
Stadtgeschichte Aarau
Barbara Mathys, Sara Hauser-Rohr, Manuel Näf, Simon Kalberer
Beschreibung
Im Podcast sprechen die Hosts und Historiker:innen Barbara Mathys, Sara Hauser, Manuel Näf und Simon Kalberer mit Gästen über spannende Neuheiten aus der Aarauer Stadtgeschichte und geben Einblicke in die laufende Forschung.
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

#2: Aaraus Antwort auf die Wohnungsnot: Die Telli-Blöcke
Einführung in die Wohnbaugeschichte Aarau
Der Podcast beschäftigt sich mit der Wohnsituation und dem Wohnungsbau in Aarau im 20. Jahrhundert, insbesondere den Telli-Blöcken. Die Moderatoren Manuel Neff und Barbara Matti führen durch die Thematik und beziehen sich auf historische Fernsehsendungen und die damit verbundenen Eindrücke der Bewohner.
Die Telli-Überbauung
Die Telli-Überbauung, bestehend aus drei großen Blöcken mit etwa 1200 Wohnungen, wurde in den 1970er Jahren errichtet. Diese Bauweise war eine Antwort auf die Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg, als in der Nachkriegszeit ein großer Bedarf an Wohnraum bestand. Die Überbauung wurde durch die Immobilienfirma Horta vorangetrieben.
Bevölkerungsentwicklung und Wohnungsnot
Die Bevölkerungszahl in Aarau stieg nach dem Krieg stark an, was zu einer erheblichen Wohnungsnot führte. Die Moderatoren diskutieren, wie die Nachfrage nach modernem Wohnraum in den 60er Jahren über das Angebot hinausging und welche sozialen Dynamiken dabei eine Rolle spielten.
Industrieller Wohnungsbau
Der industrielle Wohnungsbau, der als Plattenbau bekannt ist, wurde als Lösung für die Wohnungsnot angesehen. Diese Bauweise, die auch in anderen europäischen Ländern populär war, ermöglichte eine kosteneffiziente und schnelle Errichtung großer Wohnanlagen.
Soziale Aspekte und Wahrnehmung
Die Wahrnehmung der Telli-Blöcke hat sich über die Jahre gewandelt. Während diese Siedlungen anfänglich als modern und attraktiv galten, wurde später eine kritische Sichtweise auf die Lebensqualität in Großwohnsiedlungen entwickelt. Dennoch betonen die Sprecher, dass die Qualität der Wohnungen in der Schweiz meist höher war als im Ausland.
Schlussfolgerung
Der Podcast bietet einen Einblick in die komplexe Geschichte des Wohnungsbaus in Aarau und beleuchtet die sozialen Veränderungen, die mit der Errichtung der Telli-Blöcke einhergingen. Die Diskussion zeigt, dass die Wahrnehmung von Wohnraum und Lebensqualität stark von der jeweiligen gesellschaftlichen Perspektive geprägt ist.

