GERDEA-Podcast
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Forschungsverbund GERDEA

Beschreibung

Der Forschungsverbund GERDEA beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisse und der zeitgenössischen extremen Rechten. In diesem Podcast spricht der Host Jonas Gärtner mit den Forscher*innen des Verbunds über Ergebnisse der vier Teilforschungsprojekte:1) Männlichkeit im Wandel, autoritäre Männlichkeitsdikurse und die Mannosphäre2) Der Einfluss biographischer Dimensionen auf die geschlechterpolitische Positrionierung als traditionell, konservativ oder (extrem) rechts und die Präsentation dieser Positionierungen in den Sozialen Medien.3) Wie Stereotype rund um die Kategorie „Geschlecht“ die Urteilsfindung in Gerichtsverfahren zu rechter Gewalt und Rechtsterrorismus beeinflussen.4) Herausforderungen und Übergänge junger Erwachsener, vergeschlechtlichte Orientierungen und Anknüpfungspunkte rechter DeutungsangeboteWeitere Infos unter projekt-gerdea.deHost & Produktion: Jonas GärtnerRedaktion: Yannik Markhof und Jonas Gärtner,Der Forschungsverbund „Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen und der zeitgenössischen extremen Rechten. Dynamiken – Effekte – Ambivalenzen (GERDEA)“ wird im Rahmen der Förderlinie "Aktuelle und historische Dynamiken von Rechtsextremismus und Rassismus" des Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert.

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Veröffentlichungshistorie

Episodenübersicht

Geschlechterrollenstereotype Wahrnehmungsfilter in Gerichtsprozessen zu rechter Gewalt und Rechtsterrorismus

11.05.2026

Geschlechterrollen und Klassenpositionen vor Gericht

Vor Gericht beeinflussen identitätsprägende Merkmale wie Geschlecht und soziale Herkunft die Rechtsanwendung. Menschen bringen unterschiedliche Einstellungen mit, weshalb die Interpretation von Tatbeteiligungen durch vorgefasste Vorstellungen geprägt sein kann. In Untersuchungen wird gezeigt, dass weibliche Beteiligung oft weniger sichtbar wird, während dominante Männlichkeitsbilder in Prozessen greifbar bleiben und dadurch die Verlaufseinschätzungen beeinflussen.

Historische und gegenwärtige Perspektiven auf Geschlecht in der Rechtsextremismusforschung

Seit den frühen Jahren der Rechtsextremismusforschung gibt es eine geschlechtersensible Perspektive. Studien aus den Jahren 2003 bis 2016 zeigten, dass Männer häufiger als Haupttäter benannt werden, während Frauen in Medienberichten weniger sichtbar sind. Spätere Arbeiten analysieren Prozessakten, um Wahrnehmungsfilter zu identifizieren, die männliche Autonomie und Rationalität betonen und weibliche Beteiligung oft entwerten.

Der Gerichtssaal als sozialer Ort und seine Dynamik

Der Gerichtssaal wird als sozialer Ort beschrieben, in dem sich verschiedene Akteurinnen treffen: Richter, Verteidigung, Nebenklage, Zeugen und Angeklagte. Zugänge zu Prozessen sind öffentlich, doch Teilnahme und Einfluss richten sich nach Hierarchien. Zugrunde liegt eine gesellschaftlich geprägte Struktur, in der Geschlecht und Klasse implizite Rollen festlegen und die Rechtsanwendung mit kulturellen Vorannahmen verknüpfen.

Beispiele, Wahrnehmungsfilter und Folgen für die Rechtsordnung

Fallbeispiele zeigen verschiedene Männlichkeitsformen in Skinhead- bzw. Reichsbürger-Kontexten: eine harte, klare Hierarchie versus bürgerliche, ideologisch geprägte Männlichkeiten. Weibliche Figuren nehmen dabei unterschiedliche Rollen ein, von Opfer bis Unterstützerin. Wahrnehmungsfilter führen dazu, dass bestimmte Beteiligte als weniger glaubwürdig erscheinen, was politische Partizipation und Strafmaße beeinflusst und demokratische Teilhabe beeinflussen kann.

