wobei die spielerische Vermittlung neue Detailaspekte eröffnet. Die Beobachtungen deuten darauf hin, dass solche Formate Lerninhalte tiefer verankern und komplexe Datenchecks greifbar machen können – auch wenn der Weg dorthin bislang eine Hürde darstellt.
Ausblick und Verfügbarkeit
In einer weiteren Folge wird das Spiel vertieft vorgestellt, mit Blick auf weiterführende Einsichten zu Datentracking, Fachtermini und queerer Forschung. Das Digital Footprint-Spiel ist zudem auf einer Repository-Plattform verfügbar, und weitere Informationen bleiben in den Shownotes erhalten.
Von Stop Tracking Science zu Open Research Europe – Wie kann die Wende des wissenschaftlichen Publikationssystems gelingen?
Forschungsfokus: Spontanverhalten und Datenchecking
Der Forscher erklärt, dass Spontanverhalten auch ohne äußeren Input beobachtet wird, weshalb Vorhersagegründe und Ursache-Wirkungs-Beziehungen kritisch hinterfragt werden. Durch isolierte Nervensysteme lassen sich grundlegende Mechanismen der Entscheidungsfindung erforschen. Gleichzeitig wird untersucht, wie Erfahrungen zukünftiges Verhalten prägen. Der Begriff Datenchecking beschreibt die vertikale Auswertung von Datenflüssen durch Verlage und kommerzielle Anbieter, die Einblicke in Lesemuster, Zitierungen und Forschungsprozesse geben.
Wendepunkt: Entstehen von Stop-Tracking-Science und Open-Research-Infrastruktur
Aus der Beobachtung von Tracking-Praktiken entwickelte sich die Initiative Stop Tracking Science. Initiatoren sammeln Informationen, dokumentieren Verlagspraktiken und ziehen politische Schlüsse. Im Gespräch wird eine Open-Research-Infrastruktur wie Open Research Europe diskutiert, die dezentralisiert arbeiten und möglichst Interoperabilität sowie Transparenz fördern soll. Die Idee zielt darauf ab, die Dominanz großer Verlage zu durchbrechen und neue, faire Wege der Veröffentlichung zu ermöglichen.
Rückblick auf Publikationslandschaft: Editorial Boards, Open Access und Verlagsreaktionen
Der Interviewte reflektiert seine Rollen in Editorial Boards verschiedener Journale und seine Beweggründe, trotz Kritik offen zu publizieren. Erfahrungen mit Open-Access-Modellen, Preprints und neuen Formaten zeigen Chancen und Tücken der Transformation. Gelernt wird, dass Reputationssysteme oft nicht mit wissenschaftlicher Qualität korrespondieren. Kommerzielle Verlage wirken als wirtschaftliche Machtzentren, weshalb Versuche zur Veränderung häufig von Widerständen begleitet sind.
Zukunftsperspektiven: Dezentrale Infrastruktur, Open Science und Industrie-Lobbyismus
In der Diskussion wird eine dezentrale, souveräne Infrastruktur betont, die Lern- und Forschungsdaten, Code und Publikationen interoperabel verbindet. Mastodon statt konventioneller Plattformen wird als Beispiel für sichere Kommunikation genannt. Es wird betont, dass Förderer Anreizstrukturen schaffen sollten, damit Institutionen in resilienten Open-Access-Ökosystemen agieren. Gegenwärtige Lobbymacht der Verlage erfordert koordinierte Gegenmaßnahmen auf EU-Ebene und weltweit.

Digitaler Kolonialismus
Digitale Kolonialismus-Analyse
Der Podcast behandelt das Buch Digitaler Kolonialismus, das zeigt, wie Tech-Konzerne und Großmächte den globalen Süden wirtschaftlich ausbeuten. Die Erzählung verknüpft aktuelle Digitalisierung mit historischer Kolonialordnung und betont, dass Daten, Rohstoffe und Geopolitik eng verflochten sind. Ziel ist eine kritische Gegenperspektive auf die Heilserzählung der Digitalisierung und auf die Frage, wem Wissen wirklich gehört.
Zentrale Mechanismen der Ausbeutung
Zentrale Konzepte sind Datenextraktivismus, Datentracking und die Plattformökonomie. Daten werden als neue Ressource genutzt, um KI zu trainieren und Dienste zu personalisieren. Arbeitskräfte im globalen Süden verrichten oft traumatisierende Aufgaben hinter KI-Systemen. Patente und Monopole sichern Macht, während vermeintliche Vorteile wie Informationstransparenz oft in Abhängigkeiten münden.
Konkrete Felder und Auswirkungen
Anhand von Beispielen wie Landwirtschaft, humanitärer Hilfe und Überwachung wird aufgezeigt, wie Daten und Infrastruktur globale Ungleichheiten verschärfen. In Landwirtschaft dominiert extraktivistische Praxis, bei der Kleinbäuerinnen Daten und Know-how an Konzerne abgeben. Im humanitären Bereich drohen biometrische Datenmissbrauch und Verwischung von Verantwortung. Überwachungstechnologien aus dem Norden verstärken autoritäre Tendenzen weltweit.
Gegenstrategien und Perspektiven
Der Diskurs plädiert für digitale Souveränität, Datensouveränität und verantwortliche Regulierung von Konzernen. Es wird diskutiert, wie Staaten und Zivilgesellschaft Gegenmodelle fördern können, etwa lokale Datenzentren, Open Access und transparente Beschaffungspraktiken. Der Dialog betont solidarische Praxis, Wissensaustausch und den Abbau zentraler Abhängigkeiten, um gerechtere digitale Strukturen zu ermöglichen.