
Predigten von Erzbischof Josef Grünwidl
radio klassik Stephansdom
Beschreibung
Hören Sie seine Predigten in unserem Podcast ganz einfach nach!
Podmon Kategorien
Upgrade dein Konto, um kontextuelle Kategorien zu sehen!
Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Lob des Todes
Der Sonnengesang und das Rätsel des Todes
Die letzte Strophe des Sonnengesangs, die das Lob des Todes thematisiert, erscheint zunächst rätselhaft. Während die Schönheit der Schöpfung Gottes Größe widerspiegelt und den Lobpreis anregt, stellt sich die Frage, warum der Tod in diesen Lobpreis einbezogen wird. Diese Strophe verdeutlicht, dass die Spiritualität des Franz von Assisi über die Liebe zur Natur hinausgeht und eine starke christliche Prägung hat.
Gott offenbart sich in Christus
Franziskus erkennt, dass Gott sich nicht nur durch die Schöpfung, sondern insbesondere durch Jesus Christus offenbart. Diese Erkenntnis zeigt sich in seinen Begegnungen, sei es im Kind in der Krippe, im Gekreuzigten oder in der Eucharistie. Der Mensch findet Gott besonders, wenn er Christus nachahmt und in Vergebung, Frieden und der Annahme des Todes lebt, wodurch dieser zum „Brudertod“ wird.
Wunden und die Hoffnung auf Erlösung
Franziskus sieht die Wunden des Lebens, einschließlich des Todes, als Berührungspunkte mit Gott. Im Sonnengesang preisen auch die Wunden, da sie im Licht Christi Heilsprozesse einleiten können. Während die moderne Gesellschaft Tod und Krankheit eher als Probleme betrachtet, erlebte Franziskus in einer Zeit, in der diese Themen omnipräsent waren, die Hoffnung auf ewiges Leben und die Möglichkeit der Erlösung durch den Glauben.
Ein Weg zu Gott
Für Franziskus wird die gesamte Schöpfung, einschließlich Leid und Tod, zu einem Weg, auf dem der Mensch Gott finden kann. Diese Perspektive lädt dazu ein, in die Christusgestalt hineinwachsen zu können und das Leben als eine Möglichkeit zur Begegnung mit dem Göttlichen zu verstehen.

Lob der Leiden
Der Mensch im Schöpfungsgesang
In der achten Strophe des Schöpfungsgesangs wird der Mensch nicht als Herrscher, sondern in seinen Herausforderungen wie Unfrieden, Krankheit und Not betrachtet. Gepriesen werden jene, die ertragen, verzeihen und geduldig bleiben, um Frieden zu stiften. Diese Perspektive auf den Menschen ist eine späte Hinzufügung von Franziskus, der den Menschen an Jesus Christus, dem Vorbild des neuen Menschen, misst.
Christus als Vorbild für Menschlichkeit
Franziskus stellt die Frage, ob es einen besseren Weg gibt, Menschlichkeit, Frieden und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen, als den, den Christus vorlebt. Die Mächtigen der Welt, die als Retter auftreten, werden als Dornenkronen der Schöpfung betrachtet, während wahre Menschlichkeit im Miteinander und in der Versöhnungsbereitschaft liegt.
Die Botschaft der Geschwisterlichkeit
Der rote Faden des Sonnengesangs wird in der Menschenstrophe deutlich, wo es kein Herrschen oder Ausbeuten gibt. Die Schöpfung benötigt Menschen, die das Gemeinwohl über das Individuelle stellen und in einem geschwisterlichen Miteinander leben.

Lob der Erde
Die Bedeutung der Erde
Die Erde wird als Quelle des Lebens beschrieben, die Fruchtbarkeit, Mütterlichkeit und Nahrung symbolisiert. Der Mensch, als "Erdling" oder Adam, ist eng mit der Erde verbunden, was seine Natur widerspiegelt.
Die Beziehung zwischen Mensch und Erde
Die Verbindung zwischen Himmel und Erde ist essenziell für das menschliche Dasein. Diese Schicksalsgemeinschaft verdeutlicht die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Erde.
Spirituelle und ethische Verantwortung
Die Erde wird von Franziskus im Sonnengesang als Schwester und Mutter gepriesen. Es ist bedauerlich, wenn Menschen ihre Verbindung zur Erde vergessen. Statt sie zu erobern, sollte die Erde geliebt und geachtet werden, da wir Teil von ihr sind.