Geschlechterrollen und Klassenpositionen vor Gericht

Vor Gericht beeinflussen identitätsprägende Merkmale wie Geschlecht und soziale Herkunft die Rechtsanwendung. Menschen bringen unterschiedliche Einstellungen mit, weshalb die Interpretation von Tatbeteiligungen durch vorgefasste Vorstellungen geprägt sein kann. In Untersuchungen wird gezeigt, dass weibliche Beteiligung oft weniger sichtbar wird, während dominante Männlichkeitsbilder in Prozessen greifbar bleiben und dadurch die Verlaufseinschätzungen beeinflussen.

Historische und gegenwärtige Perspektiven auf Geschlecht in der Rechtsextremismusforschung

Seit den frühen Jahren der Rechtsextremismusforschung gibt es eine geschlechtersensible Perspektive. Studien aus den Jahren 2003 bis 2016 zeigten, dass Männer häufiger als Haupttäter benannt werden, während Frauen in Medienberichten weniger sichtbar sind. Spätere Arbeiten analysieren Prozessakten, um Wahrnehmungsfilter zu identifizieren, die männliche Autonomie und Rationalität betonen und weibliche Beteiligung oft entwerten.

Der Gerichtssaal als sozialer Ort und seine Dynamik

Der Gerichtssaal wird als sozialer Ort beschrieben, in dem sich verschiedene Akteurinnen treffen: Richter, Verteidigung, Nebenklage, Zeugen und Angeklagte. Zugänge zu Prozessen sind öffentlich, doch Teilnahme und Einfluss richten sich nach Hierarchien. Zugrunde liegt eine gesellschaftlich geprägte Struktur, in der Geschlecht und Klasse implizite Rollen festlegen und die Rechtsanwendung mit kulturellen Vorannahmen verknüpfen.

Beispiele, Wahrnehmungsfilter und Folgen für die Rechtsordnung

Fallbeispiele zeigen verschiedene Männlichkeitsformen in Skinhead- bzw. Reichsbürger-Kontexten: eine harte, klare Hierarchie versus bürgerliche, ideologisch geprägte Männlichkeiten. Weibliche Figuren nehmen dabei unterschiedliche Rollen ein, von Opfer bis Unterstützerin. Wahrnehmungsfilter führen dazu, dass bestimmte Beteiligte als weniger glaubwürdig erscheinen, was politische Partizipation und Strafmaße beeinflusst und demokratische Teilhabe beeinflussen kann.

Rechte Geschlechterpolitiken. Biografische Verläufe und Selbstpräsentationen auf Social Media

04.05.2026

Tradwife-Ideologie und Selbstdarstellung

Die Diskussion dreht sich um eine Ideologie, die Selbstbestimmung in der Unterwerfung unter den Mann betont. Tradwives erscheinen in ästhetischen Formen, die historische Vorbilder zitieren, ohne exakt zu dem früheren Verhältnis zurückzukehren. Die Darstellung kombiniert symbolische Bilder, Textbausteine und Lebensentwürfe, wobei Feminismus als Basis für Handlungen dient, die Selbstbestimmung betonen, auch wenn sie tradierte Rollen konstruieren.

Forschungszugang und methodische Perspektiven

Untersucht wird, wie sich geschlechterpolitische Selbstpositionierungen über biografische Narrative und visuelle Accounts auf Social Media verbinden. Interviews mit Account-Betreiberinnen, visuelle Analysen und plattformbezogene Unterschiede ermöglichen Einblicke in Formate, Codes und Texte. Die Forschenden beobachten, dass Identität oft durch Text, Bilder, Hashtags und Plattformstrukturen geformt wird, nicht allein durch klar sichtbare Botschaften.

Biografische Verläufe und Familiengeschichte

Biografien zeigen, wie Lebenswege, Generationenfolgen und familiäre Muster politische Positionen beeinflussen. Großmütter als Hüterinnen der Tradition, arbeitende Mütter versus nostalgische Idealvorstellungen, sowie Traumata und Zugehörigkeitsgefühle prägen die Selbstdarstellung. Die Kontextualisierung von Nationalgeschichte und familiären Erfahrungen dient der Deutung biografischer Ereignisse und der Legitimation eigener Positionen.

