Mensch im Blick – Aspekte von Geschlecht und Gender in der Forschung
George, Jana; Bornmüller, Falk; Koordinierungsstelle "Gender in Focus", Friedrich-Schiller-Universität Jena
Beschreibung
In den Wissenschaften wird zunehmend die Bedeutung von biologischem Geschlecht bzw. sozio-kulturellem Gender für eine nachhaltige Verbesserung der Qualität von Forschungsergebnissen erkannt. Eine unzureichende Auseinandersetzung mit diesen Aspekten kann dazu führen, dass Forschungsergebnisse verfälscht oder bestimmte Zielgruppen nicht angemessen repräsentiert werden. Das betrifft nicht nur die Auswahl von Studiengruppen, sondern auch die Interpretation von Ergebnissen und die Entwicklung von Lösungen, die für die gesamte Gesellschaft relevant sind.
Eine zentrale Herausforderung ist, dass viele Forschende die Aspekte von Geschlecht und Gender nicht von Anfang an im Blick haben und in ihre Forschung integrieren können. Es fehlen oft das Wissen oder die Methoden, um die mögliche Relevanz von Geschlecht und Gender für die eigene Forschungsfrage richtig erkennen und analysieren zu können. Zudem können stereotype Annahmen über die Relevanz bzw. Nicht-Relevanz von Geschlechter- und Genderaspekten unbewusst Einfluss auf wissenschaftliche Fragestellungen und Methoden nehmen. Diese Faktoren führen dazu, dass Forschungsergebnisse nicht immer die Diversität der Geschlechter und deren vielfältige Lebensrealitäten widerspiegeln.
Podmon Kategorien
Upgrade dein Konto, um kontextuelle Kategorien zu sehen!
Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht
Folge 7: Vier Kreise oder Rollenbilder in der Mathematik
Mathematik, Gender und Geschlecht
Julien Prieger, Mathematikerin und Mathematikdidaktikerin, diskutiert die Verbindung zwischen Mathematik und Geschlecht. Sie betont, dass Mathematik nicht kulturfrei ist und stark von gesellschaftlichen Normen geprägt wird, die oft männlich dominiert sind. Dies führt zu einer Exklusion von Frauen und anderen Geschlechtsidentitäten aus der Mathematikgeschichte.
Rollenbilder und Wahrnehmung der Mathematik
Die Wahrnehmung von Mathematik wird durch männliche Vorbilder geprägt, was dazu führt, dass Frauen im Mathematikunterricht oft nicht im Mittelpunkt stehen. Diese geschlechtsspezifische Wahrnehmung beeinflusst auch die Motivation und das Engagement von Schülerinnen und Schülern in Mathematik.
Persönliche Erfahrungen und Rollenvorbilder
Prieger teilt ihre persönliche Erfahrung, dass eine weibliche Lehrerin ihr Interesse an Mathematik weckte. Sie diskutiert die Wichtigkeit von Rollenvorbildern, die Geschlechterstereotypen in der Mathematik herausfordern und Schülerinnen ermutigen können.
Geschlechterunterschiede im Mathematiklernen
Obwohl Geschlechterunterschiede in der Mathematikleistung oft thematisiert werden, zeigen aktuelle Studien, dass es keine signifikanten Unterschiede in den mathematischen Fähigkeiten zwischen Geschlechtern gibt, sondern dass die Aufgabenstellungen und deren Kontext entscheidend sind.
Forschung zu queeren MathematikerInnen
Prieger präsentiert ihr aktuelles Forschungsprojekt über queere MathematikerInnen, das darauf abzielt, herauszufinden, welche Bedingungen es diesen Personen ermöglichen, in der männerdominierten Mathematik erfolgreich zu sein. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass persönliche Erfahrungen und soziale Netzwerke eine wichtige Rolle spielen.
Folge 6: Von Mäusen und Menschen. Einblicke in den medizinischen Laboralltag
Einführung in den Podcast
In dieser Episode des Podcasts diskutieren Falk Bornmüller und Jana George mit den Gästen Nokdon Nifo und Jonas Ile über die Bedeutung von Geschlecht und Gender in der medizinischen Forschung, insbesondere im Zusammenhang mit der Nierenforschung.
