
FEEL IT ALL - der sexualtherapeutische Podcast
Miriam Pietras
Beschreibung
Ich bin Miriam Pietras, Sexualwissenschaftlerin und Systemische Therapeutin mit eigener Praxis für Sexualtherapie & Sexuologie.
Alle zwei Wochen spreche ich über häufige Symptome, Praxisfälle und Veränderungsimpulse.
Ob du selbst betroffen bist, therapeutisch arbeitest oder dich die menschliche Psyche fasziniert, dieser Podcast nimmt dich mit auf die Couch und lädt zum kritisch-systemischen Denken ein.
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

#011 Konsens (2/2): Trauma im Spannungsfeld der Einwilligung
Einführung in das Thema Konsens und Trauma
Miriam Pietras, Sexualwissenschaftlerin und Therapeutin, beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen Konsens und traumatischen Erfahrungen in der Sexualität. Sie argumentiert, dass Konsens oft kein verlässlicher Marker für gesunde Sexualität ist und dass er sogar die Verarbeitung von Trauma erschweren kann.
Konsens als Problematisierung
Pietras beschreibt, wie sexuelle Handlungen, die als einvernehmlich erlebt werden, dennoch traumatische Nachwirkungen haben können. Insbesondere Menschen, die eine Einwilligung gegeben haben, leiden oft stärker unter den Folgen ihrer Erfahrungen, was zu inneren Konflikten führt.
Fallbeispiel einer Klientin
Eine junge Frau berichtet von ihrer problematischen Beziehung zu einem Lehrer, die sowohl von Verliebtheit als auch von Machtmissbrauch geprägt war. Diese ambivalente Erfahrung zeigt, wie schwierig es für Betroffene ist, ihre Erlebnisse zu verarbeiten, da sie das Gefühl haben, selbst verantwortlich für die Situation gewesen zu sein.
Die Rolle von gesellschaftlichen Normen
Pietras thematisiert, wie gesellschaftliche und neoliberale Normen die Verantwortung für sexuelle Erfahrungen auf das Individuum verschieben. Dies kann dazu führen, dass Betroffene von sexueller Gewalt sich selbst die Schuld geben, besonders wenn sie einvernehmlich eingewilligt haben.
Therapeutische Ansätze
Die Therapeutin betont die Notwendigkeit, in der Therapie die Deutungshoheit der Betroffenen zu stärken und ihnen ein differenziertes Verständnis ihrer Erfahrungen zu ermöglichen. Es ist wichtig, die Verantwortung nicht unreflektiert von den Tätern auf die Opfer zu verlagern und die Komplexität ihrer Entscheidungen zu würdigen.
Schlussfolgerungen
Pietras schließt mit der Aufforderung, das Konzept des Konsens kritisch zu hinterfragen und den Fokus auf die Qualität der sexuellen Erfahrungen zu richten. Der Weg zur Trauma-Integration erfordert eine sorgfältige Reflexion über die Umstände der Einwilligung und eine sensible therapeutische Begleitung.

#010 Konsens (1/2): Die Illusion des freien Willens
Einführung in die Thematik
Miriam Pietras, Sexualwissenschaftlerin und systemische Therapeutin, reflektiert über das Konzept des Konsens in der Sexualität. Sie betont die Wichtigkeit, Konsens kritisch zu hinterfragen, insbesondere in der therapeutischen Praxis.
Konsens als gesellschaftliches Kriterium
Konsens wird als zentraler Marker für moralisch akzeptierte Sexualität propagiert, wobei der Fokus auf egalitären Verhandlungen liegt. Der Begriff „Konsensmoral“ wird eingeführt, um die normative Gewichtung in der Gesellschaft zu verdeutlichen.
Kritische Perspektive auf Konsens
Pietras argumentiert, dass Konsens nicht immer eine Garantie für gesunde Sexualität darstellt. Sie bringt Beispiele von Klienten, die unter sexuellen Erlebnissen leiden, die trotz erteiltener Zustimmung stattfanden, und schlägt vor, dass Konsenssysteme möglicherweise destruktive Muster reproduzieren.
Fallbeispiele aus der Praxis
Drei Fallbeispiele verdeutlichen, wie Konsens in der Praxis problematisch sein kann. Die Klienten zeigen, dass Zustimmung nicht immer mit echtem Wunsch oder Wohlbefinden einhergeht, was die Herausforderungen in der therapeutischen Arbeit aufzeigt.
Der Einfluss von Machtstrukturen
Die Diskussion um Konsens wird in einen breiteren gesellschaftlichen Kontext eingebettet. Pietras hebt hervor, dass die Erwartungen und Normen, die Konsens umgeben, in Machtstrukturen verwoben sind und soziale Ungleichheiten widerspiegeln.
Vorschlag für eine neue Perspektive
Anstelle von Konsens sollte der Fokus auf dem Konzept „Sex Worth Wanting“ liegen, das die Qualität sexueller Erfahrungen in den Mittelpunkt stellt. Dies könnte helfen, bessere und befriedigendere sexuelle Begegnungen zu fördern.

#009 Erektionsstörungen. Potenz und Identität.
Verständnis von Erektionsstörungen im Kontext
Der Begriff wird kritisch hinterfragt: Es geht nicht nur um eine rein medizinische Störung, sondern um ein Symptom, das in Kontext, Bedeutung und Lebenswelt eingebettet ist. Muskel- und Nervenprozesse arbeiten zusammen, doch subjektiver Leidensdruck bestimmt, wann eine Dysfunktion als Problem gilt. Sichtbar wird, dass Erektionen auch kulturell, normativ und identitätsbezogen verstanden werden.
Körper, Psyche und gesellschaftliche Prägungen
Die Praxis sieht häufig ein Zusammenspiel von physiologischen Faktoren, Stress, Beziehungskontext und Überzeugungen. Leistungsdruck, Erwartungsangst und das Symbol der Potenz prägen das Erleben. Gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit beeinflussen, wie Erektionen gedeutet werden und welche Bedeutung sie identitätsstiftend erhalten.
Beispiele aus der Praxis und Beziehungsdynamik
Ein Fall zeigt, wie Schweigen, mangelnde Kommunikation und unverbriefte Erwartungen das Symptom verstärken. Oft bleibt die eigentliche Ursache in der Beziehung verborgen, während die Erektion selbst zum zentralen Konflikt wird. Therapeutische Schritte fokussieren deshalb darauf, Verbindung, Offenheit und gemeinsam gelebte Sexualität zu fördern.
Ansätze zur Unterstützung und Perspektiven
Zuerst Abklärung körperlicher Ursachen, dann Berücksichtigung kontextueller Faktoren. Strategien umfassen Entspannung, alternative Formen von Intimität, Kommunikation und gegebenenfalls strukturierte Übungen, die den Beobachtermodus reduzieren. Ziel ist eine kohärente Körperreaktion auf einen kohärenten Kontext, ohne Schuldzuweisungen oder normative Erwartungen.