Ambivalenzen, Wandel und Deutung

Es gibt keine einfache Ursache-Wirkung. Selbstpräsentation und Überzeugungen können kontrastieren, verknüpft bleiben aber oft durch biografische Strategien. Rechte Geschlechterpolitiken zeigen Wandel, verankern sich aber in zeitgenössischen Geschlechterordnungen. Ambivalenzen entstehen durch Paradoxien wie Selbstbestimmung versus traditioneller Rollenfolgen, wodurch neue Formen von Traditonalität entstehen, die Identifikation erleichtern, ohne einfache Rückkehr zu alten Verhältnissen zu implizieren.

Tradwife-Ideologie und Selbstdarstellung

Die Diskussion dreht sich um eine Ideologie, die Selbstbestimmung in der Unterwerfung unter den Mann betont. Tradwives erscheinen in ästhetischen Formen, die historische Vorbilder zitieren, ohne exakt zu dem früheren Verhältnis zurückzukehren. Die Darstellung kombiniert symbolische Bilder, Textbausteine und Lebensentwürfe, wobei Feminismus als Basis für Handlungen dient, die Selbstbestimmung betonen, auch wenn sie tradierte Rollen konstruieren.

Forschungszugang und methodische Perspektiven

Untersucht wird, wie sich geschlechterpolitische Selbstpositionierungen über biografische Narrative und visuelle Accounts auf Social Media verbinden. Interviews mit Account-Betreiberinnen, visuelle Analysen und plattformbezogene Unterschiede ermöglichen Einblicke in Formate, Codes und Texte. Die Forschenden beobachten, dass Identität oft durch Text, Bilder, Hashtags und Plattformstrukturen geformt wird, nicht allein durch klar sichtbare Botschaften.

Biografische Verläufe und Familiengeschichte

Biografien zeigen, wie Lebenswege, Generationenfolgen und familiäre Muster politische Positionen beeinflussen. Großmütter als Hüterinnen der Tradition, arbeitende Mütter versus nostalgische Idealvorstellungen, sowie Traumata und Zugehörigkeitsgefühle prägen die Selbstdarstellung. Die Kontextualisierung von Nationalgeschichte und familiären Erfahrungen dient der Deutung biografischer Ereignisse und der Legitimation eigener Positionen.

Ambivalenzen, Wandel und Deutung

Es gibt keine einfache Ursache-Wirkung. Selbstpräsentation und Überzeugungen können kontrastieren, verknüpft bleiben aber oft durch biografische Strategien. Rechte Geschlechterpolitiken zeigen Wandel, verankern sich aber in zeitgenössischen Geschlechterordnungen. Ambivalenzen entstehen durch Paradoxien wie Selbstbestimmung versus traditioneller Rollenfolgen, wodurch neue Formen von Traditonalität entstehen, die Identifikation erleichtern, ohne einfache Rückkehr zu alten Verhältnissen zu implizieren.

Männlichkeit im Wandel und die Konjunktur autoritärer Männlichkeitsdiskurse

28.04.2026

Wandel der Männlichkeit und neue Leitbilder

Es wird eine Vervielfältigung männlicher Lebensweisen beschrieben, verbunden mit einer stärker werdenden Orientierung an Individualismus, Wettbewerb und unternehmerischer Selbstverwirklichung. Gleichstellungsorientierungen, Sorgearbeit und emotionale Reflexivität werden in kulturelle Leitbilder integriert, während die Selbstverständlichkeit männlicher Privilegien teilweise infrage gestellt wird. Neoliberalismus wird als Treiber gesehen, der Staat, Wirtschaft und Gesellschaft transformiert und die Bedingungen für eine traditionelle Erwerbsidentität verändert.

