
Eine Frage der Macht. Gespräche zu Führung und Verantwortung in Organisationen
Antje Schnoor
Beschreibung
Der Podcast richtet sich an Menschen, die in Organisationen Verantwortung tragen oder Organisationen begleiten – als Führungspersonen, Berater:innen, Wissenschaftler:innen und alle Menschen, die bereit sind, sich mit schwierigen Fragen auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Machtstrukturen, Organisationskultur, Integrität und Verantwortung und dem Umgang mit Konflikten und Machtmissbrauch.
Die Gespräche werden begleitet durch kurze Episoden, die zentrale Begriffe und Konzepte rund um Organisationssoziologie und -ethik näher beleuchten.
www.antjeschnoor.de/podcast
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Veröffentlichungshistorie
Episodenübersicht

Wenn Werte zur Fassade werden
Einführung in die Wirtschafts- und Unternehmensethik
Antje Schnoor spricht mit Annette Kleinfeld, einer Expertin für Wirtschafts- und Unternehmensethik, über die Verbindung zwischen Ethik und Wirtschaft. Kleinfeld betont, dass Ethik nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch in der Wirtschaft relevant ist und auf historischen Grundlagen beruht.
Spannungsfeld zwischen Ethik und Wirtschaft
Kleinfeld erklärt, dass es wichtig ist, übergeordnete gesellschaftliche Ziele in der Wirtschaft zu berücksichtigen. Die neoklassische ökonomische Theorie, die Werte ignoriert, wird als unzureichend betrachtet. Historisch gesehen, basieren ökonomische Theorien auf ethischen Prinzipien, insbesondere dem Utilitarismus.
Entwicklung der Unternehmensethik
Die Diskussion über Unternehmensethik hat sich seit den 1980er Jahren in den USA und später in Europa entwickelt. Unternehmen begannen, Verhaltenskodizes zu implementieren, um ethische Standards zu setzen, auch wenn diese nicht gesetzlich vorgegeben sind. In Deutschland entstand eine akademische Auseinandersetzung mit der Verbindung von Wirtschaft und Ethik.
Beratungspraxis und ethische Werte
Kleinfeld teilt ihre Erfahrungen aus der Beratungspraxis, in der sie sowohl Unternehmen unterstützt, die bereits in Schwierigkeiten sind, als auch solche, die präventiv tätig werden möchten. Sie hebt hervor, dass ethische Werte oft in inhabergeführten Unternehmen tief verankert sind.
Moralischer Schlagobers und CSR-Washing
Der Begriff des 'moralischen Schlagobers' beschreibt Unternehmen, die zwar ethische Werte propagieren, aber diese nicht ernsthaft umsetzen. Kleinfeld warnt, dass solche Praktiken langfristig schädlich für das Unternehmen sein können.
Die Rolle der Führungskräfte
Kleinfeld betont die zentrale Rolle der Führungskräfte in der Umsetzung von Unternehmensethik. Eine Unternehmenskultur, die ethische Werte fördert, muss von den Führungskräften vorgelebt werden. Veränderungen in der Führung können die gesamte Unternehmensethik gefährden.
Integritätsmanagement vs. Compliance-Management
Der Unterschied zwischen Integritätsmanagement und Compliance-Management wird diskutiert. Integrität erfordert eine kulturelle Verankerung von Werten, während Compliance oft nur auf Regeln und Kontrollen fokussiert ist. Ein Beispiel ist der Fall VW, wo trotz eines umfangreichen Compliance-Systems unethisches Verhalten vorkam.
Fazit und Ausblick
Die Diskussion rund um Unternehmensethik zeigt, dass es nicht nur um die Entwicklung von Strategien, sondern auch um die Anpassung der Unternehmenskultur und die Auswahl der richtigen Führungskräfte geht. Eine nachhaltige und verantwortliche Unternehmensstrategie erfordert ein tiefes Verständnis und die Umsetzung ethischer Prinzipien im Alltag.