Forschung zur alternden Mausniere
Don Nifo, promoviert und Preisträgerin eines Förderpreises, erläutert ihre Forschung zur Rolle von Kollagen-8 in der alternden Mausniere. Sie beschreibt den abwechslungsreichen Forschungsalltag, der sowohl Laborarbeit als auch PC-gestützte Analysen umfasst. Ihre Studien zeigen potenziell geschlechtsabhängige Effekte von Kollagen-8 auf die Nierenfunktion.
Forschung zu diabetischen Nierenerkrankungen
Jonas Ile, Medizinstudent und Promotionsstudierender, beschreibt seine Arbeit zu MORC1 und dessen Einfluss auf diabetische Nierenerkrankungen. Er erklärt, dass MORC1 möglicherweise eine pathologische Rolle spielt und die Nierenfunktion negativ beeinflussen kann.
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Nierenforschung
Beide Forscher betonen die Wichtigkeit der Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede in ihren Studien. Zum Beispiel haben sie festgestellt, dass die Nierengesundheit bei Frauen im Alter tendenziell besser ist als bei Männern, was weitere Untersuchungen erfordert.
Herausforderungen der Grundlagenforschung
Die Diskussion behandelt auch die Herausforderungen, die mit Tierversuchen verbunden sind, und die Notwendigkeit, Ergebnisse von Mäusen vorsichtig auf Menschen zu übertragen. Es wird die Entwicklung einer Biobank für menschliche Biopsien und Urinproben erwähnt, um diese Forschung zu unterstützen.
Persönliche Motivation und Zukunftsperspektiven
Beide Gäste äußern ihre Motivation für die Medizin und die Grundlagenforschung und wünschen sich eine patientenzentrierte, individualisierte Therapie in der Zukunft. Sie betonen die Bedeutung der Geschlechterforschung, um die medizinische Praxis zu verbessern.
Folge 5: Wie der Durchschnitt den Effekt verschleiert - Altersdiabetes und die gegenteilige Wirkung von Proteinen in männlichen und weiblichen Nieren
Der Mensch im Fokus der Nierenforschung
Die Niere ist ein zentrales Organ des Menschen, dessen Aufgaben über die Entgiftung hinaus Blutdruckregulation und Hormonbildung umfassen. Erkrankungen der Niere können den ganzen Organismus beeinflussen. In der Forschung wird die komplexe Funktion der Niere untersucht, um Mechanismen zu verstehen und Grundlagen für Therapien zu schaffen, die über einfache Behandlung hinausgehen.
Geschlechteraspekte in der medizinischen Forschung
Geschlechterunterschiede spielen bei Erkrankungen eine bedeutsame Rolle: Männer und Frauen zeigen oft unterschiedliche Krankheitsverläufe und Reaktionen auf Therapien. Die Forschung trennt Daten nach Geschlechtern, um klare Unterschiede zu erkennen. Früher dominierten männliche Probanden, heute wird der geschlechtersensible Ansatz stärker betont, auch in Grundlagenstudien.
Kollagen 8, Diabetes und geschlechtsspezifische Effekte
Eine Rolle spielt Kollagen-8 in der Nierenerkrankung durch Diabetes. In Tiermodellen zeigen männliche Tiere stärker geschädigte Nieren, während Weglassung von Kollagen-8 die Schädigung bei Männchen reduziert und bei Weibchen anders wirkt. Sexualhormone könnten die Unterschiede verstärken, direkte Mechanismen sind jedoch noch offen und erfordern weitere Untersuchungen.
Stand der Transformation in Medizin und Wissenschaft
Der Wandel hin zu geschlechtersensibler Medizin ist spürbar, doch kein Standard. Förderausschüsse verlangen Berücksichtigung des Gender-Aspekts, während klinische Studien weiterhin Herausforderungen bei der gleichwertigen Einbeziehung von Geschlechtern haben. Die Forschung strebt danach, Mechanismen zu verstehen, um gerechtere und zielgenauere Therapien zu ermöglichen.