Autoritäre Deutungen als Reaktion auf Wandel

Autoritäre Deutungen greifen diese Veränderungen auf und interpretieren sie als Angriff auf männliche Herrschaft. Veränderungen werden als Bedrohung dargestellt, Feindbilder konstruiert und einfache Erklärungen für Verunsicherung angeboten. Männer gelten als Verteidiger einer ordnungsgemäßen Geschlechterordnung, während Veränderungen als Krisenursachen erscheinen. Ein Sicherheits- und Dominanzversprechen prägt die Diskurse und lädt dazu ein, Konflikte als externe Bedrohungen zu bekämpfen.

Zwei zentrale Diskurse: libertär-autoritär und rechtsautoritär

Es lassen sich zwei dominante Diskurse identifizieren: libertär-autoritäre Diskurse betonen Unabhängigkeit, ökonomische Selbstbestimmung und den Schutz vor gesellschaftlicher Abhängigkeit, oft mit einer exklusiven Gemeinschaft männlicher Leistung. Rechtsautoritäre Diskurse fokussieren auf eine völkische Ordnung, schützen traditionell zugewiesene Rollen und zeichnen Feindbilder in Form von Feminismus, Queerness oder Migration verantwortlich für den Verlust von Mannsein.

Implikationen für Pädagogik und Beobachtungen

Für die Praxis wird eine kritische Reflexion solcher Diskurse empfohlen: Welche Problemdeutungen werden präsentiert, welche Lösungen vorgeführt und welche Lebenspläne junger Männer angeregt? Wichtig ist eine offene Auseinandersetzung mit Verlust- und Abhängigkeitserfahrungen, damit Jungen und Männer eigene Lebensentwürfe entwickeln können. Dabei bildet die Reflexion gesellschaftlicher Anforderungen eine Grundlage für Resilienz gegenüber autoritären Deutungen.

Wandel der Männlichkeit und neue Leitbilder

Es wird eine Vervielfältigung männlicher Lebensweisen beschrieben, verbunden mit einer stärker werdenden Orientierung an Individualismus, Wettbewerb und unternehmerischer Selbstverwirklichung. Gleichstellungsorientierungen, Sorgearbeit und emotionale Reflexivität werden in kulturelle Leitbilder integriert, während die Selbstverständlichkeit männlicher Privilegien teilweise infrage gestellt wird. Neoliberalismus wird als Treiber gesehen, der Staat, Wirtschaft und Gesellschaft transformiert und die Bedingungen für eine traditionelle Erwerbsidentität verändert.

Autoritäre Deutungen als Reaktion auf Wandel

Autoritäre Deutungen greifen diese Veränderungen auf und interpretieren sie als Angriff auf männliche Herrschaft. Veränderungen werden als Bedrohung dargestellt, Feindbilder konstruiert und einfache Erklärungen für Verunsicherung angeboten. Männer gelten als Verteidiger einer ordnungsgemäßen Geschlechterordnung, während Veränderungen als Krisenursachen erscheinen. Ein Sicherheits- und Dominanzversprechen prägt die Diskurse und lädt dazu ein, Konflikte als externe Bedrohungen zu bekämpfen.

Zwei zentrale Diskurse: libertär-autoritär und rechtsautoritär

Es lassen sich zwei dominante Diskurse identifizieren: libertär-autoritäre Diskurse betonen Unabhängigkeit, ökonomische Selbstbestimmung und den Schutz vor gesellschaftlicher Abhängigkeit, oft mit einer exklusiven Gemeinschaft männlicher Leistung. Rechtsautoritäre Diskurse fokussieren auf eine völkische Ordnung, schützen traditionell zugewiesene Rollen und zeichnen Feindbilder in Form von Feminismus, Queerness oder Migration verantwortlich für den Verlust von Mannsein.

Implikationen für Pädagogik und Beobachtungen

Für die Praxis wird eine kritische Reflexion solcher Diskurse empfohlen: Welche Problemdeutungen werden präsentiert, welche Lösungen vorgeführt und welche Lebenspläne junger Männer angeregt? Wichtig ist eine offene Auseinandersetzung mit Verlust- und Abhängigkeitserfahrungen, damit Jungen und Männer eigene Lebensentwürfe entwickeln können. Dabei bildet die Reflexion gesellschaftlicher Anforderungen eine Grundlage für Resilienz gegenüber autoritären Deutungen.