#1: Von der Festung zum Rathaus
Historischer Hintergrund und Ausgangspunkt
Der Turm Rohre in Aarau entwickelte sich von einer wehrhaften Befestigung zu einem städtischen Zentrum. Er stand außerhalb des städtischen Rechtsraums und trug Sonderrechte wie Steuerfreiheit. Über Jahrhunderte prägten Adelsfamilien und Herrschaftsstrukturen das Gebäude, während die Stadt zunehmend an einer einheitlichen Territorialisierung arbeitete und den Turm schließlich in ein reguläres Rathaus überführte.
Von Festung zu Rathaus: Verlauf der Territorialisierung
Die Besitzverhältnisse wechselten zwischen Familien wie Rohre, Hallwil und Trüllerei, während die Stadt Aarau versuchte, Kontrolle zu gewinnen. Gerichtsurkunden illustrieren wiederkehrende Auseinandersetzungen um Rechte, Steuern und Privilegien. Durch mehrere Urteile in Bern wurde die steuerliche Freiheit des Turms bestätigt, doch die Stadt strebte eine gesetzliche Angleichung an, um Ausnahmen zu eliminieren.
Quellenlage und Bedeutung der Akteure
Quellen zu frühren Bewohnerinnen fehlen oft, weshalb nur männliche Nutzungsinhaber benannt werden. Gerichtsurkunden verzeichnen Parteigänger aus Aarau und die Trüllereis als zentrale Akteure, deren Konflikte die Rechtslage prägen. Die Stadt nutzte solche Auseinandersetzungen, um das Territorium zu festigen, während innere Strukturen und Dienstverhältnisse zwischen Landesherren und städtischen Ämtern sichtbar wurden.
Lehren für das Stadtbild und Perspektiven
Der Turm Rohre dient als Beispiel für eine langsame, langfristige Prozessgeschichte der Territorialisierung. Die neue Sicht auf Aarau zeigt, dass lokale Akteure eigenständige Entwicklungen vorantrieben und die Altstadtgeschichte komplexer ist als frühere Darstellungen vermuten ließen. Einzelne Familien und ihre Strategien liefern Einblick in Macht, Rechte und alltägliche Herrschaftspraxen.

Pilotfolge: Eine neue Stadtgeschichte für Aarau
Vorstellung der Podcaster
Die Moderatoren des Podcasts stellen sich vor: Barbara Mattis (Journalistin und Historikerin), Simon Kalbröhr (Historiker und Lehrer), Sarah Hauser-Rerdor (Historikerin) und Manuel Neff (Historiker). Sie sind Teil des Projekts "Neue Stadtgeschichte Aarau", das die Geschichte der Stadt neu aufarbeitet.
Ziel des Projekts
Das Projekt, das 2025 begann und fünf Jahre dauern soll, zielt darauf ab, die Stadtgeschichte von Aarau für die Bevölkerung zugänglicher zu machen und aktuelle Forschungsergebnisse zu präsentieren. Der Podcast dient als Plattform, um die Bürger zu befragen, was sie über die Stadtgeschichte wissen oder erfahren möchten.
Öffentliche Umfrage
Die Podcaster führen eine Straßenumfrage durch und sammeln verschiedene Meinungen der Aarauer Bevölkerung zur Stadtgeschichte. Die Antworten reichen von wenig Wissen über historische Ereignisse bis hin zu spezifischen Anekdoten über Vorfahren und Stadtgeschichte.
Gespräche mit Stadtvertretern
Ein wichtiger Teil des Projekts ist der Austausch mit Stadtvertretern wie Melanie Morgeneck (Leiterin Kultur) und Dr. Hans-Peter Hilfiger (Stadtpräsident), die die Bedeutung der Stadtgeschichte für Aarau und die Beteiligung der Bevölkerung betonen. Es wird darüber gesprochen, wie die Stadtgeschichte in die Kulturarbeit integriert wird und welche Rolle Steuergelder dabei spielen.
Forschungsansätze und Themen
Die Projektleiter Tanina Sandmeier und Dominik Sauerländer erläutern, dass die neue Stadtgeschichte aktuelle Themen wie Migration, Kultur, und gesellschaftlichen Wandel nach 1950 berücksichtigen wird. Zudem sind Wikipedia Hackathons geplant, um die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Rolle des Stadtarchivs und Stadtmuseums
Im Stadtarchiv werden historische Dokumente aufbewahrt, die für die Forschung von Bedeutung sind. Marc Grieshammer, der Leiter des Stadtmuseums, erklärt, dass das Museum aktiv in das Projekt eingebunden ist, um die Geschichte auch in die Quartiere zu tragen und die Bürger zu erreichen.
Zukunft der Stadtgeschichte
Die Bürger werden eingeladen, ihre Fragen zur Stadtgeschichte einzureichen, und es wird betont, dass das Projekt bis 2030 fortgeführt wird, um kontinuierlich neue Erkenntnisse und Perspektiven zur Geschichte Aarau zu liefern.