Macht
Einführung in den Begriff Macht
Macht wird oft negativ wahrgenommen, assoziiert mit Manipulation und Missbrauch. Dennoch ist Macht an sich neutral und beschreibt die Fähigkeit, Einfluss auf andere und Entscheidungen zu nehmen. In verschiedenen Kontexten, wie Organisationen, Familien und Freundschaften, entstehen Einflussverhältnisse.
Die Rolle von Macht in Organisationen
Führung ohne Macht ist kaum vorstellbar, da Führungskräfte die Möglichkeit benötigen, Entscheidungen zu treffen. Auch Mitarbeitende besitzen Macht durch Fachwissen und Netzwerke. Es wird zwischen formaler Macht (Hierarchie) und informeller Macht (Reputation, Fachwissen) unterschieden, was in Veränderungsprozessen deutlich wird.
Definitionen von Macht
Max Weber definiert Macht als die Chance, den eigenen Willen gegen Widerstand durchzusetzen. Robert Dahl ergänzt, dass A Macht über B hat, wenn A B zu Handlungen bewegen kann, die B sonst nicht vollzogen hätte. Diese klassischen Definitionen werden jedoch von Kritikern wie Niklas Luhmann hinterfragt, die die Komplexität sozialer Interaktionen betonen.
Kritik an klassischen Machtvorstellungen
Luhmann kritisiert, dass klassische Machtdefinitionen eine klare Kausalitätsbeziehung zwischen Handlung und Macht annehmen, die in sozialen Situationen oft nicht zutrifft. Zudem wird unterstellt, dass Handlungsverläufe von Anfang an feststehen, was die Realität komplexer sozialer Prozesse nicht berücksichtigt.
Schlussfolgerungen zur Macht
Macht ist ein wertneutraler Begriff und kein persönliches Attribut, sondern ein Charakteristikum sozialer Beziehungen. In Organisationen ist Macht omnipräsent, und die Verantwortung im Umgang mit Macht ist entscheidend. Der Podcast behandelt diese Themen und beleuchtet, wie Frauenanteile in Führungspositionen und andere Faktoren bestehende Machtordnungen herausfordern.

Führung ist nicht neutral: Geschlecht als Organisationsfrage
Einführung in das Thema
Antje Schnoor und Birgit Riegraf diskutieren die Rolle von Frauen in Führungspositionen und die Herausforderungen, die mit einer steigenden Anzahl weiblicher Führungskräfte in Organisationen verbunden sind. Riegraf ist Professorin für Allgemeine Soziologie und hat sich intensiv mit Geschlechterforschung und Organisationssoziologie beschäftigt.
Widerstände gegen weibliche Führungskräfte
Ein Anstieg weiblicher Führungskräfte führt laut Riegraf nicht zur Normalisierung, sondern verstärkt Widerstände innerhalb der Organisation. Ab einem bestimmten Anteil von Frauen wird die Organisationskultur in Frage gestellt, was zu Irritationen und Widerständen führt.
Wahrnehmung von Kompetenzen
Frauen in Führungspositionen müssen häufig ihre Kompetenzen kontinuierlich unter Beweis stellen, während männliche Führungskräfte oftmals mehr Vertrauen entgegengebracht wird. Diese Doppelbelastung zeigt sich in der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Geschlechterrollen und Stereotypen.
Glasdecke und Glasklippe
Riegraf erläutert das Konzept der „Glasdecke“, das beschreibt, wie Frauen in Führungspositionen stigmatisiert werden, wenn sie in Krisensituationen berufen werden, und wie dies ihre Karrierechancen beeinträchtigt.
Führungsstile und Zuschreibungen
Die Zuschreibung von Führungsstilen ist oft geschlechtsspezifisch, wobei Frauen als empathisch und fürsorglich wahrgenommen werden, während Männer als durchsetzungsfähig gelten. Diese Wahrnehmungen beeinflussen, wie ihre Entscheidungen bewertet werden.
Solidarität unter Frauen
Abschließend wird die Bedeutung von Solidarität unter Frauen in Führungspositionen hervorgehoben. Riegraf warnt vor einer wachsenden Konkurrenz unter Frauen, die in prekären Führungssituationen um Positionen kämpfen, und ruft dazu auf, Solidarität zu fördern.